Der Vorsitzende der Labour Party hat seine gesamte politische Karriere mit Verschwörungstheoretikern, Terroristen und Revolutionären verbracht.  

Von Thomas Eppinger

Es geht ihr nicht gut, der europäischen Sozialdemokratie. Nur mehr eine Handvoll EU-Staaten wird von sozialdemokratischen Ministerpräsidenten regiert. In Frankreich, Tschechien und den Niederlanden schrumpften die Sozialisten und Sozialdemokraten zu einstelligen Kleinparteien, auch in Dänemark, Finnland, Norwegen und Österreich mussten sie in die Opposition, und die SPD fuhr mit Martin Schulz das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte ein. Im eigenen Niedergang schöpft so mancher Verlierer Hoffnung aus dem Erfolg des Führers der britischen Labour Party, die zwar die Wahlen 2017 verlor, aber an Stimmen zulegen konnte.

Jeremy Corbyn, der zuvor 30 Jahre lang ein relativ unauffälliges Dasein als parlamentarischer Hinterbänkler geführt hatte und es nur durch Wahlrechtstricks an die Spitze der Labour Party geschafft hat, ist ein überzeugter Marxist und Anti-Amerikaner. Doch nicht nur das.

Posterboy des Antisemitismus
„Posterboy des Antisemitismus“ nannten sogar Abgeordnete der eigenen Partei ihren Chef. Corbyn „gilt als eiserner Unterstützer von Hamas und bezeichnet einige ihrer Vertreter als seine Freunde. Er bot einst dem Holocaust-Leugner Paul Eisner finanzielle Unterstützung an, und nennt auch Stefan Sizer seinen Freund, der durch die Theorie bekannt wurde, die Attentate 9/11 in New York wären das Werk des Mossad, des israelischen Geheimdienstes. Er setzte sich für die Freilassung von Jawad Botmeh und Samar Alami ein, palästinensische Terroristen, verantwortlich für ein Bomben-Attentat auf eine israelische Botschaft und eine israelische Hilfsorganisation. Er saß am Podium mit Dyab Abou Jahjah, der von dort aus erklärte, Europa leide unter dem Kult der Juden-Verherrlichung und des Holocaust.“, berichtete der Journalist und Autor Peter Sichrovsky 2017 aus London.

Es sei ihm eine „Ehre und Freude“, sagte Corbyn, „unsere Freunde“ von Hamas und Hisbollah im britischen Parlament als Gastgeber zu begrüßen. Dabei pries er die beiden terroristischen Vereinigungen, deren Programm im Wesentlichen in der Vernichtung Israels besteht, als Organisationen, die „dem Wohl des palästinensischen Volkes gewidmet“ seien und „langfristig Frieden, soziale Gerechtigkeit und politische Gerechtigkeit in der gesamten Region“ herbeiführen würden. Den „palästinensischen“ Hassprediger Raed Salah lud er im Parlament zum Tee ein und beschrieb ihn als „einen sehr honorigen Bürger“, dessen Stimme gehört werden müsse.

Corbyn hielt eine Rede bei der Hochzeit des „palästinensischen“ Holocaust-Leugners Husan Zomlot, aber er drückte sich um die Einladung zu einem Dinner in London mit Premierminister Netanjahu zur Feier des 100. Jahrestags der Balfour-Deklaration.

Von 2009 bis 2012 kassierte Corbyn 20.000 Britische Pfund von einem iranischen Propagandasender als Vergütung für gelegentliche Auftritte als Moderator und Gastgeber einer Talkshow. Dem Sender wurde sechs Monate vor der letzten Überweisung an Corbyn die Sendelizenz für das Vereinigte Königreich entzogen, nachdem er ein unter Folter erzwungenes „Geständnis“ eines CNN-Journalisten ausgestrahlt hatte. Die erpresste Aussage war die Bedingung für dessen Freilassung, nachdem man ihn im Iran nach einem regimekritischen Bericht entführt und in ein Militärgefängnis geworfen hatte.

Natürlich unterstützt „der führende Antisemit der westlichen Welt“ die antisemitische Boykottbewegung BDS. „Ich denke, die Boykott-Kampagne, die Desinvestitionskampagne, sind Teil eines rechtlichen Verfahrens, das übernommen werden muss“, antwortete Corbyn in einer Podiumsdiskussion im August 2015 auf die Frage, ob das Gremium den „Palästinensern“ Hoffnung geben könne, indem es die Bewegung für Boykott-Desinvestitionen und Sanktionen gegen Israel unterstütze.

Seit Juli tauchen in der britischen Presse Fotos auf, die Corbyns Nähe zu Islamisten dokumentieren. Bilder von seiner Teilnahme an einer Kranzniederlegung für „Palästinenser“ in Tunesien, in unmittelbarer Nähe des Grabs jener Terroristen, die für das Massaker von München 1972 verantwortlich waren. Ein Foto aus einer britischen Moschee, auf dem er vier Finger der rechten Hand zum Gruß der Muslimbruderschaft spreizt.

Außerhalb der Labour Party glaubt niemand mehr Corbyns Rechtfertigungen. Seine Ausflüchte folgen seit jeher demselben Muster. Es war gar nicht so, und wenn es doch so gewesen sein sollte, habe er nicht gewusst, mit wem er es zu tun habe oder sei nur am Rande dabei gewesen ohne am Geschehen teilgenommen zu haben. Was der britische „Spectator“ lakonisch mit der Schlagzeile quittierte: „Jeremy Corbyn ist entweder zutiefst böse – oder ein totaler Idiot.“

Genug ist genug
In Großbritannien leben ungefähr 300.000 Juden, viele davon traditionell Labour-Wähler. Doch Corbyn hat das Maß des Erträglichen überschritten. „Today, leaders of British Jewry tell Jeremy Corbyn that enough is enough“, heißt es in einem offenen Brief der obersten Vertreter der jüdischen Gemeinden. (…)

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