Offener Brief von Gerd Buurmann an die Eltern der Friedenauer Gemeinschaftsschule in Berlin  

Liebe Anja Kathrin Schultz,
Liebe Julia Kuhne,
Liebe Marika Saridou,
Liebe Lena Nitsche,
Liebe Anni Lindner,
Liebe Jennifer Krawehl,
Liebe Karin Letz,
Lieber Matthias Lindner
Lieber Marco Krawehl,
Lieber Ben Letz,

an der Schule, wo Eure Kinder unterrichtet werden, wurde über Monate ein 14-jähriger Schüler gemobbt, weil er Jude ist! Der Junge wurde geschubst, getreten und mit der Faust in den Rücken geschlagen. Mitte März 2017 wurde er sogar außerhalb der Schule an einer Bushaltestelle von zwei Schülern gewürgt und mit einer Spielzeugpistole bedroht, während andere Schüler zugeschaut und gelacht haben. All dies ist an der Schule Eurer Kinder passiert, 70 Jahre nach dem Holocaust. Die Mutter des Jungen wusste sich letztendlich nicht zu helfen und nahm ihren Sohn von der Schule. In einem Leserbrief vom 4. April 2017 an den „Tagesspiegel“ nehmt Ihr wie folgt Stellung:

„Als Eltern von Grundschüler_innen der Schule möchten wir an dieser Stelle unser großes Missfallen über die erschreckend unreflektierte und einseitige Art der Berichterstattung äußern, die sich nachhaltig rufschädigend für eine äußerst engagierte Schule auswirkt. Wir befürchten, dass die Schule in ein völlig falsches Licht gerückt und der Ruf, den sie sich gerade hart erkämpft, zunichte gemacht wird (…) Wir befürchten, dass die Schule in ein völlig falsches Licht gerückt und der Ruf, den sie sich gerade hart erkämpft, zunichte gemacht wird.“

Ist das Euer Ernst? Ihr sorgt Euch um den Ruf der Schule, statt darüber nachzudenken, dass Eure Kinder eine Schule besuchen, die zu den ersten deutschen Schulen nach dem Nationalsozialismus gehört, auf der ein jüdischer Schüler derart terrorisiert wurde, dass er es nicht mehr ausgehalten hat? Ihr schreibt weiter:

„Wie Sie richtig recherchiert haben, besuchen viele Schüler_innen mit einem Migrationshintergrund die Schule. Damit unterscheidet sich die Schule mit ihren Voraussetzungen sehr von den anderen Schulen in Friedenau, die vorwiegend von Kindern und Jugendlichen aus gutbürgerlichen Familien ohne Migrationshintergrund besucht werden.“

Was die Schule, die Eure Kinder besuchen, ebenfalls von vielen anderen Schulen unterscheidet, sind die Sendungen, die die Mehrheit der Mitschüler_innen Eurer Kinder im Internet und im Fernsehen verfolgen. In vielen Wohnzimmern der Klassenkamerad_innen Eurer Kinder sind arabische Sendungen in den Flimmerkisten zu sehen und dort ruft das lustige Hamas-Häschen Assud die Kinder zum Krieg gegen Juden auf. Zu seinem Hobby gehört es, Juden zu töten. Die Hamas-Maus wiederum stachelt Kinder zum Hass gegen Juden auf und lässt sie Lieder über die heldenhafte Tat des Judenmords singen.

Es gibt ganze Hochglanzvideos, in denen der Terrorismus glorifiziert und der Hass auf Juden gefeiert wird.

In einer Serie eines der erfolgreichen arabischen Sender wird gezeigt, wie Juden ein Christenkind schlachten, um aus seinem Blut Mazzebrot zu machen.

Die Serie lief zur besten Sendezeit im Feiertagsprogram. Sie war und ist auch heute noch in deutschen Wohnzimmern zu sehen. Im arabischen Fernsehpogrom ist der Hass gegen Juden Alltag.

Das 3-jährige Mädchen Basmallah zum Beispiel erklärte im Mai 2002 vor einem großen Fernsehpublikum, dass Juden Affen und Schweine sind, die sie nicht mag. Heute ist Basmallah 18 Jahre alt und somit nicht viel älter als Eure Kinder, die eine Schule besuchen, an der ein jüdischer Junge terrorisiert wurde.

Ihr schreibt weiter:

„Seit Jahrzehnten existiert im Nahen Osten ein nicht enden wollender Konflikt zwischen Arabern und Juden. Eine Stadt wie Berlin, in der Menschen beider Religionen und Kulturen (und noch vieler mehr) leben – was unserer Meinung nach ein enormer Reichtum ist – kann vor den Auswüchsen internationaler Konflikte, wie des Nahostkonflikts, nicht verschont bleiben.“

Die „Auswüchse“ dieses Konfliktes sind, dass ein jüdisches Kind in Berlin an der Schule Eurer Kinder terrorisiert wird! Der sogenannte „Konflikt“ im Nahen Osten sieht übrigens wie folgt aus: Während Israel seit der Unabhängigkeitserklärung die Hand zum Frieden ausstreckt, ruft die arabische Seite zur Vernichtung aller Juden auf.

