Wirbel um neue Präsidentin der „National Union of Students“  

Von Richard Diesing

Wenn ein Verband von Studienvertretungen eine neue Präsidentin wählt, ist das an sich nichts besonderes. Trotzdem ist seit Tagen die Wahl von Malia Bouattia Thema in den Medien Großbritanniens. Warum ist das so?

Die „National Union of Students“ (kurz: NUS) ist ein Verband aus – laut eigenen Angaben – 600 Studentenvertretungen des Vereinigten Königreiches. Die NUS will, so schreibt sie auf ihrer Internetseite, die studentischen Rechte fördern, verteidigen und ausweiten. Auch bekämpfe der Verband Diskriminierung, Ausgrenzung und Unrecht. „Wir sind 7 Millionen Studentenstimmen“, heißt es von Seiten der NUS. Der Verband hat also Macht, wenn es um die Belange von Studenten geht. Nun hat die NUS eine neue Präsidentin gewählt. Malia Bouattia ist 28 Jahre alt und die erste farbige und moslemische Präsidentin des Verbands. Mitglieder der NUS beschreiben sie als „mit Leib und Seele dabei, 100 Prozent der Zeit.“ Sie würde normalerweise keine Einladung zu einer Rede ablehnen. Das alles mache sie „nicht, um für sich selbst zu werben, sondern um die Bewegung gegen Rassismus und Faschismus bekannter zu machen, für die sie sich seit Jahren engagiert.“

Doch in der Vergangenheit fiel Bouattia immer wieder mit Äußerungen auf, die von einigen als antisemitisch aufgefasst wurden. So schrieb sie mit einem weiteren Autor 2011 in einem Artikel für ihren „palästinensischen“ Uni-Verein: „Die Universität von Birmingham hat etwas von einem zionistischen Außenposten in der höheren britischen Bildung. Sie hat auch die größte JSoc im Land, deren Führung von zionistischen Aktivisten dominiert ist.“ Jsoc ist die Abkürzung für „Jewish Society“.

Der israelisch-„palästinensische“ Friedensprozess verstärke, so sagte sie in einem geleakten Video, das „koloniale Projekt“. Auch sprach sie von „zionistisch geführten Mainstream-Medien“, die Widerstand als einen Akt von Terrorismus darstellen würden.

Widerstand gibt es auch gegen sie. So schrieben mehr als 50 Präsidenten von jüdischen Uni-Gemeinschaften aus dem gesamten Vereinigten Königreich eine Woche vor Bourattias Wahlsieg einen offenen Brief an sie. Bezug nahmen sie dabei vor allem auf den von ihr mitgeschriebenen Artikel von 2011. In dem offenen Brief heißt es: „Es gibt etwa 8.500 jüdische Studenten im Vereinigten Königreich, was 0,12 Prozent der sieben Millionen Studenten sind, die vom NUS repräsentiert werden. Wir sind schockiert, dass jemand, der anstrebt, diese Organisation zu repräsentieren, möglicherweise eine große Anzahl jüdischer Studenten als Herausforderung ansehen könnte und nicht als etwas, was man begrüßen sollte.“ Die Autoren des offenen Briefs warfen Bouattia vor, in dem 2011 mitgeschriebenen Artikel die Aussage, dass die Birminghamer Universität die größte Jüdische Gemeinschaft des Landes habe, als „Herausforderung“ dargestellt habe.

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