Ein Bericht auf dem „Benedict“ in Berlin-Wilmersdorf  

Von Bernhard Kohn

Vor wenigen Monaten geisterte es durch die Medien: Nach Vorbild eines Cafés in Tel Aviv soll ein Lokal in Berlin eröffnen, das nichts als Frühstück, zudem rund um die Uhr, bieten will. Und das nicht etwa in einem der hippen Ausgehkieze in Neukölln, Friedrichshain oder jetzt auch in Wedding, sondern mitten in einem traditionellen West-Berliner Kieze, der manch einem als angestaubt daherkommt.

Vielleicht um der etablierten Lage willen heißt es denn auch etwas gestelzt in der Selbstdarstellung auf der Website des „Benedict“: „Bei Benedict ist Frühstück schon lange nicht mehr nur das erste kulinarische Erlebnis des Tages. Auf unseren Tischen ist das Frühstück ein Festmahl und ein Fest der Aromen und Düfte, das den ganzen Tag lang andauert.“

Schon von Weitem, bevor man die Ecke Uhlandstraße/Pariser Straße in Wilmersdorf unweit des Kurfürstendamms erreicht, fällt einem das glattgeputzte, frisch weißgetünchte Eckhaus ins Auge, in dessen Untergeschoss sich das „Benedict“ befindet, benannt nach einer traditionellen Eierspeise. Dass die Räumlichkeiten des Cafés überaus stylisch nach einem einheitlichen Konzept gestaltet sind, lässt schon der Eingangsbereich erahnen.

Hier wurden wir sogleich von zwei jungen Damen abgefangen, die die Platzierung der Gäste übernahmen mit dem Bemerken, es müssten zunächst Tische hergerichtet werden. Den Vorteil des damit einhergehenden Wartens bemerkt man erst später, wenn man nämlich, einmal am Platz, ungestört verweilen kann und in dem auch wochentags zur Mittagszeit gut gefüllten Lokal nicht dauernd von neuer Kundschaft, die vergebens nach Plätzen sucht, gestört wird.

Die Karte des Benedict bietet Frühstücksvariationen verschiedenster Art an. Neben einzelnen kleinen Vorspeisen („Starters“) von 3,50 bis 5 Euro und kleinen Gerichten, die man nach Wahl zusammenstellen kann und die schon eine auffällige Vielfalt aufweisen, findet man als eigentlichen Schwerpunkt Frühstücke aus aller Welt, vom Avocado-Bagel-Frühstück über ein veganes Frühstück (u.a. mit einem Kichererbsen-Pancake) bis hin zu einem „Zar´s Delight“ und einem Deutschen Frühstück (Preise von 10,50 € bis 18 €). Natürlich dürfen die „Eggs Benedict“ (ein „New Yorker Klassiker“) nicht fehlen. Allein diese stehen in unterschiedlichsten Varianten zur Auswahl. Omelettes, Gegrilltes und die Eisbeinstulle runden die umfangreiche und außergewöhnliche Frühstückskarte ab.
Das klassische englische Frühstück überzeugte dadurch, dass die an sich deftigen Zutaten, u.a. Bratkartoffeln, Speck und Würstchen, geschmacklich fein abgestimmt zubereitet waren. Dem entspricht, dass sie nicht in üppiger Menge aufgetischt wurden. Dennoch natürlich fast ein Mittagsschmaus. Und um das Sattwerden muss man sich keinesfalls sorgen, da der ohnehin gut gefüllte Korb mit frischen Brötchen bei Bedarf unbegrenzt nachgefüllt werden kann.

Der Service gibt sich überaus zuvorkommend, vielleicht eine Spur zu formell. Zum Konzept zählt dabei etwa, dass aus einem emaillierten Krug das Leitungswasser nachgeschenkt wird. Der Service versucht, Sonderwünsche „mit der Küche abzustimmen“. Bei unserem Besuch führte das allerdings zu Irritationen, als ein schlichtes Frühstücksei bestellt wurde. Obwohl Eier, dem Motto des Lokals entsprechend, in zahlreichen Varianten auf der Karte stehen, fehlten kurioserweise schlichte Eierbecher zum Servieren. Immerhin, das Ei wurde wie versprochen „medium“ gekocht gereicht.

Benedict, Uhlandstraße 49, 10719 Berlin, 09:00 bis 23:00 Uhr

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