Juni 2, 2016 – 25 Iyyar 5776
„Ich war noch nie in einer Synagoge.“

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Björn Akstinat interviewte den jüdischen Lebemann Rolf Eden (86) für die JÜDISCHE RUNDSCHAU.  

 
Er wurde 1930 als Rolf Sigmund Sostheim in Deutschlands Hauptstadt geboren und dominierte in den 60er, 70er wie auch noch in den 80er Jahren weitgehend das West-Berliner Nachtleben mit seinen Bars und Clubs. Nur wenige wussten, dass dieser Mann, der sich als Playboy inszenierte, sieben Kinder mit sieben Frauen zeugte und immer wieder durch markige Sprüche auffiel, Jude ist und sogar als Soldat für Israels Unabhängigkeit kämpfte. Das wurde vielen erst bekannt, als 2011 der Dokumentarfilm „The Big Eden“ über sein Leben in den Kinos anlief.
 
JÜDISCHE RUNDSCHAU: Lieber Herr Eden, Ihre Eltern sind mit Ihnen 1933 von Berlin ins britische Mandatsgebiet Palästina geflohen. Da waren Sie drei Jahre alt. Mit welcher Sprache sind Sie hauptsächlich aufgewachsen?

Rolf Eden: Meine Eltern haben mit mir immer Deutsch gesprochen. Sie haben auch sonst im Alltag immer Deutsch sprechen können, da um uns herum nur Auswanderer aus Deutschland lebten. Für sie war es nie nötig, richtig Hebräisch zu lernen. Ich selbst musste es lernen, als ich in die Schule kam. 
 
Wie war das Leben im recht „wüsten“ britischen Mandatsgebiet vor der israelischen Staatsgründung? Wie hat sich Ihre Familie in dieser Zeit über Wasser gehalten?
 
Das Gebiet war entwickelter als man denkt. Es gab schon recht viele Städte. Meine Eltern hatten dort sogar mehrere Lokale.

Wie haben Sie als Soldat den israelischen Unabhängigkeitskrieg von 1947 bis 1949 erlebt?

Ich war freiwillig dabei und habe in Haifa und Jerusalem gegen die Araber gekämpft. Dabei musste ich auch einige Menschen töten. Während des Krieges war natürlich noch vollkommen unklar, wer gewinnen würde.
 
Wann und warum haben Sie Ihren Nachnamen von „Sostheim“ in „Eden“ geändert?
 
Dazu kam es schon in Israel. Da war es besser, einen hebräischen Namen zu tragen als einen sehr deutsch klingenden. Und weil ich den Namen schön finde, habe ich ihn auch später behalten.
 
Warum sind Sie nach Israels Unabhängigkeit nach Deutschland gekommen?
 
Ich war zuerst in Paris und habe dort als Kellner gearbeitet. Eine Rückkehr-Prämie, die es für in der Nazizeit vertriebene oder geflüchtete Deutsche gab, hat mich nach Berlin zurückgelockt. Mit der Prämie konnte ich meinen ersten Club eröffnen. Ich bin sehr froh, dass ich in Berlin gelandet bin.

Warum haben Sie in Berlin gerade Bars, Nachtclubs und Diskotheken eröffnet?
 
So etwas fehlte in Berlin einfach. Heute würde ich keinen Club mehr aufmachen, weil man in dem Geschäft jede Nacht arbeiten muss.

Als Lebemann und Frauenheld mit provokanten Sprüchen entsprachen und entsprechen Sie nicht dem Klischee-Bild, das viele deutsche Medien nach dem Krieg bis heute von Juden gezeichnet haben. Deshalb haben die meisten Deutschen auch nie vermutet, dass Sie Jude sind. Ist Ihnen das so recht?
 
Ja, auf jeden Fall! Sonst hätten vielleicht einige Menschen meine Bars gemieden. Rückblickend hatte ich durch meine Abstammung eigentlich weder große Nachteile noch große Vorteile. Ein Vorteil war vielleicht die Prämie. (…)

Björn Akstinat ist Leiter der Nachrichtenagentur für deutschsprachige Medien im Ausland

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