Oktober 6, 2018 – 27 Tishri 5779
Jerusalems militärische Speerspitze

image

Die Spezialeinheiten der israelischen Armee im Porträt  

Von Marcel Serr (Israelnetz)

Die israelischen Spezialeinheiten sind unter den Feinden Israels gefürchtet und werden von befreundeten Streitkräften hochgeachtet. Sie operieren im gesamten Nahen Osten; ihre aufsehenerregenden Missionen sind – sofern sie überhaupt bekannt werden – unkonventionell, risikobereit und enden in aller Regel erfolgreich.

Sie gilt als die Lebensversicherung des jüdischen Staates: Die israelische Armee. Ihre Schlagkraft übertrifft diejenigen der Region. Für den militärischen Vorsprung Israels einzutreten, ist in den USA sogar ein Gesetz. Doch oftmals ist es nicht „die Armee“, die die Bewohner des Landes schützt, sondern viele kleine, spezialisierte Einheiten, die im Laufe der Jahre gegründet wurden, um sich der jeweiligen Bedrohung entgegenzustellen.

In den Jahrzehnten vor der Gründung Israels im Jahr 1948 kam es bereits zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den zionistischen Siedlern und der arabischen Bevölkerung im britischen Mandatsgebiet Palästina. In den 1930er Jahren weiteten sich die Spannungen zu einem regelrechten Bürgerkrieg aus. Zu dieser Zeit prägte der britische Offizier Orde Wingate die spätere israelische Kriegsführung nachhaltig mit dem Aufbau der „Special Night Squads“ (SNS) – einer jüdischen Spezialeinheit zur Aufklärung und verdeckten Kriegsführung in arabischen Gebieten.

Getreu der Prämisse „Angriff ist die beste Verteidigung“ wurden nächtliche Überfälle tief in feindlichem Gebiet zum Markenzeichen der SNS. Obgleich die Einheit nur etwa ein Jahr lang operierte, begannen viele Schlüsselfiguren der israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) ihre militärische Karriere in den SNS, unter ihnen der General und Politiker Mosche Dajan. Daher ist Wingates Erbe bis heute wesentlicher Bestandteil israelischer Militärdoktrin, die sich durch einen Hang zum Unkonventionellen und einem ausgeprägten Offensivdrang auszeichnet.

Der Prototyp: Ariel Scharons Einheit 101
Im August 1953 gründete Ariel Scharon in direkter Anlehnung an die „Special Night Squads“ die berüchtigte Einheit 101. Israels Führung betraute die erste Spezialeinheit der Armee mit riskanten Überfällen in den arabischen Nachbarstaaten, die als Rückzugsraum der arabischen Terror- und Guerilla­Organisationen dienten. Scharon und seine Kampfgefährten waren nicht zimperlich, sodass es bei den Operationen teilweise zu erheblichen zivilen Opfern kam. Daher integrierte Israels Militär die Einheit 101 im Januar 1954 in die neugegründete Eliteeinheit der Fallschirmjäger.

Die Einheit 101 ist der Prototyp der israelischen Spezialeinheit. Sie führte innovative Offensiv- und Infiltrations­Taktiken ein und ist bis heute das Vorbild israelischer Kommando-Operationen.

Sajeret Matkal – die Späher des Generalstabs
Sajeret Matkal steht unter der Leitung des Militärgeheimdienstes AMAN. Die Hauptaufgaben liegen in der Aufklärung und Einholung nachrichtendienstlicher Informationen hinter feindlichen Linien. Ab den 1970er Jahren kamen mit der Terrorbekämpfung und Geiselbefreiung im Ausland neue Aufgabenbereiche hinzu. Die Einheit hat großen Einfluss auf die Entwicklung des israelischen Militärs, weil sie als Experimentierplattform für Infiltrations- und Kommandotaktiken sowie Tarn- und Antiterror-Kampftechniken dient.

Größere Bekanntheit erlangte die Einheit durch die „Operation Thunderbolt“ (1976). Dabei befreiten Sajeret-Einheiten unter dem Kommando von Joni Netanjahu, dem Bruder von Israels aktuellem Premierminister Benjamin Netanjahu, mehr als 100 Geiseln aus dem 4.000 Kilometer entfernten Flughafen von Entebbe in Uganda. Tragischerweise überschattete der Tod Joni Netanjahus den Erfolg der Operation.

Anfangs war die Einheit streng geheim. Bis heute dürfen die Mitglieder sich nicht öffentlich zu erkennen geben und tragen keine Abzeichen. Rekruten durchlaufen eine fast zweijährige Ausbildung mit dem Schwerpunkt auf Nahkampf, Navigation, Tarnung, Aufklärung und Überlebenstraining in feindlichem Gebiet.

Sajeret-Matkal-Veteranen gelangen oftmals in einflussreiche Positionen im Militär und der Politik. Ehud Barak, Israels am höchsten dekorierter Soldat, ist später zum Generalstabschef und Premierminister (1999-2001) aufgestiegen. Regierungschef Netanjahu ist ebenfalls Sajeret-Veteran.

Schajetet 13: Israels Marineeinheit
Die Marineeinheit Schajetet 13 ist für Infiltration, Terrorbekämpfung, Sabotage, maritime Aufklärung und Geiselbefreiung sowie die Übernahme feindlicher Schiffe zuständig. Sie ist in Land-, See- und Luftoperationen geübt und hat an fast allen größeren Militäroperationen Israels teilgenommen. Im Jom-Kippur-Krieg (1973) infiltrierten Kommandoeinheiten ägyptische Häfen und versenkten fünf ägyptische Kriegsschiffe. Anfang der 1980er Jahre wurde die Einheit insbesondere im Libanon und dem Kampf gegen die Hisbollah eingesetzt.

Typische Missionen dieser Zeit sind das Abfangen von Versorgungsschiffen der Terror­Organisation, das Sprengen von feindlichen Einrichtungen sowie das Anbringen von Sprengfallen. Größere Bekanntheit erreichte Schajetet 13 durch das Kapern von Schiffen, die während der sogenannten 2. Intifada (2000–2005) Waffen an die „Palästinenser“ lieferten. (…)

Komplett zu lesen in der Druck- oder Onlineausgabe der Zeitung. Sie können die Zeitung „Jüdische Rundschau“ hier für 39 Euro im Papierform abonnieren oder hier ein Onlinezugang zu den 12 Ausgaben für 33 Euro kaufen.


Sie können auch diesen Artikel komplett lesen, wenn Sie die aktuelle Ausgabe der "Jüdischen Rundschau" hier online mit der Lieferung direkt an Sie per Post bestellen oder jetzt online für 3 Euro statt 3,70 Euro am Kiosk kaufen.

Brief an die Redaktion schreiben