Eine Analyse des israelischen Antisemitismus-Forscher Manfred Gerstenfeld  

Von Ulrich Jakov Becker

Der „Hyper Casher“ – ein koscherer Supermarkt in Paris. Es ist bald Schabbat. Die letzten Einkäufe gegen Mittag. Kunden schlendern durch die Regale. Ein schwarzer Mann mit Tarnjacke und schwarzer Weste kommt herein. Aus dem Nichts heraus eröffnet er das Feuer mit einer Kalaschnikow und einer Tokarev-Pistole. Zwei jüdische Kunden erschießt er sofort. Die Pistole hat Ladehemmungen, er legt sie ab, zückt eine weitere und geht weiter.
Zwei junge jüdische Männer, nähern sich der Pistole, während der IS-Terrorist Coulibaly einen kleinen Jungen bedroht.
Yohan Cohen ergreift die Pistole und versucht den Terroristen zu erschießen. Die Pistole klemmt immer noch. Sofort erschießt Coulibaly Yohan und seinen Helfer Yoav mit Kopfschüssen. Während er die Überlebenden Geiseln in Schach hält, lädt er jetzt auf seinem mitgebrachten Laptop das Video seiner GoPro-Kamera herunter, mit denen er die Morde gefilmt hatte. Er will sie via Internet verschicken, bekommt aber keine Verbindung hin. Er zwingt eine der Geiseln ihm zu helfen einen Computer des Supermarktes zu benutzten. Es gelingt ihm. Das Video wurde verschickt, aber nie veröffentlicht.

Dann ruft er den französischen Nachrichtensender BFMTV an.

BFMTV: „Haben Sie das Geschäft aus einem bestimmten Grund ausgesucht?”
Coulibaly: „Ja. Die Juden. ...”

Die 20 Uhr-Tagesschau am folgenden Abend wird berichten: „Bei der Geiselnahme hier im Südosten von Paris starben gestern vier Geiseln - wohl alle durch die Schüsse des später getöteten Geiselnehmers.”

Kein Wort von einem koscheren Supermarkt. Kein Wort von ermordeten Juden (alle Ermordeten waren Juden). Kein Wort von einem muslimischen Täter. Kein Wort von einem antisemitischen Live-Anruf. Kein Wort, dass Coulibaly erst einmal willkürlich Juden mordete, bevor es eine Geiselnahme wurde.

Die Tagesschau fasst so bezeichnend pointiert zusammen, woran Europa und seine Juden leiden: Ein hochaggressiver, mörderischer Antisemitismus, der von europäischen Moslems ausgeht auf der einen, und eine verschleiernde, wegkuckende, wegdefinierende europäische Gesellschaft auf der anderen Seite.

Zwei Tage vor dem Blutbad im „Hyper Cacher“ verübten andere muslimische Terroristen das Massaker im Magazin Charlie Hebdo. Dies war kein antisemitischer Anschlag, oder?

Die zwei vermummelten Terroristen – ebenfalls mit Kalaschnikow, Tokarev-Pistole – und einer Maschinenpistole ermorden in der „Charlie Hebdo“-Redaktion zehn Mitarbeiter, zwei davon Juden: Karikaturist Georges Wolinski (80) und Psychoanalytikerin und Autorin Elsa Cayat (54).

Das könnte natürlich reiner Zufall und Statistik sein, aber im Falle von Elsa Cayat sieht es eher nach einer gezielten, antisemitischen Selektion aus: Als die Terroristen unten am Gebäude ankommen, zwingen sie die Karikaturistin Corinne „Coco“ Rey ihnen die Tür via Code zu öffnen, lassen sie aber am Leben. Oben im Konferenzraum identifizieren sie einige ihrer Opfer mit Namen, bevor sie sie erschießen, ermorden aber letztendlich jeden, den sie sehen können, außer Corinne und eine weitere weibliche Mitarbeiterin, Sigolène Vinson. Ein Terrorist erklärt Sigolène mit vorgehaltener Kalaschnikow, sie nicht zu töten, weil sie eine Frau sei und der Koran das verbiete. War Elsa Cayat keine Frau? Sie wurde von den gleichen Terroristen sehr wohl ermordet.

In der letzten Zeit vor dem Anschlag erhielt Elsa immer wieder anonyme, antisemitische Anrufe, wie ihre Cousine in einem CNN interview berichtete. „Dreckige Jüdin, höre auf für Charlie Hebdo zu arbeiten!“ Sie geht davon aus, dass Elsa ermordet wurde, weil sie eine Jüdin war, während nichtjüdische Frauen, die für Charlie Hebdo arbeiteten, von den Terroristen bewusst verschont wurden. Eine Selektion inmitten eines muslimischen Terroranschlags.

Bei Tagesschau und Co. wieder kein Wort über antisemitische Motivationen. Nimmt man es einmal ganz trocken statistisch, waren über 40 % - fast die Hälfe - aller ermordeten Zivilisten bei der Anschlagsserie von „Charlie Hebdo“ und „Hyper Cacher“ Juden. Wurde das berichtet? Oder ging es nur um Kunst- und Meinungsfreiheit?

