Juli 7, 2016 – 1 Tammuz 5776
Helden sterben nicht

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Mosche Dajan – ein Porträt  

  • Juli 7, 2016 – 1 Tammuz 5776
  • Israel
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Wer konnte sich im Vernichtungslager Treblinka einen jüdischen General vorstellen? Wer konnte sich bei den Pogromen von Bogdan-Chmelnizki einen jüdischen General vorstellen? Wer konnte sich einen jüdischen General einer jüdischen Armee vorstellen, die ruhmreiche Siege erkämpft und sich erstmalig nach 2.000-jähriger Verfolgung verteidigen konnte?

Seit den großen biblischen Erzählungen von ruhmreichen jüdischen Königen der Antike standen die Juden und ihr Staat erstmals wieder auf der Siegerseite der Geschichte. Der junge zerbrechliche Staat Israel, welcher extenziellen Bedrohungen ausgesetzt war, hatte so etwas wie ein Idol bekommen. Nein, es war kein Wunderrabbi aus dem Schtetl. Sein Name war Mosche Dajan. General Mosche Dajan.

Sein imposantes Auftreten mit der legendären Augenklappe faszinierte die Soldaten des jungen Staates und zeigte ein Bild eines neuen Juden: selbstbewusst, stark und schlagkräftig. Den arabischen Gegnern schien er ebenbürtig zu sein. Dajan beherrschte die arabische Sprache und kannte ihre Kultur und Bräuche. Das Interesse an den „Palästinensern“ und ihren Belangen begleite Dajan sein Leben lang. Eine seiner bekannten Sätze beschrieb in Kürze das Spannungsfeld dieser Beziehungen mit den Arabern: „Wenn du Frieden willst, redest du nicht mit deinen Freunden. Du redest mit deinen Feinden.“

Doch wer Dajan verstehen will, muss die Liebe eines Mannes aus dem Kibbutz Deganiya zu der Idee der jüdischen Heimstätte verstehen. Dieses neue jüdische Haus sollte nicht nur landwirtschaftlich blühen, sondern in der Lage sein sich gegen seinen Feinden zu verteidigen. Israel hatte nun Mal das „Glück“ nur von Feinden umzingelt zu sein, die nicht zögerten das zionistischen Projekt anzugreifen.

Er setzte alles daran diesem Ende entschlossen und nicht selten radikal entgegenzutreten. Dajan schaffte es, nicht einfach nur sein Land zu verteidigen, sondern zu siegen und den übermächtigen Gegner zu demoralisieren. Das, was 1967 geschah und in die Weltgeschichte als der Sechs-Tage-Krieg einging, kann nicht ohne den persönlichen Einsatz von Mosche Dajan betrachtet werden.

Furchtlosigkeit, Arroganz und gleichzeitiger Respekt vor dem Gegner zeichneten Dajans Stil aus, gepaart mit wirklich herausragenden militärischen Fähigkeiten, die er bei mehreren Operationen davor unter Beweis stellte.
1967 wurde das erreicht, was die Vorstellungkraft eines jeden Juden überstieg. Dajan eroberte das östliche Jerusalem mitsamt der heiligsten jüdischen Stätten zurück, welches nach dem Unabhängigkeitskrieg 1948 an Jordanien fiel. Dieses Ereignis wird heute in Israel und weltweit als Jom Jeruschalaim gefeiert und ist ebenfalls unzertrennlich mit dem Namen Dajan verbunden.

Keine Figur der jüngeren zionistischen Bewegung hatte einen derartigen Bekanntheitsgrad wie Mosche Dajan, wobei die ruhmreichen Siege auch zu großen Teil und an erster Stelle die Verdienste von Soldaten der Zahal, aber auch Menschen wie Itzhak Rabin, Levi Eschkol und Uzi Narkis waren. Er wurde zu einer mystischen Figur, einem neuen militärischen Messias. Die viele Exzesse und Eskapaden mit Frauen schienen für die israelische Öffentlichkeit nicht von Bedeutung gewesen zu sein im Angesicht dieser Popularität. Seine Vorliebe für Archäologie, die eher als Raub bezeichnet werden kann, wurde dem General ebenfalls verziehen.

Die Euphorie des Sechs-Tage-Krieges war für die israelische Gesellschaft vitalisierend und schädigend zu gleich. Es gab den Menschen, die gestern noch in den Öfen von Auschwitz hätten verbrannt werden sollen, das Gefühl, dass sie wehrfähig sind. Gleichzeitig aber entstand ein Gefühl der Übermutigkeit, was letztendlich zu dem fast dramatischen Ende des Jom-Kippur-Krieges führte. Zwar haben einige israelische Generäle vor dem arabischen Angriff gewarnt, dennoch wurde der Angriff maßlos unterschätzt, unter anderem von Dajan. Was im Jom-Kippur-Krieg geschah, kann in Verbindung mit Dajan als Götterdämmerung bezeichnet werden. Menschen, die ihn gut kannten, haben nach diesem Krieg einen anderen Mann vorgefunden. Dies sollte letztendlich bis zum Ende seines Lebens anhalten.

Heute, in Zeiten von „Breaking the Silence“, bei der sich israelische Soldaten dauerhaft damit beschäftigen die eigene israelische Armee zu dämonisieren, erscheinen Figuren wie Mosche Dajan wie Helden aus längst vergangen Tagen. Doch bekanntlich sterben Helden nicht. Dem Beispiel des jüdischen furchtlosen Generals folgen noch immer tausende Frauen und Männer in der Hoffnung auf Frieden mit den arabischen Nachbarn.

Seit Dajan gilt für Israel eins: Niederlage war, ist und bleibt für Israel keine Option.

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