Juli 7, 2017 – 13 Tammuz 5777
Israel und der Sechs-Tage-Krieg von 1967 (Teil 2)

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Die Kriegshandlungen  

Von Jerome Lombard

Die Frage Mitte Mai 1967 war nicht ob, sondern wann ein Angriff erfolgen würde. Konkret stellten sich die Israelis die Frage: Was würde Nasser als wortgewaltigster und dank der überaus guten Kontakte zur Sowjetunion militärisch stärkster arabischer Anführer als nächstes tun? Er blieb nicht lange eine Antwort schuldig. Noch am 17. Mai 1967 drangen zwei ägyptische MiG-17-Militärjets entgegen allen internationalen Rechts in den israelischen Luftraum ein. Ihr Ziel: Der Atomreaktor Dimona im Süden Israels. Der überraschende Überflug, der sehr wahrscheinlich „Aufklärungszwecken“ dienen sollte, dauerte nur wenige Sekunden. So schnell konnte die israelische Luftwaffe gar nicht reagieren. Sinn und Zweck der Aktion lagen für die israelischen Armeegeneräle auf der Hand: Nasser hatte immer wieder betont, dass die Möglichkeit einer israelischen Atombombe ein Grund für einen Angriff sein könnte. Wollte Nasser also jetzt zuschlagen, da er davon ausging, dass Dimona noch kein nuklearwaffenfähiges Material produzieren konnte?

Angst um Dimona
Die berechtigte, israelische Angst vor einem für den Süden des Landes verheerenden ägyptischen Angriff auf Dimona war ein entscheidender Katalysator für die Zuspitzung der Situation im Verlauf des Monats Mai 1967. Die Lage verschärfte sich endgültig mit der von Nasser angeordneten Sperrung der Meeresstraße von Tiran. Eilat, Israels einziger Hafen am Roten Meer mit vitaler Bedeutung für die israelische Wirtschaft, wurde von allen Seehandelsrouten abgeschnitten. Die Aktion stellten einen klaren Bruch internationalen Rechts dar, nachdem eine Seeblockade einen kriegerischen Akt darstellt. Die UNO hatte Israel 1956 die freie Passage der Meeresstraße versichert.
„Dem Staat Israel steht wie jedem anderen Staat der Welt das Recht auf Selbstverteidigung zu“
In Zürich gingen am 2. Juni rund 2.000 Menschen auf die Straße, um „für das Lebensrecht des Staats Israel“ zu demonstrieren“, wie es das Basler Volksblatt schrieb. Die am Ende der Demonstration gefasste Resolution verurteilte die gegen Israel gerichtete Kriegshetze und forderte die Vereinten Nationen auf, die 1956 übernommene Verpflichtung umzusetzen, die für Israel lebenswichtige freie Schifffahrt durch die Straße von Tiran zu garantieren. In einer Rede forderte der Rechtswissenschaftler Dr. Werner Kägi, dass der Drohung der totalen Vernichtung das Lebensrecht des Staats Israel entgegengestellt werden müsse, dies sei die Pflicht der ganzen Menschheit. Dem Staat Israel stehe wie jedem anderen Staat der Welt das Recht auf Selbstverteidigung zu.

Die USA waren in Vietnam gebunden
Generalsekretär U Thant verurteilte Ägyptens Aggression, ebenso wie die Regierungsvertreter westlicher Staaten, unter ihnen US-Präsident Lyndon B Johnson. Praktische Unterstützung hatten diese Solidaritätserklärungen freilich nicht zur Folge. Die US-Armee war in Vietnam gebunden, Johnson wollte sich nicht in einen weiteren militärischen Konflikt hineinziehen lassen. Israel blieb von den wichtigen Öllieferungen aus dem Iran abgeschnitten. Anfang Juni standen circa 3.000 Panzer und 810 Kampfflugzeuge zum Angriff auf den jüdischen Staat an den Grenzen des Landes bereit. Die arabischen Nachbarn hatten Israel den Krieg erklärt. Israel musste handeln.

Es ist der frühe Morgen des 5. Juni 1967: Die Sonne ist schon aufgegangen, es ist frühsommerlich warm an diesem Junitag. Die Sicht ist exzellent, der Wind weht schwach. Perfekte Bedingungen also für die israelischen Streitkräfte, um zum Verteidigungsschlag auszuholen.

Um exakt 7.30 Uhr israelischer Zeit steigen 200 Kampfjets der israelischen Luftwaffe der Typen Mirage und Mystère aus französischer Produktion von den Luftwaffenstützpunkten in Hatzor, Ramat David und Hatzerim auf. Ihre Ziele liegen im Westen: Militärbasen der ägyptischen Armee. Die israelische Offensive, die den Sechstagekrieg einleiten sollte, hatte unter dem Codenamen „Moked“ (Fokus) mit einem aus der Luft ausgeführten Präventivschlag begonnen. Die zwei primären Ziele des Angriffs waren die Brechung der völkerrechtswidrigen ägyptischen Seeblockade der Straße von Tiran und die Zerstörung der ägyptischen Streitkräfte auf dem Sinai. Angriffe gegen jordanische und syrische Einheiten waren nicht geplant. Auf etwaige Attacken der beiden Staaten, mit denen Ägypten in Vorbereitung des Kriegs gegen Israel einen Beistandspakt abgeschlossen hatte, sollte lediglich reagiert werden. An der West-und Nordgrenze stationierten die Israelis daher nur gerade so viele Truppeneinheiten, wie zu Verteidigungszwecken benötigt wurden. Verteidigungsminister Mosche Dajan und der Chef des Stabes Jitzchak Rabin hatten ihren Generälen einen strikten Zeitplan für die Militäroperation vorgegeben. Der Angriff sollte präzise und schnell erfolgen. Die israelischen Militärs wussten: Die israelischen Streitkräfte sind den Armeen der arabischen Staaten numerisch weit unterlegen. Rund 250.000 israelische Soldaten, darunter drei Viertel mobilisierte Reservisten, standen einer halben Million arabischer Kämpfer gegenüber. Die israelische Strategie der Vorwärtsattacke war durchdacht und schon bald von Erfolg gekrönt. Für die Ägypter kam der Militärschlag überraschend.