Der „Konflikt“ zwischen Juden und Arabern ist somit heute in etwa so sehr ein „Konflikt“, der von beiden Seiten ausgeht, wie der „Konflikt“ zwischen Deutschen und Juden im Jahr 1933. Damals verließen die ersten jüdischen Kinder deutsche Schulen, so wie es in diesem Jahr an der Schule Eurer Kinder geschehen ist. In der israelischen Unabhängigkeitserklärung steht:

„Wir bieten allen unseren Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und guter Nachbarschaft und rufen zur Zusammenarbeit und gegenseitiger Hilfe mit dem selbstständigen jüdischen Volk in seiner Heimat auf. Der Staat Israel ist bereit, seinen Beitrag bei gemeinsamen Bemühungen um den Fortschritt des gesamten Nahen Ostens zu leisten.“

In der Gründungscharta der Hamas steht:

„Die Zeit wird nicht anbrechen, bevor nicht die Muslime die Juden bekämpfen und sie töten; bevor sich nicht die Juden hinter Felsen und Bäumen verstecken, welche ausrufen: ‚Oh Muslim! Da ist ein Jude, der sich hinter mir versteckt; komm und töte ihn!‘ (…) Ansätze zum Frieden, die sogenannten friedlichen Lösungen und die internationalen Konferenzen zur Lösung der Palästinafrage stehen sämtlichst im Widerspruch zu den Auffassungen der Islamischen Widerstandsbewegung.“

Wundert es Euch bei diesem Hass gegen Juden tatsächlich, wenn auf der Schule Eurer Kinder ein Jude gemobbt wird? Lest einfach mal, was in der Muttersprache der Mitschüler_innen Eurer Kinder in den letzten Jahren so alles gepredigt und öffentlich gesagt wurde. Bei der Fußballweltmeisterschaft 2010 zum Beispiel sprach der libanesischer Minister, Wiam Wahhab, am 4. Juli 2010 auf Al-Jadid/New TV:

„Ich unterstütze Deutschland in der Politik und Brasilien im Sport. Ich mag die Art wie Brasilien Fußball spielt, aber ich mag die Deutschen, weil sie die Juden hassen und sie verbrannt haben.“

Lustig, oder? Fast schon Berliner Schnauze! Hier noch ein paar andere Aussprüche, mit denen die Mitschüler_innen Eurer Kinder groß werden:

„Bevor Israel stirbt muss es gedemütigt und erniedrigt werden!“ (Khaled Meshall, Vorsitzender der Hamas am 3. Februar 2006)

„Jeder, der ein Messer, eine Waffe oder ein Auto hat und damit nicht einen Siedler oder einen Juden angreift und mehrere zehn Zionisten tötet, gehört nicht zu Palästina!“ (Fawzi Barhoum, Hamassprecher am 30. Juli 2014)

„Juden sind fremdartige Bakterien, sie sind Mikroben ohne Beispiel auf dieser Welt. Möge Gott das schmutzige Volk der Juden vernichten, denn sie haben keine Religion und kein Gewissen! Ich verurteile jeden, der glaubt, eine normale Beziehung mit Juden sei möglich, jeden, der sich mit Juden zusammensetzt, jeden, der glaubt, Juden seien Menschen! Juden sind keine Menschen, sie sind kein Volk. Sie haben keine Religion, kein Gewissen, keine moralischen Werte!“ (Abdallah Jarbu, stellvertretender Minister für religiöse Stiftungen der Hamas am 28. Februar 2010)

„Unser Hass auf die Juden ist in unserem Glauben begründet! Der Koran sagt uns, sie zu hassen, nicht sie zu lieben.“ (Al-Nas TV (Ägypten), 8. Januar 2008)

„Überließen uns die Juden Palästina, würden wir dann beginnen, sie zu lieben? Natürlich nicht! Wir werden sie niemals lieben. Absolut nicht! (…) Dein Glaube bezüglich der Juden soll sein, erstens, dass sie Ungläubige sind und zweitens, dass sie Feinde sind! Und sie sind nicht nur Feinde, weil sie Palästina besetzt halten. Sie wären auch unsere Feinde, wenn sie niemals irgendetwas besetzt hätten! Wir werden die Juden als Feinde betrachten, selbst wenn sie uns Palästina zurückgeben. Weil sie Ungläubige sind!“ (Qatar TV (Katar), 9. Januar 2009)

„In aller Kürze, so sind die Juden: Als Muslime ist unser Blut voller Rachsucht gegen sie und sie kann nur mit der Vernichtung der Juden gestillt werden, so Gott will.“ (Al-Aqsa TV (Gaza), 28. Februar 2008)

„Die größten Feinde eines jeden Muslims nach dem Teufel sind die Juden! Wer sagt das? Gott sagt das!“ (Al-Rahma TV (Ägypten), 9. Januar 2009)

„Immer wieder hat Gott Strafen über die Juden kommen lassen. Die letzte Strafe wurde von Hitler ausgeführt. Bei allem, was er ihnen angetan hat, und die Juden übertreiben bei der Beschreibung dieser Taten, hat Hitler die Juden nur an ihren gerechten Platz gesetzt. Es war die göttliche Strafe für sie!“ (Al-Jazeera TV (Katar) 30. Januar 2009)

