Juli 7, 2016 – 1 Tammuz 5776
Grauen als Verkaufsschlager

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Der pietätlose Missbrauch des Holocausts als Kulisse für zweifelhafte Kino-Machwerke  

Von Michael Groys

„Shoah“ ist kein Film über das Überleben, sondern über den Tod, sagte der französische Regisseur Claude Lanzmann über sein monumentales zehnstündiges Werk. In diesem Dokumentarfilm werden keine üblichen Schwarz-weiß-Bilder verwendet oder Effekte, die man üblicherweise aus Filmen über die Zeit kennt. Es sprechen Zeitzeugen über sich und über die Opfer der Schoah. Es sind Zurückgekehrte aus dem Jenseits, aus den Krematorien, aus den Öfen, aus dem Tod.

Der Zuschauer kann förmlich die Gerüche riechen, die Schreie hören und die toten Körper fühlen ohne die realen Bilder zu sehen. Mit den Erzählungen der Menschen taucht man unwillkürlich in die unvorstellbare Welt der Schoah ein. Der Regisseur fügt keine zusätzlichen Emotionen hinzu – wenn Zeugen weinen oder zusammenbrechen, dann sind diese Emotionen echt, natürlich und spontan.

Diese Verantwortung und Tiefe erreichen die wenigsten Regisseure beim Drehen von Holocaustfilmen oder „Holocaustdramen“. Den Holocaust als Drama zu bezeichnen, ist unerträglich in Angesicht des Schmerzes, der vermutlich kein Ende hat. Dennoch bemühen sich die heutigen Filmmacher den Holocaust anders als Lanzmann mit Elementen zu schmücken, zu emotionalisieren und seltsamerweise den Zuschauer zu sensibilisieren, was nicht der Sinn der Sache sein kann. Solche Filme sollten nicht an Gefühle appellieren, sondern an den Verstand.

In diesem Zusammenhang fragt man sich bei dem Film „Der Vorleser“ während einer der vielen Sexszenen, was das eigentlich alles soll und welchen Mehrwert dies für die Zuschauer hat. Holocaustfilme sind nun mal nicht einfach Filme, sondern Filme mit einer besonderen Verantwortung. Für manche Überlebende kann eine derartige Darstellung sehr verstörend, beleidigend und erniedrigend sein.

Interessant ist natürlich die Frage, was sich die Macher und der Schriftsteller von dem verfilmten Buch „Der Junge im gestreifen Pyjama“ bei ihrer Arbeit gedacht haben. Ein jüdischer und ein deutscher Junge spielen am Zaun von Auschwitz mit dem Ball. Was ist das eigentlich für ein Quatsch? Kinder in diesem Alter haben in Auschwitz nicht länger als zwölf Stunden überlebt, spielen durften sie schon gar nicht. Wozu eigentlich diese surreale Geschichte mit dem Holocaust dezent im Hintergrund? (…)

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