Während der Kirchenvater es bei gelegentlichen warmen Worten belässt, gewährleistet Israel als einziger Staat in der Region Sicherheit für die Christen.  

Von Dr. Stefan Winckler

Blicken wir auf die internationalen Beziehungen im Jahr 2017 zurück, so sind nicht nur die Entscheidungen der Vereinigten Staaten und der EU-Staaten in Bezug auf Israel eine eingehende Betrachtung wert.

Wie verhielt sich der Vatikanstaat und insbesondere Papst Franziskus, welche Aussagen waren von ihm zu lesen? In seiner Weihnachtsansprache „Urbi et Orbi“ 2017 sprach er unter anderem von den Kindern, die „aufgrund der Zuspitzung der Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern weiter leiden. An diesem Festtag flehen wir zum Herrn um Frieden für Jerusalem und für das ganze Heilige Land; wir beten, dass sich bei den Kontrahenten der Wille durchsetze, den Dialog wieder aufzunehmen, und dass man endlich zu einer Verhandlungslösung gelange, die innerhalb von miteinander vereinbarten und international anerkannter Grenzen eine friedliche Koexistenz zweier Staaten ermöglicht“.

Das war gut gemeint, aber war eine Stellungnahme zugunsten der unrealistisch gewordenen Zwei-Staaten-Lösung unbedingt erforderlich? Sind nicht gerade praktizierter Terror, seine Förderung und die Bedrängung der stark geschrumpften christlichen Minderheit in Gaza und den Autonomiegebieten sowie in den islamischen Staaten ein paar mahnende Worte wert? Auch wenn der Papst in der Vergangenheit wiederholt auf die Grausamkeiten der gegenwärtigen Christenverfolgungen hinwies, so wäre ein stärkeres Anprangern dieses Unrechts durch die katholische Kirche wünschenswert.

Am 22. Juni 2017 sprach Franziskus vor der Union der Hilfswerke für die orientalischen Kirchen. Er fand die richtigen Worte über „schreckliche Verfolgungswellen“, er erwähnte Krieg und Terrorismus „v.a. in Syrien, Irak und Ägypten“. Er hätte aber auch hinzufügen können, dass in Israel völlig andere Bedingungen herrschen: ein hohes Maß an Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit. Ebendort gilt Religionsfreiheit, und speziell der katholischen Kirche sind maßgebliche Rechte zugestanden worden. In keinem Land des Nahen Ostens können Christen (etwa 160.000 Menschen, etwas mehr als zwei Prozent der Gesamtbevölkerung) so sicher leben wie in Israel.

Auch wenn es noch einige detaillierte Fragen zu klären gibt, ist wesentliches im Grundsatzübereinkommen zwischen Israel und dem Vatikan vom 30. Dezember 1993 geregelt: Dort heißt es u.a.,

„der Staat Israel anerkennt das Recht der Katholischen Kirche, ihre religiösen, moralischen, erzieherischen und karitativen Funktionen auszuüben, ihre eigenen Einrichtungen zu haben und ihr Personal in diesen Einrichtungen oder für diese Funktionen auszubilden, zu ernennen und anzustellen“ (Art 3 § 2). „Der Staat Israel stimmt mit dem Heiligen Stuhl in der Verpflichtung zum anhaltenden Respekt und Schutz des eigenen Charakters der katholischen heiligen Stätten wie Kirchen, Klöstern, Konventen, Friedhöfen und dergleichen überein“ (Art 4 § 3).

Beide Seiten sind an der Förderung von Pilgerfahrten interessiert (Art. 5). Israel und der Vatikan „bekräftigen gemeinsam das Recht der katholischen Kirche, Schulen und Studieninstitute aller Grade einzurichten, zu unterhalten und zu leiten“. Die katholische Kirche genießt das Recht der freien Meinungsäußerung und kann karitative Leistungen erbringen (Art. 8 und 9), sie hat das Recht auf Eigentum, beide Seiten wollen in gutem Glauben zusammenarbeiten und versuchen, die offenen Probleme zu lösen (Art. 10). Die Liste ließe sich fortsetzen.

Praktisch bedeutet dies auch: Es ist möglich, in Israel eine Kirche zu bauen, in Saudi-Arabien und der Türkei nicht. Auch aus Ägypten mit seiner koptischen Minderheit werden in trauriger Regelmäßigkeit Morde an Christen und Kirchenschändungen berichtet, zuletzt am 29. Dezember 2017.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu äußerte sich am 24. Dezember 2017 gegenüber den christlichen Bürgern Israels und den christlichen Freunden Israels in der Welt:

„Es ist mir ein Vergnügen, hier in Jerusalem zu stehen, sie befindet sich gleich hinter mir, die heilige Stadt. Ich bin stolz, der Ministerpräsident von Israel zu sein, einem Land, das seinen christlichen Bürgern frohe Weihnachten wünscht und unseren christlichen Freunden auf der ganzen Welt. Ich bin stolz darauf, dass Israel ein Land ist, in dem Christen nicht nur überleben, sondern aufblühen, denn wir glauben an diese Freundschaft zwischen den Menschen und wir verteidigen die Rechte von jedem, in dem heiligen Schrein hinter mir zu beten. Jetzt habe ich einen Vorschlag für all unsere christlichen Freunde. Sollten Sie im nächsten Jahr nach Israel kommen, werde ich eine Führung unternehmen, ich werde ihr Reiseführer auf dieser Führung sein. Und denken Sie an all diese Stätten, zu denen Sie gehen können. Sie können zum Jesus-Boot an den See Genezareth gehen, Sie können die Grabeskirche gleich hinter mir besuchen, alle Plätze, die Sie wollen, in den Fußstapfen Jesu und des Ursprungs unseres jüdisch-christlichen Erbes, also kommen Sie bitte nach Israel, nächstes Jahr in Jerusalem und fröhliche Weihnachten für Sie alle.“

Freundliche Worte Netanjahus gegenüber Christen in- und außerhalb Israels sind keine Ausnahme. Schon zu Weihnachten 2016 äußerte er sich in einem ähnlichen Sinne.

Vor 130 christlichen Journalisten aus 30 Ländern, die einer Einladung der israelischen Regierung nach Jerusalem im vergangenen Oktober gefolgt waren, erklärte Netanjahu, „Israel hat keine besseren Freunde – und das meine ich ernst – als die christlichen Gemeinschaften in der ganzen Welt. In einer großen Region ist Israel das einzige Land, in der Christen nicht nur überleben, sondern auch zahlenmäßig wachsen“. Er wünsche sich eine verstärkte Berichterstattung über die traurige Lage der Christen im Iran.

Im Übrigen gilt: Während die Verhandlungen des Heiligen Stuhls mit Israel gute Ergebnisse zeitigten, führten freundliche Respektbekundungen der letzten drei Päpste gegenüber dem Islam keineswegs zum Ende der Diskriminierung und Verfolgung von Christen in der muslimischen Welt. Der interreligiöse Dialog mit Vertretern des Islam mag zwar gut gemeint sein, Menschenleben konnte er offensichtlich nicht retten.

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