August 7, 2015 – 22 Av 5775
Ghetto – Vom Mittelalter bis zum Gangsta Rap

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Von der Verharmlosung eines Wortes  

Von Michael Groys

Ich war seit meiner jüngsten Kindheit mit dem Wort „Ghetto“ konfrontiert. Es tauchte immer wieder in Gesprächen, Erzählungen oder Kommentaren auf. Meine Großeltern, abgesehen von mei- nem Großvater väterlicherseits, waren Ghettohäftlinge, genauer gesagt jüdi- sche Ghettohäftlinge. Sie überlebten den Schrecken der Schoah und verließen die Ghettos. Doch so richtig haben sie diese Ghettos vermutlich nie verlassen. Die Geschichte eines Wortes Ein Blick in den Duden hilft sich etwas konkreter mit diesem seltsam klingenden Begriff auseinanderzusetzen. Die Geschichte dieses Wortes ist sehr eng mit der Geschichte des jüdischen Volkes und seiner Ausgrenzung, Vertreibung und letztendlich dem Versuch der endgültigen Vernichtung verbunden. Viel interessanter scheint mir aber der heutige Umgang mit dem Begriff zu sein, der irgendwie allgegenwärtig in Videoclips, Liedertexten und im Sprachgebrauch zur Normalität geworden ist. Was ist man für ein Gangsterrapper, wenn man nicht aus dem „Ghetto“ kommt? Und was versteht die Urbanistik unter diesem Begriff?

Der Blick in den Duden bietet drei Definitionen für das Wort. Zu einem ist die Rede von einem „abgeschlossenen Stadtviertel, in dem die jüdische Bevölkerung abgetrennt von der übrigen Bevölkerung leben muss“. Diese Definition konzentriert sich maßgeblich auf den historischen und jüdischen Aspekt des Begriffes. Die zweite Erklärung fasst diesen Begriff etwas allgemeiner zusammen: „(meist abwertend) Stadtviertel, in dem diskriminierte Minderheiten, Ausländer oder auch privilegierte Bevölkerungsschichten zusammenleben“. Zuletzt eine noch allgemeinere Erklä- rung für den Begriff: „bestimmter sozialer, wirtschaftlicher, geistiger o.Ä. Bezirk oder Rahmen, aus dem sich jemand nicht entfernen kann.“ Alle drei Definitionen umschreiben diesen Begriff durchaus passend, gehen aber nicht ansatzweise auf die tragische Bedeutung des Wortes für die Juden ein und den heutigen Umgang mit dem Wort. (...)

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