Für den gebürtigen Wiener und heutigen Jerusalemer Manfred Gerstenfeld, einen der renommiertesten israelischen Antisemitismusforscher und Publizisten, ist das kein Zufall und kein Versehen.
Seit langem zeigt er auf, wie muslimische Immigranten, die selbst oder deren Familien aus hoch antisemitisch geprägten Ländern stammen, in den letzten Jahren und Jahrzehnten in Europa aufgenommen werden und ein quantitativ und qualitativ ganz neues Level von aggressivem Antisemitismus forcieren.
Waren es vor Jahrzehnten noch vorwiegend ausländische arabisch-muslimische Terroristen, die in Europa ihre antisemitischen und antiisraelischen Anschläge verübten und mordeten – teilweise auch unterstützt von europäischen Linksextremisten –, sind es heute immer mehr Moslems, die bereits in Europa aufgewachsen sind und die die Landessprache akzentfrei sprechen.

Manfred Gerstenfelds Forschung ergab u.a. einen simpel klingenden Fakt, mit tiefer Bedeutung:

„Im 21. Jahrhundert wurden alle in Europa begangen Morde an Juden, die getötet wurden, weil sie Juden waren, von Moslems begangen.”

Und die europäischen Gastländer dieser stark antisemitisch geprägten Bevölkerungsschicht können nicht alle Verantwortung abstreiten. Als souveräne Staaten können Deutschland und Co. sich aussuchen wen sie aufnehmen oder nicht. Und der massive Antisemitismus von Moslems aus dem Nahen Osten ist schwer zu übersehen.

Tatsächlich, wenn wir 16 Jahre bis zum Jahr 2000 zurückblicken, können wir keinen, aufgeklärten Fall eines antisemitischen Mordes finden, der nicht von muslimischen Tätern verübt wurde.
Und viel, viel länger ist eine Schattenliste von allen geplanten, „missglückten“ oder vereitelten antisemitischen Mordversuchen, Messer- und Schussanschlägen und Brandstiftungen. Hier nur eine kurze List der prominenten antisemitischen Morde in Europa seit 2000.

19. November 2003, Paris (Frankreich): Zwei Juden werden in zwei verschiedenen Angriffen von Moslems ermordet. Sebastian Sellam (DJ Lam) werden von seinem ehemaligen, muslimischen Kindheitsfreund und antisemitischen Wiederholungstäter zuerst die Kehle durchgeschnitten und dann seine Augen ausgestochen. Der Täter Amel Amastaibou sagte „Ich habe einen Juden getötet! Ich komme ins Paradies! – Es war Allah, der das wollte.“

13. Februar 2006 Saint Genevieve des Bois (Frankreich): Der junge Jude Ilan Halimi wird von einer moslemischen Bande in einen Hinterhalt gelockt und entführt. Über drei Wochen wird er abwechselnd von etwa 20 Moslems, darunter Teenagern, gefoltert und verbrannt, während die Gruppe außerdem versucht Lösegeld zu erhalten („Juden haben Geld“). Die Polizei, die die Ermittlung geheimhält, versagt und findet das Versteck nicht, bis die Bande Ilan halbtot auf eine Straße schmeißt. Er stirbt auf dem Weg ins Krankenhaus.

19. März 2012, Toulouse (Frankreich): Der muslimische Terrorist Mohammed Merah ermordet einen jüdischen Thoralehrer und seine drei Kinder vor der Ozar-HaTorah-Schule. Nach Berichten hatten Merahs Eltern ihre Kinder antisemitisch-fanatisch erzogen, berichtet u.a. Merahs Bruder in seinem Buch.

24. Mai 2014, Brüssel (Belgien): Ein ISIS-Terrorist erschießt vier Menschen vor dem jüdischen Museum mit einer Kalaschnikow und flieht. Opfer sind das jüdisch-israelische Pärchen Emanuel und Miriam Riva, der jüdische Museumsmitarbeiter Alexandre Strens und die französische Volontärin Dominique Sabrier, 66.

15. Februar 2015, Kopenhagen (Dänemark): Ein Moslem erschießt den 37-jährigen jüdischen Sicherheitsmann Dan Uzan vor einer Synagoge.

Nach der letzten islamischen Terrorwelle in Frankreich, die sehr deutlich auch ihre antisemitischen Motive klarmachte, gab sich der französische Präsident Francois Hollande gegenüber der jüdischen Gemeinde Frankreichs beschützend, bat sie zu bleiben, und erklärte einmal mehr beschwichtigend, wie der Islam eigentlich zu verstehen sei und eigentlich überhaupt nichts mit dem Terrorismus zu tun hat. Im Gegenteil, dies seien nur Fanatiker, die nichts mit der islamischen Religion zu tun haben.

Einzig der israelische Premier Netanjahu widersprach ihm klar und offen: „Diese Angriffe in Paris sind die Fortsetzung des Krieges, den der extremistische Islam gegen unsere freie Zivilisation führt.”

Wenn die europäischen Regierungen und Gesellschaften wirklich etwas unternehmen wollen, wenn sie Juden in ihrer Gesellschaft haben wollen, und wenn sie wirklich den von ihnen importierten, mörderischen Antisemitismus nicht mehr dulden wollen, sollten sie zumindest damit anfangen nicht mehr unkontrolliert Millionen von Menschen aus mehrheitlich antisemitischen Gesellschaften aufzunehmen und aufhören sich hinter politisch korrekten Wunschkonstrukten zu verbarrikadieren, sondern dem antisemitischen Problem vor der Haustür in die Augen zu sehen.

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