Juli 6, 2018 – 23 Tammuz 5778
Israel und Russland – Mehr Freund als Feind

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Im Gegensatz zum Rest der westlichen Welt weigert sich Israel, Putin als Feind zu betrachten  

Von Amotz Asa-El (Redaktion Audiatur)

Indem sie Russland drängten, „die Destabilisierung in der Ukraine zu stoppen“ drohten Kanzlerin Angela Merkel und der damalige Präsident Barack Obama im Frühjahr 2014, die Sanktionen gegen Russland zu verschärfen.

Die gemeinsam ausgegebene deutsch-amerikanische Warnung folgte der 10 Wochen zuvor erfolgten Annektierung der Krim durch Russland und dem daraus resultierenden Ausschluss Moskaus aus dem G8-Forum der führenden Industriestaaten der Welt.

Washington erwartete von Israel, dass es sich an seiner anti-russischen Kampagne beteiligen würde. Israel weigerte sich jedoch. Stattdessen entschied es sich dafür, sich in Bezug auf den Krieg in der Ukraine neutral zu verhalten, auch wenn sich Jerusalem diesbezüglich nicht öffentlich äußerte.

Das israelische Streben nach Neutralität datiert zehn Jahre zurück, zum russisch-georgischen Kaukasuskrieg im Sommer 2008, als die Olmert-Regierung sich weigerte, sich an der Verurteilung der russischen Invasion der Bush-Regierung zu beteiligen und lediglich erklärte, Jerusalem erkenne „Georgiens territoriale Kontiguität an“.

In ähnlicher Weise zog Israel ebenso wenig mit, als 29 westliche Staaten vergangenen Winter 153 russische Diplomaten auswiesen, nachdem Großbritannien Russland vorgeworfen hatte, russische Agenten hätten auf britischem Boden einen ehemaligen russischen Spion und dessen Tochter vergiftet. Israel verurteilte zwar das versuchte Attentat, verwendete in seiner Stellungnahme das Wort „Russland“ jedoch in keinerlei Form.

Israel als „neues Finnland“
Nein, die israelische Neutralität ist nicht vergleichbar mit der Schweiz. Der Tag, an dem der jüdische Staat keine Feinde mehr haben wird, ist nach wie vor in weiter Ferne. Dennoch erweist sich Israel allmählich als eine Version dessen, was Finnland in der Zeit des Kalten Krieges war: ein Land, dessen Demokratie, Wirtschaft und Kultur es auf die Seite Amerikas stellten, dessen Geographie und Geschichte jedoch Neutralität von ihm verlangten, wenn es um die Rivalität zwischen Amerika und Russland ging.

Israel hat hart daran gearbeitet, nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen in der Folge des Sechstagekriegs von 1967, die Beziehungen zu Moskau wiederherzustellen.

Der Austausch von Botschaftern mit der Sowjetunion in den letzten Tagen ihres Bestehens im Jahr 1991 war gefolgt von einem jahrzehntelangen regen Handel. Israel kaufte russisches Öl und Russland wurde einer der größten Abnehmer von israelischem Obst und Gemüse. Bei manchen Gemüsesorten, wie etwa Karotten, Radieschen und Paprika, landeten sogar 80 % auf dem russischen Markt.

Die Nähe Russlands sowie dessen Reichtum an natürlichen Ressourcen machen es zu einem Wirtschaftsfaktor für Israel. Und doch ist der Grund für Israels Neutralität nicht der Handel, dessen Jahresvolumen 2014 mit 2 Milliarden USD – was weniger als 1 Prozent des israelischen Bruttoinlandsprodukts darstellt – einen Höchststand erreichte.

Warum sich Israel in den Spannungen zwischen dem Westen und Russland neutral verhält, ist vielmehr in jüdischen Umständen und den Kriegen im Nahen Osten begründet.

Die Israelis erinnern sich noch sehr gut an die Zeit, als die Sowjetunion ihre Juden verfolgte, ihnen die Auswanderung verweigerte, sie in der Ausübung ihres Glaubens behinderte und jüdische Erziehung verbot. (…)

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