„Gerechter Frieden“: Das irreführende Codewort der Israel-Hasser  

Von Stefan Frank

Eine afrikanische Theologin wollte im Auftrag des „Ökumenischen Begleitprogramms in Palästina und Israel“ (EAPPI) nach Bethlehem reisen, um dort an einer Veranstaltung teilzunehmen, auf der für einen Boykott Israels geworben wurde. Weil sie offenbar nur ein Touristenvisum hatte, wiesen die Grenzbeamten am Flughafen Tel Aviv sie zurück. Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK), der hinter EAPPI steht und sich ebenfalls für einen Boykott Israels starkmacht, gibt sich überrascht und wütend.

In „Dry Bones“, der traditionsreichen Cartoonreihe, die in israelischen und amerikanischen Zeitungen erscheint, gab es kürzlich die witzige Zeichnung einer fiktiven, aber nicht abwegigen Szene an einem israelischen Flughafen: Ein Mann, der einen Hut mit der Aufschrift „BDS“ – die Bewegung, die einen Boykott gegen alle jüdischen Israelis und deren Produkte fordert – trägt und ein Transparent mit der Aufschrift „Stranguliert den jüdischen Staat“ vor seinem Körper hält; außerdem hat er in jeder Hand einen Luftballon: Auf dem einen steht „Boykottiert Israel“, auf dem anderen ist ein Davidstern zu sehen, der durch ein Gleichheitszeichen mit einem Hakenkreuz gleichgesetzt wird. Daneben stehen zwei Personen, offenbar israelische Grenzbeamte. Sie blicken recht gelangweilt und ratlos drein, während einer den anderen fragt: „Sollten wir diesen hier vielleicht mal anhalten?“
Der Cartoon spiegelt die groteske Situation wider, dass Israel, der am meisten bedrohte und angefeindete Staat der Welt, eine offene Tür für seine Feinde hat, die nach Belieben ein- und ausreisen können – egal, ob sie kommen, um die arabische Bevölkerung gegen Israel aufzuhetzen, an mitunter gewalttätigen „Demonstrationen“ teilzunehmen, israelische Sicherheitskräfte zu provozieren oder um Material zu sammeln, das sich irgendwie eignen könnte, um Israel in den elektronischen Medien in ein schlechtes Licht zu setzen.

Warum leistet sich ausgerechnet Israel diese ultraliberale Visapolitik? Einerseits aus dem Wissen heraus, nichts vor der Welt zu verbergen zu haben; andererseits aufgrund der naiven – und stets aufs Neue widerlegten – Annahme, dass diejenigen, die die Lage in Israel mit eigenen Augen gesehen haben, diese auch wahrheitsgemäß wiedergeben werden. Und wahrscheinlich auch aus Angst vor jenen europäischen Regierungen und Kirchen, die finanziell und organisatorisch hinter zahlreichen dubiosen Organisationen stehen, deren Tagesgeschäft es ist, Israel schlechtzumachen (als wenn Israels Nachgiebigkeit sie jemals besänftigt hätte).

Doch zurück zu unserem Cartoon. Anfang des Monats, darauf spielt er an, wurde zum ersten Mal ein Mitglied einer jener kirchlichen Gruppen, die es als ihre wichtigste Mission betrachten, Israel international zu ächten und zum Paria zu machen, an der Einreise in just eben dieses Land gehindert. Es handelte sich um eine aus Malawi stammende Frau namens Isabel Apawo Phiri. Dass ihr das von ihr beantragte (Touristen-) Visum verweigert wurde, wurde übrigens offenbar nicht mit ihrer politischen Gesinnung begründet, sondern damit, dass sie in Wirklichkeit nicht als Touristin kam.

Weltkirchenrat empört
Dazu später mehr. Hören wir zuerst, wie aufgebracht der in Genf ansässige Ökumenische Rat der Kirchen (auch: Weltkirchenrat), in deren Auftrag sie reiste, reagierte. ÖRK-Generalsekretär Pastor Dr. Olav Fykse Tveit, teilte in einer Presseerklärung mit:

„In einem beispiellosen Vorgehen gegenüber einer hochrangigen Mitarbeiterin des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) und Vertreterin der ökumenischen Bewegung wurde gestern die beigeordnete ÖRK-Generalsekretärin Prof. Dr. Isabel Apawo Phiri am internationalen Ben-Gurion-Flughafen festgehalten, verhört und ausgewiesen.“

Der ÖRK bedauere „zutiefst die israelische Feindseligkeit gegenüber den ÖRK-Initiativen für einen gerechten Frieden für sowohl Palästinenser als auch Israelis“.

Man achte auf die Formulierung „gerechter Frieden“, die auch von der katholischen Bewegung Pax Christi stets benutzt wird. Der von Pax Christi und dem ÖRK angestrebte „Frieden“ ist eben kein wirklicher Frieden – dann würde es ja reichen, „Frieden“ zu sagen –, sondern das Gegenteil, ein „Frieden“, der erst hergestellt werden kann, wenn Israel kapituliert hat. (…)

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