Antisemitische Hasskommentare von Deutsch-Türken auf Facebook  

Von Stefan Köpitz

„Judenabschaum“, „Drecksjuden“ – das sind alltägliche Kommentare auf der deutschsprachigen Facebook-Seite des staatlichen türkischen Rundfunksenders TRT. Der Sender in Ankara strahlt seine Sendungen nicht nur auf Türkisch aus, sondern auch in den wichtigsten Weltsprachen. Auf Deutsch wird täglich via Kurzwelle und Satellit in Richtung Europa gesendet. Begleitend dazu bietet die deutsche Redaktion eine Internetseite (www.trt.net.tr/deutsch) und eine Facebook-Seite (www.facebook.com/trtdeutsch) an. Dort lassen sich laufend neue deutschsprachige Nachrichten über das Leben in Erdoğans Reich und dem Rest der Welt nachlesen.

War TRT DEUTSCH bis vor kurzem noch eine spannende Informationsquelle mit relativ neutraler Berichterstattung, so ist es mittlerweile zum Propagandainstrument der Regierung Erdoğan mutiert, das eine Front zu allem „Westlichen“ aufbaut. Zum Westen gehört in den Augen der Programm-Macher natürlich auch Israel. Gerne wird über den kleinen jüdischen Staat berichtet, am liebsten dann, wenn es Negatives zu vermelden gibt. Als Anfang September in Tel Aviv eine Tiefgarage einstürzte, breitete man dies genüsslich auf der Facebook-Seite aus. Die Kommentare der Seitenbesucher, größtenteils Türken oder Türkischstämmige aus Deutschland, ließen nicht lange auf sich warten. Auch diejenigen, die schon einiges an antisemitischen Hass-Tiraden gewohnt sind, konnten kaum glauben, was da geschrieben und hochgeladen wurde. Ein Nutzer wünschte sich eine Karikatur zur Einsturzkatastrophe und ein anderer lieferte prompt. Auf der hochgeladenen Zeichnung sieht man einen buckligen, bärtigen, händereibenden jüdischen Bauherrn mit großer Hakennase, der angeblich beim Bau der Garage absichtlich geschlampt hat. Darüber prangt die Überschrift „Kauft keine Garagen bei Juden!“. Die Karikatur blieb unwidersprochen und wurde von der Redaktion nicht gelöscht.

Mitte September meldete TRT DEUTSCH den Schlaganfall von Israels Ex-Präsident Schimon Peres. Kaum war die Meldung draußen, ergoss sich schon wieder ein Schwall antisemitischer Hasskommentare über die Facebook-Seite. Hakan, Student der RWTH Aachen, schreibt beispielsweise: „Wenn [Peres] stirbt, werde ich ‘nen Breakdance machen!“. „Bitte verrecke du Hund!“, haut ein junger Türke aus Hamburg in die Tasten. Ein anderer meint: „Hoffe, du krepierst, du Massenmörder. Die Hölle wartet bereits. Schmore ewig...“. Auch Sero K. von der Hauptschule im bayerischen Hasenberg muss noch seinen menschenverachtenden Senf dazugeben: „Stirb einfach nur bitte!“. Berkay, Rejep und Ferry wünschen sich das ebenfalls und klicken daneben auf „Gefällt mir“. Keiner der über 7.500 Fans der Facebook-Seite kritisiert das Geschriebene. Facebook selbst bleibt untätig.

Diejenigen, die für das Anprangern von Hasskommentaren „zuständig“ sind, bleiben – wenig überraschend – in diesem Falle untätig. Für Justizminister Heiko Maas (SPD) und Anetta Kahane von der umstrittenen Amadeu-Antonio-Stiftung passt „Hate Speech“ (so nennen sie Hassreden) von jungen Muslimen in Deutschland, die scheinbar gut integriert sind, nicht ins politisch-korrekte Weltbild. Sie suchen Antisemitismus ungern bei jungen nationalistischen Deutsch-Türken, sondern lieber in der „Mitte der Gesellschaft“.

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