Januar 4, 2016 – 23 Tevet 5776
Israel bringt mehr als Gedenkstätten

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Es gibt kein besseres Mittel gegen Antisemitismus als einen Besuch im Judenstaat  


Von Monika Winter

„Ich kann kein Antisemit sein. Natürlich weiß ich, dass im Dritten Reich Juden ermordet wurden und trauere um sie. Aber trotzdem, Israel handelt wie die Nazis im Dritten Reich…“ „Antisemitismus, und Israelkritik werden von der Pro-Israel-Lobby gut vermischt, um zu vertuschen, dass Israel ein faschistischer Staat ist, den man nicht kritisieren darf“. „Israelis sind die Nazis von heute“. „Juden ins Gas“.

Solche und andere Äußerungen gehören zum Tagesgeschäft der Antisemiten. Wir lesen sie oder hören von ihnen beinahe täglich. Deutschland hat sich zu einem Land der „Erinnerung“ an die grausamen und unvorstellbaren Verbrechen während der Nazidiktatur entwickelt. Holocaust-Mahnmale, mit Stolpersteinen bepflasterte Straßen, ehemalige Synagogen genutzt als Museen, Dokumentationsstätten, KZ-Gedenkstätten – überall begegnen wir unserer Geschichte.

Natürlich müssen wir diesen Teil unserer Geschichte genau kennen. Dennoch – wenn das Holocaust-Mahnmal in Berlin als Rastplatz für das zweite Frühstück oder für sportliche Betätigungen genutzt wird, wenn achtlos auf im Boden eingelassene Stolpersteine getreten wird oder sie absichtlich beschädigt werden, wenn KZ-Gedenkstätten zu wirtschaftlich attraktiven Standorten verkommen, dann läuft etwas falsch.

Henryk Broder war wohl der Erste, der uns den Spiegel vorhielt, als er „Vergesst Auschwitz – Der deutsche Erinnerungswahn und die Endlösung der Israel-Frage“ schrieb. Man muss ja nicht vollkommen mit ihm übereinstimmen, dennoch liegt Wahrheit in seinen Worten.

Gedenken wird zu oft genutzt, um Israel kritisieren zu können. „Wer um tote Juden trauert, kann kein Antisemit sein.“ Auch Gedenkreden einzelner Politiker, die dann mit dem Satz enden: „Einem guten Freund wird man mal sagen dürfen“, gehören nicht zum Gedenken. Gedenken derjenigen, denen es darum geht, einmal im Jahr öffentlich gesehen zu werden, wobei zu Hause dann alles vergessen ist und das ganze Jahr über keinerlei Kontakt zu Juden oder jüdischen Einrichtungen besteht, sind nicht ehrlich. Möglichkeiten, ehrlich zu trauern oder mitzutrauern gibt es genug, z.B. mit den Menschen in den jüdischen Gemeinden die Trauer zu teilen.

Und dann bietet sich die beste aller Möglichkeiten – nämlich wenigstens einmal im Leben eine Reise nach Israel zu unternehmen, um die Atmosphäre zu spüren und zum besseren Verständnis der Lage der Menschen. Für viele Touristen ist das überwiegend religiöse Jerusalem oder das ausgelassenen Tel Aviv von Interesse, andere nächtigen in einem Kibbuz oder besuchen ein Moschaw. Es gibt viele Möglichkeiten. Der Geruch der arabischen Speisen, Architektur oder beinahe bei jedem Schritt auf Archäologie zu stoßen, das sind Erlebnisse der besonderen Art. Israels einzigartige Natur ist unvergesslich. Universitäten, Einkaufscenter, Mode, Kosmetik, baden im Toten Meer, Wüstensafaris – für jeden ist etwas dabei. Bestenfalls schaut man sich alles an. (...)

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