Die herausragende Rolle von Aharon haKohen bei der Führung des jüdischen Volkes in der Wüste  

Von Rabbiner Elischa Portnoy

Hinter einem starken Mann steht bekannterweise eine starke Frau. Jedoch kann es manchmal vorkommen, dass dahinter auch ein nicht weniger starker Mann steht. Der Mann, der auch viele wichtige Aufgaben bewältigt, zum Gesamterfolg erheblich beiträgt, jedoch im Schatten seines Vordermannes bleibt.

Beliebter als Mosche
Wenn man jemanden fragen würde, der mit der Geschichte des jüdischen Volkes während der vierzigjährigen Wüstenwanderung vertraut ist, wer in dieser Zeit der beliebteste Mensch war und dessen Verlust die Juden am meisten schmerzte, würde man sicherlich Mosche Rabejnu nennen. Er hat schließlich die Juden aus Ägypten herausgeführt, das Meer gespalten, die Thora empfangen und das Volk mit Manna versorgt. Kann jemand mit ihm konkurrieren?
Ja! – sagen unsere Weisen. Raschi bringt einen erstaunlichen Kommentar zum Vers 34:8 im 5. Buch Moses („Die Kinder Israel aber beweinten Mose in den Steppen Moabs dreißig Tage lang…“) aus dem Midrasch Pirke deRabbi Eliezer: (nur) die Männer (haben Mosche beweint), aber bei Aharon, weil er dem Frieden nachjagte und Frieden stiftete zwischen Mensch und Nebenmensch, zwischen Frau und ihrem Mann, (Num. 20, 29) – so heißt es – habe das ganze Haus Israel – Männer und Frauen – geweint!
Das bedeutet also, dass Aharon sogar beliebter als Mosche war!

Aber was wissen wir eigentlich über diesen Menschen? Es gibt sicherlich nicht viele, die auf Anhieb viel über ihn erzählen könnten. Sogar seine Schwester Miriam, eine echte Power-Frau, scheint bekannter und geschätzter zu sein (ihre Rolle wurde in der April-Ausgabe der JÜDISCHEN RUNDSCHAU dieses Jahres ausführlich beleuchtet).
Und nur dank den Überlieferungen unserer Weisen und großen Kabbalisten können wir die echte Größe dieses Mannes nachvollziehen.
Aharon war das zweite Kind in der Familie von Amram und Jochewed, drei Jahre jünger als Miriam und drei Jahre älter als Mosche.
Er wurde zum Gadol haDor (der Größte der Generation) und Mosche respektierte ihn so sehr, dass er sich nicht traute das jüdische Volk ohne ihn aus Ägypten zu führen (Raschi zum 2. Buch Moses 4:13).
Midrasch Schemot Rabbah betont, dass ohne Aharon der Auszug aus Ägypten überhaupt nicht möglich gewesen wäre!
Aharon wurde in der Wüste von G’tt zum ersten Hohepriester auserwählt und war der Erste, der das Volk mit dem Priestersegen segnete.

Die tragische Figur
Zwischen dem 17. Tammus und dem 9. Aw (in diesem Jahr entspricht dies dem Zeitraum vom 1. Juli bis zum 22. Juli) erleben wir jedes Jahr drei sogenannte „Trauerwochen“ (Ben haMetzorim). In dieser Zeit betrauern wir mehrere tragische Ereignisse, die unserem Volk passiert sind.
Die Ursache für diese schwere Zeit war die Sünde des Goldenen Kalbes, die die Juden am 17. Tammus, nur einen Monat nach dem Thora-Empfang begangen haben (2. Buch Moses 32). Tragischerweise war Aharon dabei stark involviert und gerade sein Fehler hat das Ganze erst ermöglicht.

Der berühmte Kabbalist Arizal (Rabbi Yitzhak Ben Sh'lomo Lurya Ashkenazi) schreibt, dass Aharon der Gilgul (Reinkarnation) von Haran (Bruder von Avraham) war. Die Aufgabe von Haran bestand darin den Fehler des ersten Menschen Adam zu korrigieren. Da jedoch Haran daran gescheitert ist, wurde seine Seele im Körper von Aharon wiedergeboren. Auch bestand seine Aufgabe darin den Götzendienst zu bekämpfen.
Und als die Juden wegen der langen Abwesenheit von Mosche verzweifelt einen neuen Anführer ausrufen wollten, kam die große Chance von Aharon: er war der Stellvertreter von Mosche und hatte das Sagen. Hätte er das Goldene Kalb verhindern können, hätte seine Seele ihre Aufgabe vollständig erfüllt. Es hätte wirklich die Sternstunde von Aharon sein können!
Jedoch wurde es leider zu seiner bittersten Stunde: mit den besten Absichten hat Aharon die falsche Entscheidung getroffen und seine Seele musste laut Arizal noch mehrere Male in diese Welt wiedergeboren werden.
Dieser Fehler führte dann auch zu der Sünde der Spione am 9. Aw, was das Ende dieser Generation besiegelte. Somit hat das Scheitern von Aharon weitreichende Folgen für das ganze jüdische Volk für alle Generation bis hin zur Ankunft von Maschiach (Messias).

Das Erbe von Aharon
Jedoch waren die Heiligkeit Aharons und seine Verdienste ums jüdische Volk so unvorstellbar groß, dass sogar Todesengel über seine Seele keine Macht haben konnten. Im Talmud, im Traktat Brachot (8a) wird erzählt, dass es 903 Arten von Tod in dieser Welt gibt. Aharon ist an „Neschika“ („Kuss“ G’ttes) gestorben, der leichtesten Todesart von allen.
Midrasch Rabbi Tanchuma berichtet, dass die Juden zuerst nicht glauben konnten, dass Aharon gestorben ist und Mosche G’tt um Hilfe bitten musste, damit ihm geglaubt wird!
Unsere Weisen wissen auch ganz genau den Todestag von Aharon: Der 1. Aw nach jüdischem Kalender (in diesem Jahr der 13. Juli).
Dieser Tag hat heutzutage im Judentum eine besondere Bedeutung: der 1. Aw markiert den ersten Höhepunkt unserer drei Trauerwochen. An diesem Tag werden noch mehr Einschränkungen hinzugefügt, die unsere Trauer noch verstärken sollen: zu den Verboten, die wir schon ab dem 17. Tammus einhalten, kommen noch das Verbot Fleisch zu essen, Wein zu trinken, sich warm zu duschen und die Wäsche zu waschen.

Wie wir wissen, ist nichts zufällig in dieser Welt. Deshalb sollte uns die Tatsache, dass Jorzeit von Aharon haKohen gerade auf diesen komplizierten Monatsanfang fällt, etwas lehren.
Wie schon erwähnt, wurde Aharon deshalb sehr beliebt, weil er derjenige war, der den Frieden stiftete. Midrasch Pirke deRabbi Eliezer beschreibt ganz genau, wie Aharon es schaffte, Feinde und zerstrittene Eheleute zu befrieden. (…)

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