August 7, 2015 – 22 Av 5775
Heimkehr nach Hause – um jeden Preis

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Einer im Tausch gegen Tausende, von denen nun einige wieder morden  

König David ist in die Geschichte der Menschheit als mutiger Kämpfer einge- gangen, der den übermächtigen Goliath besiegt hatte. Manch einer wird seine religiösen oder politischen Führungs- qualitäten erwähnen, jedoch sprechen nur wenige über Davids militärische Erfolge und vor allem seinen Idealis- mus, der nach wie vor prägend ist. Im Zweiten Buch Samuel Kapitel 5 Absatz 1-3 ist ein bemerkenswerter Satz vorzufinden, der einem nur nach der Analyse der biblischen Interpreta- tion bewusst wird: „Schon früher, als Saul unser König war, bist du es [David] gewesen, der Israel in den Kampf und wieder nach Hause geführt hat.“ Zu einem werden also Davids heraus- ragende militärische Fähigkeiten her- vorgehoben und zum anderen seine Bemühungen zur Heimkehr der Soldaten. Der zweite Teil des Satzes ist aber entscheidend, da es nicht die militärischen Siege oder Eroberungen in den Vordergrund stellt, sondern die Heimkehr der Soldaten. Ganz praktisch gesagt: Kein Soldat darf auf dem Schlachtfeld gelassen werden, ob nun lebendig oder tot.

Heimkehr der Soldaten als Staatsdoktrin

Der moderne Zionismus hatte es sich zur Aufgabe gemacht einen neuen jüdischen und demokratischen Staat zu errichten. Einen Staat, der dem 2000-jährigen Exil endlich ein Ende setzen sollte. Wichtig war es, aus der der tragischen Vergangenheit der Juden die richtigen Lehren für den neuen Staat zu ziehen, aber auch einen Bruch mit dieser dunklen Geschichte zu vollziehen. Die Idee war also nicht nur einen Staat, sondern auch einen neuen Juden zu schaffen, der selbstbewusst, unabhängig und verteidigungsfähig über seine eigene Zukunft bestimmt und den neuen Staat aufbaut. Das alte Schtetl-Judentum und dessen zentrale Rolle des Rabbiners, das ewige Studium der Heiligen Schriften, sollte etwas in den Hintergrund treten und auf die Gründung von Kibbuzim, die Bewässerung des Landes und natürlich der Verteidigung ein neuer Lebensmittelpunkt gelegt werden. Trotzdem hat die Israelische Verteidigungsarmee diesen Ausschnitt aus der Überlieferung der Vorväter sehr stark verinnerlicht und seit der Staatsgründung oft genug angewandt. Diese Idee der Heimkehr der Soldaten ist praktisch zur Staatsdoktrin herangewachsen und war immer wieder Auslöser von militärischen Konflikten mit den verfeindeten Nachbarn.

Als Synonym für diese Denkweise war der Fall Gilad Schalits.Nach seiner Entführung an der Grenze zum Gaza-Streifen folgte eine große und sehr schwierige Militäroperation, um ihn zu finden und nach der biblischen Überlieferung nach Hause zu führen wie einst König David. Dabei ist es kaum vorstellbar, welche Ressourcen verwendet worden sind, um diesen einen Soldaten zurückzuholen. Die Militäroperation hatte zum Ergebnis, dass Schalit nicht gefunden werden konnte, verdeutlichte aber das Engagement Israels in der Frage. Er wurde nach langjährigen diplomatischen Verhandlungen mit der Hamas im Austausch gegen 1.000 palästinensische Gefangene an der ägyptischen Grenze ausgetauscht. Schalit wurde persönlich von Ministerpräsident Benjamin Natanjahu, dem Verteidigungsminister sowie natürlicher seinem Vater in einer nagelneuen israelischen Militäruniform begrüßt. Hier war die Botschaft an alle Soldaten und deren Familien einleuchtend: Wir werden sie zurückholen, ob lebendig oder tot wie im Falle von Ehud Goldwasser und Eldad Regev im Jahr 2006 im Libanon. (...)

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