Januar 4, 2016 – 23 Tevet 5776
Gauck glaubt zu verstehen

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„Wenn das gleiche in Deutschland passierte, würde die Bevölkerung total ausrasten...“  

  • Januar 4, 2016 – 23 Tevet 5776
  • Israel
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Von Attila Teri

„Jetzt, wo der Terror näher an uns in Westeuropa heranrückt, kann ich besser jene Bedrohung erfassen, in der die Israelis seit Jahrzehnten leben.“ So äußerte sich Bundespräsident Gauck bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Hebräischen Universität in Jerusalem vor wenigen Tagen. Zur gleichen Zeit bereiste ich das „Heilige Land“, um eine Reportage über die aktuelle Lage für Focus TV zu drehen. Ich wollte herausfinden wie Menschen es schaffen ein Leben zu führen in einer – auf den ersten Blick normalen – Umgebung, die sich in jeder Sekunde zum Schauplatz von Gewalt, Mord und sinnlosem Hass verwandeln kann.

Wieder einmal überzieht der Terror das kleine Land der Juden, die sich seit Jahrzehnten nicht nur nach Frieden, sondern auch nach mehr Verständnis, Mitgefühl und Solidarität der Europäer sehnen. Sehe ich jedoch die Realität im Umgang mit Israel an, bezweifele ich es leider, dass diese Wünsche in absehbarer Zeit in Erfüllung gehen werden.

Mein Weg führte mich von Tel Aviv, über die Grenze zum Gazastreifen, durch Netanja, Jerusalem und zurück.Ob ich es wollte oder nicht – der Terror war mein ständiger Begleiter auf der Reise. Wie ein dunkler Schatten, vor dem es kein Entkommen gibt. Für niemanden. Auch nicht für die Menschen, deren Alltag ich einfangen wollte. Wie schon 2002, zu Zeiten der zweiten Intifada, als es fast wöchentlich zu einem Bombenanschlag irgendwo in Israel kam. Mehrere Hundert Menschen wurden in den Tod gerissen oder schwer verletzt. Schon damals bewunderte ich den Lebensmut der Israelis und ärgerte mich darüber, wie wenig über ihr Leid in den deutschen Medien berichtet wurde.

Daran änderte sich auch nichts während der letzten Militäroperation „Protective Edge“, im Sommer 2014, als Israel nach anhaltendem Raketenbeschuss aus Gaza nur mit einer Intervention für eine unbefristete Waffenruhe sorgen konnte.

Vorübergehend. Im Fußball gibt es die alte Floskel „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!“ Auf Israel umgemünzt müsste es heißen: Nach dem Krieg ist vor dem Krieg! Davon ist auch Avishai überzeugt. Der 23-jährige Militärarzt der berühmten Golani-Brigade war letztes Jahr dabei. Ich treffe ihn auf einer Patrouille neben dem Kibbuz Nahal Oz. Keine zwei Kilometer entfernt liegt Jabalia im nördlichen Gazastreifen. Von hier aus flogen die meisten Raketen nach Israel. Aus den Häusern am Rande der Stadt nahmen Scharfschützen immer wieder die Bewohner des Kibbuz ins Visier, wenn sie sich auf ihre Felder wagten. Auf meiner Frage, ob wir uns während unseres Gesprächs auf einem Silbertablett als beliebte Zielobjekte präsentieren, antwortet mein freundlicher Interviewpartner lächelnd: „Ich will Sie nicht erschrecken, aber es ist hier jeder Zeit absolut möglich. Wir stehen in ihrer Reichweite. Sie können uns sehen und verschiedene Waffen benutzen. Nicht nur Scharfschützengewehre. Zum Beispiel Raketen mit kleiner Reichweite.“ „Wenn es sonst nichts weiter ist“, erwidere ich ihm. Eine Portion Sarkasmus fördert die Gesundheit. Es wird nicht auf uns geschossen! Jabalia ist immer noch ein Trümmerhaufen. Doch statt die Häuser wieder aufzubauen, investiert die Hamas lieber wieder Millionen in Tunnelbau und Waffen. (...)

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