Praktisch alle Kampfjets der ägyptischen Luftwaffe, sowjetische Modelle der Typen MiG, Iljuschin und Tupolew, waren zu dem Zeitpunkt des israelischen Luftangriffs am Boden. „Ein Kampfjet ist die tödlichste Waffe, die existiert – am Himmel. Am Boden hingegen, ist sie absolut schutzlos“, so die Worte des Chefs der israelischen Luftwaffe, General Mordechai Hod. Er sollte Recht behalten. Mit gezielten Luftschlägen auf Startbahnen und geparkte Kampfjets schaffte es die israelische Luftwaffe, innerhalb einer halben Stunde vier Flugplätze auf dem Sinai und zwei im ägyptischen Kernland zu zerstören. Um 8 Uhr hatte Ägypten 204 Flugzeuge und damit die Hälfte seiner Luftstreitkräfte verloren. Um 10.35 Uhr vermeldete General Hod an Rabin: „Die ägyptische Luftwaffe existiert nicht mehr.“ Luftangriffe waren von ägyptischer Seite von nun an nicht mehr zu befürchten. Entgegen israelischer Warnungen, nicht in den Konflikt einzugreifen, intervenierten Jordanien und Syrien, unterstützt von irakischen Verbänden. Mit Artilleriegeschützen griffen jordanische und irakische Truppen Ziele im Westjordanland und in Tel Aviv an, syrische Einheiten feuerten von den Golan-Höhen auf Galiläa und das Hula-Tal, Kampfjets der drei Staaten zielten auf die israelischen Städte Netanya und Kfar Saba. Israel konnte seine Lufthoheit jedoch behaupten.

Ausschaltung der arabischen Luftwaffen nach nur einem Tag
Am Ende des ersten Kriegstags waren die Luftwaffen der beteiligten arabischen Staaten weitestgehend zerstört. Die israelischen Streitkräfte verlegten Kampfverbände in das Westjordanland und nach Jerusalem, um gegen den jordanischen Artilleriebeschuss vorzugehen, und das Nordkommando gegen Syrien wurde mit Einheiten verstärkt. Der erste Kriegstag war ein Desaster für die arabische Seite, die ihre drohende Niederlage mit einer westlichen Verschwörung zu erklären suchte. Am 6. Juni streuten Radio Kairo und der jordanische König Hussein I. die Falschmeldung, dass Israel mit amerikanischer und britischer Unterstützung kämpfe.
Die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) bezeichnete die Anschuldigungen als „Arabische Dolchstoßlegende“. Die NZZ-Korrespondenten erklärten sich die ägyptischen und jordanischen Lügen damit, dass die Staatsführer von ihren Verlusten ablenken und die Sowjetunion auf arabischer Seite aktiv in den Konflikt mit einbeziehen wollten. Die Korrespondenten schrieben: „[Es] liegt die Vermutung nahe, dass es sich um einen Versuch handle, die Sowjetunion auf der Seite der Araber in den Kampf zu ziehen. Trotz den energischen englischen und amerikanischen Dementis geht in den arabischen Ländern die Legendenbildung weiter.“

US-Präsident Johnson bezeichnete diese Falschmeldung später als „Big Lie“. Am tatsächlichen Kriegsverlauf änderte die fälschliche Propaganda freilich nichts. Der Himmel war frei, das israelische Militär wandte sich dem Kampf am Boden zu. Fallschirmspringer und Panzereinheiten überquerten die israelisch-ägyptische Grenze noch am 5. Juni, um gegen Stellungen der ägyptischen Infanterie vorzugehen, die sich entlang des Grenzverlaufs auf dem Sinai und im Gaza-Streifen eingegraben hatte. Am 6. Juni überquerten sodann drei israelische Divisionen die Grenze in westlicher Richtung. Ihnen standen sieben Divisionen der ägyptischen Armee mit 900 Panzern gegenüber. Ein brillantes Manöver des israelischen Generalmajors Israel Tal brachte seine Panzerfahrer hinter die feindlichen Linien, von wo aus sie die ägyptischen Verbände ungeschützt angreifen konnten. Ein weiterer vernichtender Schlag gegen die Ägypter.

Nasser will zurücktreten
Am 7. Juni hatten die israelischen Truppen den gesamten Sinai erobert und standen in Scharm asch-Schaich im Süden und am Suez Kanal im Norden. Am 8. Juni war die Lage offensichtlich: Ägypten war besiegt, die Straße von Tiran war wieder frei. Tags darauf verkündete der ägyptische Präsident Nasser seinen Rücktritt. Er hatte seiner Bevölkerung einen vernichtenden Sieg über Israel und die Vertreibung der Juden aus dem Nahen Osten versprochen und war auf ganzer Linie gescheitert. Die Massen verziehen ihm jedoch die Niederlage. Zu tausenden gingen die Ägypter auf die Straße, um Nasser zum Weitermachen an der Staatsspitze aufzufordern. Bis zu seinem Tod im Jahr 1970 sollte Nasser ägyptischer Präsident bleiben. (…)

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