Februar 2, 2017 – 6 Shevat 5777
Iran: „Moderater“ Rafsandschani gestorben

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Ein Exil-Iraner blickt zurück  

  • Februar 2, 2017 – 6 Shevat 5777
  • Politik, Welt
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Von Kazem Moussavi

Akbar Hashemi Rafsandschani, Vorsitzender des Schlichtungsrates der Islamischen Republik Iran (IRI) und von 1988 bis 1989 Oberbefehlshaber der iranischen Streitkräfte, ist kürzlich an einem Herzinfarkt gestorben. Er und sein damaliger Adjutant Hassan Rouhani sind für tausende Morde während des Iran-Irak-Kriegs verantwortlich.

Rafsandschani zählte zu den brutalsten Menschenrechtsverletzern des Nahen Ostens und galt als wichtigster Vertrauter des Revolutionsführers Ayatollah Khomeini. Er war unter anderen an den Massakern von 1988 nach Khomeinis religiöser Fatwa an Tausenden oppositionellen politischen Gefangen im Iran mitbeteiligt. Nach dem Tod Khomeinis verhalf er 1989 im Wächterrat Ali Khamenei zur Wahl zum religiösen Führer des Iran.

Rafsandschani ist laut Urteil des Berliner Kammergerichtes Auftraggeber der Mykonos-Morde in Berlin 1992 gewesen. Gegen ihn lag ein internationaler Haftbefehl der argentinischen Justiz (9. November 2006) vor, wegen des Massenmordes im jüdischen Gemeindezentrum AMIA in Buenos Aires (18. Juli 1994). Als Initiator der heimlichen Atom- und Raketenprojekte sagte er 2001 bei der Al-Quds-Kungebung des Regimes: „Es reicht die Explosion einer Atombombe in der Nähe von Tel Aviv, um Israel zu vernichten.” Er betonte außerdem im Juli 2015, dass der jüdische Staat bald von der Landkarte gewischt werden könne (7. Juli 2015).

Rafsandschani, der zweitmächtigste Politiker im System, stand nämlich immer loyal zu seinem Führer. Seine Kritik bloß an politischen Details des Systems hatte dazu beigetragen, dass ihm vom Westen völlig fälschlich eine Öffnung des Systems zugetraut wurde. Rafsandschani und sein Schüler Hassan Rouhani spielten die Europäer erfolgreich gegen die USA bei den Atomverhandlungen aus, um die Sanktionen abzuschaffen – wodurch die Taktik Khameneis und seiner Revolutionsgarden mit dem Atom-Deal belohnt wurde.

Nach dem Deal wurde schließlich die vermeintlich nicht-staatliche islamische Azad-Universität Rafsandschanis in Deutschland u.a. an den Standpunkten Erfurt, Essen und Köln eingerichtet. Der Kapitalwert seiner Vermögen und der seiner mafiösen Familie wird auf über 250 Milliarden Dollar geschätzt. Damit werden auch Lobbygruppen, die Einfluss auf die westliche Iranpolitik einnehmen sollen sowie die Terrorpolitik der Revolutionsgarde inneriranisch und weltweit finanziert und die vom Iran gesteuerte Hisbollah und die „palästinensischen“ Terrorgruppen unterstützt.

Der Verlust von Rafsandschani ist für das klerikalfaschistische Regime unübersehbar. Er stellt auch eine bittere Situation für die deutsche sowie europäische Appeasementpolitik dar, die ihn als einen der so genannten Reformer im System propagiert hatte.

(Zuerst erschienen bei „Mena Watch“)

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