Januar 4, 2016 – 23 Tevet 5776
Israels einsame Soldaten

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Stell Dir vor, du gehst in einem Land zur Armee, wo du niemanden kennst.  

In der israelischen Armee dienen einige Tausend Soldaten, die einen besonderen Status haben. „Einsame Soldaten“ werden sie genannt. Sie sind Teil von gewöhnlichen Einheiten oder Kampfverbänden und erhalten besondere Unterstützung durch die Armee, den Staat oder private Organisationen.

Es gibt „einsame Soldaten“, deren Familie zwar in Israel wohnhaft ist, zu denen die jungen Leute aber wenig Kontakt haben. Einer von ihnen ist Jossi. Der 22-Jährige stammt aus einer ultra-orthodoxen Familie. „Als ich vor etwas mehr als drei Jahren entschied, in die Armee zu gehen, waren meine Eltern schockiert.“ Aber auch für ihn selbst war es nicht leicht: „Mit Beginn der Armeezeit betritt jeder eine neue Welt. Doch jemand mit ultra-orthodoxem Hintergrund betritt eine andere Galaxie.“

Das „Jerusalemer Institut für Gerechtigkeit“ setzt sich für die Belange von benachteiligten Menschen in Israel ein. Die Mitarbeiterin Flavia Sevald stammt selbst aus Argentinien: „2009 fielen uns die Lebensumstände der ‚einsamen Soldaten‘ auf. Oft wissen sie nicht, wo sie ihre Wochenenden verbringen sollen und sind außerhalb der Armee komplett auf sich selbst gestellt. Wir sahen dringenden Handlungsbedarf. Neben rechtlichen Aspekten helfen wir auch ganz praktisch: Am Schabbat oder zu Feiertagen holen wir die Soldaten von ihren Unterkünften zum Essen ab.“ Die jungen Leute sind dabei zu nichts verpflichtet. „Sie dürfen zu uns kommen, wie sie sind. Nur um eine Sache bitten wir: Weil unsere Schabbatessen in einem guten Hotel abgehalten werden, bitten wir die Soldaten, nicht in kurzen Hosen zu kommen.“ Doch als kurz darauf einer der Soldaten den Raum mit kurzen Hosen betritt, lacht die Frau mit den blonden Locken nur: „In der Armee gibt es genug Regeln. Sie sollen sich hier wie zuhause fühlen.“

Einmal einsamer Soldat, immer einsamer Soldat.
Jossi kommt seit zwei Jahren fast jede Woche. „Ich bin froh, dass ich hier ins Hotel kommen kann. Manchmal kommen am Schabbatabend 15, manchmal auch 80 Soldaten. Ich kenne sie alle. Es ist immer gut, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.“ Im vergangenen Sommer endete Jossis Armeedienst, zu den Schabbatessen kommt er trotzdem. Er grinst, als er sagt: „Bist du einmal ‚einsamer Soldat‘, bleibst du es für immer.“

Den Großteil der „einsamen Soldaten“ bilden jedoch Juden aus dem Ausland. Ari Abramowitz erzählt von seinem Freund Mordi, der als „einsamer Soldat“ nach Israel kam und mit der harten Wirklichkeit konfrontiert wurde. Seine erste Nacht hat er draußen, auf dem jüdischen Markt in Jerusalem, verbracht.
„Wenn andere Soldaten zu ihrer Familie fuhren, war Mordi allein.“ Ari spricht schnell, als er erzählt: „Mir ging es ähnlich. Als ich im Alter von 20 Jahren aus New York nach Israel kam, begann ich meinen Wehrdienst bei der Armee.“ Der Vater eines Sohnes trägt Kippa und Bart: „Ich wollte zeigen, dass mich dieses Land was angeht, dass ich dazugehöre. Aber es war keine leichte Zeit. Ich kannte hier niemanden wirklich. Ich lernte Mordi kennen, wir trafen andere ‚einsame Soldaten‘ und begannen, auf dem jüdischen Markt Schabbatessen zu organisieren.“ (...)

(mit freundlicher Genehmigung von Israelnetz)

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