Juni 2, 2016 – 25 Iyyar 5776
Glüh im Glanze deines Glückes!

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Jüdische Leben im Iran  

Von Henryk M. Broder

Andrea Dernbach..., Andrea Dernbach..., woher kenne ich diesen Namen? Ich bitte Google um Hilfe und schon der erste Eintrag ist ein Haupttreffer. Andrea Dernbach hat zusammen mit ihrer Kollegin Dagmar Dehmer am 10.1. im Berliner Tagesspiegel einen Artikel veröffentlcht, in dem es um die "Übergriffe in Köln“ ging, also die Open-Air-Party mit Antanzen und Anfassen auf dem Bahnhofsvorplatz in der Silvesternacht. Die beiden Mitarbeiterinnen des Tagesspiegels - die eine spezialisiert auf Migration, Minderheiten, Bürgerrechte und Geschlechterpolitik, die andere auf Umwelt, Klimawandel und die Energiewende - hatten hre Ressourcen zusammengetan, um die „aufgeheizte Debatte über die Kölner Silvesternacht“ etwas abzukühlen, also zu entemotionalisieren. Ihre höchst rationale Erklärung der "Übergriffe zu Köln“ basierte auf zwei ziemlich coolen Überlegungen.

Erstens: Die organisierten Trickdieb-Banden, die offenbar schon lange zum Kölner Hauptbahnhof gehören, bestehen wohl überwiegend aus Nordafrikanern, die schon länger in Deutschland sind – aber offenkundig nicht angekommen sind. Eine echte Perspektive sehen sie für sich nicht, sonst wären sie wohl nicht zu professionellen Dieben geworden. Sie kennen den Grundbestand der Vorurteile in der deutschen Gesellschaft.

Dass „die Gesellschaft“ die Täter dazu gezwungen hatte, das zu tun, was sie getan haben, das haben wir schon geahnt. Die Gesellschaft hat es versäumt, ihnen eine „echte Perspektive“ anzubieten, und so wurden die aus Nordafrika zugewanerten Facharbeiter, Ärzte und Ingenieure zu Trickdieben. Wer könnte es ihnen verübeln?

Zweitens, sie hatten es nicht auf die Mobiltelefone und Geldbörsen der Frauen abgesehen, sie wollten „die Gesellschaft“ an ihrer empfindlichsten Stelle treffen, dort, wo es wirklich weh tut: Dass sie die Urangst des älteren weißen Mannes – die nehmen uns unsere Frauen weg – auf der Domplatte in der Silvesternacht ausagiert haben, war die größtmögliche Provokation einer Gesellschaft, die sie nicht aufnehmen will. Ob sie mehr geplant hatten als einen Raubzug nach Taschen, Mobiltelefonen und Geldbörsen, wissen nur sie selbst. Aber der Verlauf der Nacht hat genau die Urängste vor potenten, jungen, fremden, „wilden“ Männern geweckt, die nun im Mittelpunkt der Diskussion stehen.

Die potenten, jungen, fremden, wilden Männer haben also nur die Urangst des älteren weißen Mannes „ausagiert“, ihm also, analytisch und gruppendynamisch gesprochen, in den Sattel geholfen und vorgefüht, wie man es macht. Eine andere Möglicheit freilich wäre, dass in diesem Fall zwei ältere weiße Frauen ihre eigenen Fantasien ausagieren, indem sie diese auf die potenten, jungen, fremden, wilden Männer projizieren.

Wie dem auch sei, wer hier was ausagiert, gerät zur Nebensache, wenn man gleich darauf erfährt, dass die jungen Männer eigentlich nicht die Täter sondern die Opfer waren:

Womöglich sind aber auch Frauen dabei, die gar nicht Opfer geworden sind, sondern aus politischer Überzeugung der Meinung waren, dass die Täter mit Migrationshintergrund oder die Flüchtlinge, die das Chaos auf der Domplatte für sexuelle Übergriffe ausgenutzt haben, abgeschoben gehören. Das hoffen sie womöglich mit einer Anzeige zu beschleunigen.

Die Frauen haben den Männern eine Falle gestellt. Sie haben sich geopfert, um zu erreichen, dass die Täter mit Migrationshintergrund abgeschoben werden. Ja, so könnte es gewesen sein. Nur die blöde Polizei ist noch nicht auf die Idee gekommen, gegen die beteiligten Frauen wegen Anstiftung zu einer Straftat zu ermitteln, und verfolgt lieber die Opfer dieser teuflischen Gemeinheit.

Wie komme ich jetzt darauf? Ich bin wieder über einen Artikel von Andrea Dernbach gestolpert, über Juden in der islamisch geprägten Welt. Ja, es gibt viele Themen, von denen sie keine Ahnung hat, und die arbeitet sie nacheinander ab. Von den Tätern mit Migrationshintergrund am Kölner Hauptnahnhof bis zu den Juden in der islamsch geprägten Welt ist es nur ein Katzensprung. Zwar ist der „islamische Kulturraum“ so gut wie judenrein, aber: „Jüdisches Leben blüht im Iran“.

Nun wissen wir, dass die Abwesenheit von Juden die Grundvoraussetzung für das Erblühen der jüdischen Kultur ist. Nirgendwo werden so viele jüdische Kulturfestivals veranstaltet wie an Orten oder in Gegenden, wo es keine Juden mehr gibt. Die Juden gehen, die jüdische Kultur kommt. Derzeit gedeiht sie ganz besonders intensiv in Polen, demnächst wird sie in Frankreich boomen. (...)

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