September 5, 2015 – 21 Elul 5775
Ist Rauchen koscher ?

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Tabakrauchen und Halacha  

von Dr. Stephan Probst

(…)Mit dem Wissen der modernen Medizin um die Gesundheitsschäden, die mit statistischer Gewissheit eintreten und die man für Kollektive mit den Methoden der Statistik exakt dokumentieren kann, stellt sich die Frage, ob Rauchen aus objektiver moralischer oder sozialethischer Sicht überhaupt erlaubt ist. Und noch mehr stellt sich die Frage, wie das Judentum, das dem Leben als Leihgabe Gottes eine so hohen Stellenwert beimisst und uns in der traditionellen Auslegung verpflichtet, sorgsam mit dieser Leihgabe umgehen, diese Frage beantwortet – oder was nach liberaler, weniger paternalistischer Auslegung eine Richtschnur für unsere Entscheidungen sein könnte.

Einige Rabbiner des 17. und 18. Jahrhunderts glaubten noch, Rauchen sei gesundheitsförderlich, da es abführend wirke und machten sich, wie Rabbi Jaacov Emden Gedanken darüber, ob das Rauchen bei Verstopfung auch an Feier- und Fasttagen als medizinische Maßnahme zu gestatten sei. Seit Anfang der 1960er Jahre mehrten sich aber Berichte und Forschungsergebnisse, die keinen Zweifel mehr daran ließen, dass Tabakrauchen nicht nur ein massives Suchtpotential hat, sondern auch tödliche Krankheiten auslösen kann und dies nicht nur theoretisch. 1964 wurde ein Bericht des US-Gesundheitsministeriums vorgelegt, in dem klar die gesundheitsschädlichen Folgen des Rauchens einer breiten Öffentlichkeit dargestellt wurden. Der jüdische Arzt Fred Rosner publizierte daraufhin 1972 einen Aufsatz, in dem er argumentierte, dass das Wissen um die Risiken des Rauchens folgerichtig zur Ansicht führen müsse, dass Rauchen ein Verstoß gegen das biblische Gebot, seine Gesundheit zu erhalten, sei. Aus der rabbinischen Literatur führte er zahlreiche Analogien auf, um seine Einschätzung zu untermauern, so etwa das talmudische Verbot, nachts aus natürlichen Gewässern zu trinken oder Wasser aus unverschlossenen Gefäßen, weil giftige Tiere damit in Kontakt gewesen sein könnten und das Wasser gesundheitsschädlich sein könnte. (…)

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