Mai 11, 2016 – 3 Iyyar 5776
Israels sonnigere Alternative zum Jakobsweg

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Andy Eggert zum Wandern auf dem Israel-Trail  

Ein Interview mit Andy Eggert, Vorstand der Allgäuer Israelfreunde, über die Sicherheit am Israel National Trail und über Israel ganz allgemein.

INT: Als Vorstand der Allgäuer Israelfreunde engagieren Sie sich seit vielen Jahren für ein besseres gegenseitiges Verständnis zwischen Deutschland und Israel. Immer wieder mahnen Sie dabei eine faire Berichterstattung an, sind Erklärer, Brückenbauer. Oft finden Sie aber auch sehr klare Worte. Themen wie „Wandern in Israel“ haben da vermutlich bis jetzt keine Rolle gespielt?

Andy Eggert: Ganz im Gegenteil. Ein wichtiges Anliegen der Allgäuer Israelfreunde ist es, die Menschen im Allgäu und in Israel einander näherzubringen. Und das geht nur, wenn man einzelne Aspekte des Lebens im jeweiligen Umfeld beleuchtet, sich also bewusst abseits der politischen Diskussionen hält. Auf unserer Facebook-Seite findet sich z.B. ein Bericht über einen Kibbuznik, der Bergführer im Allgäu geworden ist, Rezepte für das bevorstehende Pessachfest und kurze Videoclips über israelische Städte. Auch unsere Israel-Tage (der nächste findet am 18. Mai in Kempten statt) sind so ausgelegt, dass die Besucher mit Angeboten wie Musik und Spezialitäten für Israel interessiert werden sollen, nicht mit politischen Diskussionen.
Selbstverständlich können wir die Terrorwelle, unter der israelische Zivilisten seit Monaten zu leiden hat, genauso wenig ignorieren wie die einseitige und ungenaue Berichterstattung darüber in deutschen Medien. Wie sollen wir als Israelfreunde still sein, wenn ein feiges Attentat auf einen Bus, bei dem durch einen glücklichen Zufall „nur“ 18 Verletzte zu beklagen sind, in deutschen Medien anfangs als „Mehrere Verletzte bei einem Brand in einem Bus in Jerusalem“ berichtet wird?
Sinn unserer Arbeit ist aber weniger der politische Diskurs, sondern viel mehr, Menschen zueinander zu bringen. Und dafür sind gerade Themen wie der „Israel-Trail“ oder das Buch darüber sehr wichtig, weil sie Geschichten von Menschen erzählen und damit wirksam Vorurteile abbauen helfen.

INT: Immer mehr Pilger interessieren sich für den Israel National Trail, manche sehen in ihm schon die ultimative und jungfräuliche Alternative zum Jakobsweg. Wer seine Pläne unbedacht äußert, wird womöglich von allen Seiten – auch aus dem eigenen Bekanntenkreis – mit negativen Aussagen über Israel „bombardiert“ und verunsichert werden. Muss man in Israel Angst haben?

Andy Eggert: An dieser Frage kann man sehr schön den Unterschied von „medialem Bild“ und „Wirklichkeit“ festmachen: Jede Statistik, aber auch jeder, der schon einmal selbst im wunderschönen Urlaubsland Israel war, kann bezeugen, dass das Land für Urlauber und Wanderer sehr sicher ist. Die Menschen in Israel sind gastfreundlich und aufgeschlossen, als Tourist ist man in dem Land herzlich willkommen. Die allermeisten Menschen kommen von ihrer ersten Reise nach Israel mit einem völlig verändertem Bild des Landes und seiner Bewohner zurück. Und genau das ist es auch, was ich all den Skeptikern empfehle: „Schaut euch das Land mit eigenen Augen an und bildet euch selbst euer Urteil!“

INT: Oft werden Sicherheitsfragen diskutiert. Wer den Israel National Trail als Ganzes durchwandern möchte, ist ca. 50 Tage zu Fuß durch Israel unterwegs. Womöglich sogar allein...

Andy Eggert: Der Israel National Trail ist ein Erlebnis, bei dem es eine ganze Menge Gefahren einzuordnen gibt. Man ist in der Wüste allein unterwegs und muss mit Kälte, Hitze, Wasserverbrauch und vielen anderen Herausforderungen zurecht kommen. All das verlangt ein hohes Maß an Planung und Vorbereitung. Um das einschätzen zu können, sollte man vorher das Buch von Christian Seebauer gelesen haben. Dem sind auf seinem Weg durch Israel nur freundliche und hilfsbereite Menschen begegnet und sein größtes Problem mit seiner „Sicherheit“ war der Moment, als ihn ein israelischer Barbesitzer von seiner Terrasse geworfen hat.

INT: „Raketen aus Gaza, Bombenattentate, Messerattacken, Terror, Hamas, Palästina, Siedlungspolitik“ – Nur ein paar willkürlich Stichworte, die unsere Medien beherrschen und die einem auf Anhieb einfallen könnten. Warum schaffen es die guten Meldungen nicht in die Medien? Und was davon bekommt man als Wanderer im Heiligen Land mit?

Andy Eggert: „Only the bad news are good news“ – dieser Grundsatz gilt wohl in der gesamten Medienwelt, nicht nur, wenn es um Israel geht. Was beim Thema Israel hinzukommt – leider nicht nur bei deutschen Medien –, ist eine gewisse Verbissenheit, mit der unsere Zeitungen und TV-Anstalten versuchen, das Land in den schwärzesten Farben darzustellen. Man muss sich das einmal vorstellen: in der ganzen Region herrschen Analphabetismus, Armut, Unterdrückung und in den letzten Jahren blutige Bürgerkriege. In diesem Meer von Grausamkeiten gibt es eine Insel der Freiheit, der Demokratie, wo Gleichheit der Geschlechter und Gleichheit vor dem Gesetz herrschen und wo Menschen frei ihr Glück machen können: Israel. Und genau dieses Land ist es, das in unseren Medien ständig verteufelt wird!
Aber das „wahre“ Israel sieht eben ganz anders aus! Ich kann jedem interessierten nur wärmstens empfehlen, selbst nach Israel zu reisen und sich selbst ein Bild von dem Land und seinem Menschen zu machen. Israel ist sicher und es ist ein faszinierendes Reiseland!

INT: Bleiben wir bei den Vorurteilen. Viele Deutsche haben womöglich ein ungutes Gefühl bei dem Thema „als Deutscher nach Israel“ zu gehen, man könnte ja auch mit der Vergangenheit konfrontiert werden?

Andy Eggert: Niemand, der heute nach Israel als Urlauber kommt, ist persönlich für die Verbrechen der Schoah verantwortlich. Das war eine andere Generation. Viele Menschen, die als Urlauber oder Pilger ins Heilige Land kommen, spüren eine Verantwortung, dafür zu sorgen, dass sich so etwas nie mehr wiederholt. Diese Menschen finden in Israel viele Orte, an denen sie der Vergangenheit gedenken können und – noch – viele Menschen, die diese Vergangenheit erlebt haben.
Daneben gibt es aber auch viele – vor allem jüngere – Menschen, die einfach nach Israel kommen, um in Eilat zu baden, die Nächte in Tel Aviv zu erleben, oder eine Wanderung durch die Wüste zu unternehmen. Israel ist ein faszinierendes Urlaubsland und jeder Gast kann sich seinen Urlaub zu zusammenstellen, wie er möchte. (…)

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