Antijüdische Hetze in Deutschland – aber im Nahen Osten steht Ägypten auf der Seite Israels im Kampf gegen die Hamas 

(Auszug aus dem Text:)

Die Juden in Europa sind wieder in Gefahr. In einem ungewöhnlichen Schritt appellierte der Leiter der Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem, Avner Shalev, Ende Juli an die Weltpolitik und nament- lich an europäische Regierungen, alles Mögliche zu tun, um Juden vor Angriffen zu schützen. Die Ereignisse der letzten Wochen zeigen: soviel antisemitische Agitation und Gewalt auf Europas Straßen gab es schon lange nicht mehr.

Europa sieht sich derzeit einer antisemitischen Stimmung ausgesetzt, wie vielleicht seit dem Ende des Nationalsozialismus nicht mehr. Ganz offen wird auf den Straßen Hitler gelobt, werden Hetzparolen wie «Hamas, Hamas, Juden ins Gas» oder «Israel vergasen» geschrien, Synagogen mit Brandsätzen (wie in Wuppertal) und Steinen attackiert sowie belagert (wie in Paris), aus verschwörungs-mythischem Wahnsinn heraus eine Burger-King-Filiale in Nürnberg gestürmt und Juden tätlich angegriffen (wie in Berlin). Die Polizei in Frankfurt am Main stellte einem aufgepeitschten antisemitischen Mob gar ein Polizeifahrzeug zur Verfügung und verstärkt durch die Lautsprecher des Fahrzeugs konnte mehrfach geschrien werden, «Kindermörder Israel». Deutsche Neonazis liefen zwar bei vielen dieser Aufmärsche mit, aber sie werden sich gewundert haben, wie aggressiv die Islamisten und türkischen wie arabischen Aktivisten vorgingen. Es zeigt sich eine neue Form des (Neo-)Nazismus in Europa. Der grüne Nazismus? Man sollte immer vorsichtig sein mit solchen Worten und Vergleichen. Aber hier passt der Vergleich. Denn wie anders kann man jene Islamisten und fanatisierten Türken und Palästinenser bezeichnen, die sich öffentlich positiv auf Hitler beziehen (so geschehen z.B. in Berlin), Israel «vergasen» wollen und so ihre Zustimmung zum Holocaust demonstrieren? Sicherlich ist das eine kleine Minderheit innerhalb der türkischen, muslimischen und palästinensischen Gemeinschaft in der Bundesrepublik. Aber sie ist die bei weitem lauteste. Es gibt auch keine Massendemonstrationen von den türkischen oder palästinensischen Gemeinden, die sich vom Antisemitismus aus ihren eigenen Reihen distanzierten. Manche Funktionäre distanzieren sich mit Worten – aber wo sind die Taten? Andererseits muss man höllisch aufpassen, dass nicht extreme Rechte Proteste gegen den Antisemitismus nutzen, um sich als israelfreundlich zu gerieren, dabei ist deren Agenda oft rassistisch und anti-muslimisch bzw. anti-arabisch. Beispiele sind die German Defence League (GDL) oder das Internet-Portal «Politically Incorrect». Solche Rechten werden sich im Zweifelsfall natürlich auch gegen die Juden stellen, wie es sich bei der «Beschneidungsdebatte» im Sommer 2012 zeigte.

Die Kritik an Rechten und extremen Rechten darf aber nicht dazu führen, den Antisemitismus von manchen Muslimen und Arabern in Deutschland, Europa und dem Nahen Osten auch nur im Geringsten zu verharmlosen. Es geht nicht nur darum, dass «Mein Kampf» in der Türkei und der arabischen Welt ein Bestseller ist und dass es eine historische enge Beziehung des Großmufti von Jerusalem Muahammad Haj al-Husseini zu den Nazis und zum Holocaust gab. Das ist schockierend genug. Es geht hier und heute darum, dass sich die grünen Nazis verhalten wie «biodeutsche» Nazis: sie sind gut organisiert, online wie offline, jagen pro-israelische Demonstranten durch Innenstädte, lauern Juden oder pro-israelischen Aktivisten auf (wie in Berlin-Kreuzberg schon vor Monaten geschehen), werfen Brandsätze auf Syna- gogen, schlagen Juden, bedrohen sie, schicken Mordaufrufe an Jüdische Gemeinden und ziehen antisemitische Parolen brüllend durch die Innenstädte.

(...)

Komplett zu lesen in der Druckausgabe der Zeitung. Sie können die Zeitung „Jüdische Rundschau“ hier abonnieren oder hier ein Probeexemplar bestellen.

Von Clemens HENI

Zum Inhaltsverzeichnis der zweiten Ausgabe von Jüdische Rundschau

 

Brief an die Redaktion schreiben