Am 9 Oktober 2015 hielt der Kleriker Muhammed Salah „Abu Rajab“ folgende Predigt in der Al-Abrar Moschee in Rafah:

„Unsere erste Phase soll lauten: Stecht die Juden ab! Sie haben keine Chance! Die zweite Phase soll lauten: Wir werden die Juden nicht mehr vertreiben! Wir werden sie allesamt abstechen und abschlachten!“

Dieser ganze Hass ist mittlerweile ebenfalls auf Facebook und anderen sozialen Netzwerken zu finden, die Eure Kinder auf dem Pausenhof nutzen. Dort rufen junge Menschen massenhaft im vermeintlichen Namen Allahs und des Korans zum Hass gegen Juden auf. Sie schreiben: „Juden ins Gas“, „Hitler hat es richtig gemacht“ und „Tötet die Juden!“ Es ist genau dieser Hass, der vor einigen Monaten dazu geführt hat, dass ein wütender Mob auf offener Straße in Berlin gebrüllt hat: „Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein!“

Im Jahr 2017 musste ein jüdischer Junge an der Schule Eurer Kinder unter den Krieg leiden, der gegen Israel geführt wird und Ihr fragt: „Wie kann also eine Schule mit einer Schüler_innenschaft, die sich aus vielen Nationen zusammensetzt, davor gefeit sein, dass es zu religiös motivierten Auseinandersetzungen zwischen Schülerinnen und Schülern kommt?“ Ihr fügt jedoch hinzu: „Die Lösung liegt nicht darin, dies anhand eines tragischen Vorfalls zu bemessen und den Ruf einer engagierten Schule nachhaltig zu schädigen.“

Dieser „tragische Vorfall“ zog sich über Monate hin und ist nur deshalb einzigartig, weil es der erste Jude war, der die Schule Eurer Kinder besucht hat. Der Schulleiter Uwe Runkel erklärt selbst:

„Bei der Anmeldung des Schülers habe ich die Mutter darauf hingewiesen, dass wir keine Erfahrung mit jüdischen Schülern haben, die wie der 14-Jährige offen mit ihrer Religion umgehen.“

Mit anderen Worten: Hundert Prozent aller jüdischen Schüler, die „offen zu ihrer Religion stehen“, haben die Schule Eurer Kinder verlassen. Die Schule Eurer Kinder ist somit wieder „judenrein“. Der Konfliktpartei Hamas gefällt das!

Übrigens, „offen zu seiner Religion stehen“ heißt in diesem Fall, dass der Schüler im Ethikunterricht lediglich erklärt hatte, Jude zu sein. Das reichte schon! Wird Euch da nicht wenigstens etwas mulmig? Ihr erklärt:

„Die Lösung läge darin, eine Schule wie die Friedenauer Gemeinschaftsschule in ihrer Arbeit zu unterstützen und zu bestärken – z.B. durch zusätzliche finanzielle Ressourcen, durch zusätzliches Personal und zu guter Letzt durch einen Journalismus, der nicht voreilig verurteilt. Das tut der Tagesspiegel leider nicht, wenn er mit seiner Berichterstattung zum einen dem bildungsbürgerlichen Trend der Abschottung vor dem vermeintlich Anderen, dem Fremden, Vorschub leistet und zum anderen Wasser auf die Mühlen derer gießt, die den Islam fürchten oder gar islamfeindliche Tendenzen verfolgen.“

Wie jetzt? Die Presse ist schuld? Sie ist schuld, weil sie darüber berichtet hat? Ist das Euer Ernst? Vor über siebzig Jahren wurden Juden in Deutschland verfolgt und ermordet, ohne dass die deutsche Presse kritisch darüber berichtete, hinterher behaupteten die Deutschen, sie hätten von alledem nichts gewusst und heute erklärt Ihr eine Zeitung zum Sündenbock, weil sie über den Judenhass an der Schule Eurer Kinder berichtet hat? Ich kann gar nicht in Worte fassen, auf wie vielen Ebenen mich das entsetzt.

Habt Ihr Euch damals, als Ihr noch zur Schule gegangen seid, nicht auf gefragt, wie es zu der Judenverfolgung kommen konnte? Die Antwort kennt Ihr nun. Sie ist bitter. Ihr findet Sie im Spiegel. Und so wie Eure Groß- und Urgroßeltern gezetert haben über die Kritik Ihrer Kinder an ihrem Schweigen, Verharmlosen und Rechtfertigen, so werdet Ihr jetzt gewiss ganz empört sein über meine Kritik an Euch. Aber Ihr müsst Sie Euch anhören, da sie berechtigt ist. Der Leidtragende an Eurem Verhalten war nämlich der einzige Jude an der Schule Eurer Kinder! Das ist Eure Verantwortung! Ihr schreibt:

„Wir als Eltern wenden uns entschieden gegen Antisemitismus, Antiislamismus, Rassismus und Gewalt und werben für ein offenes Miteinander in der Gesellschaft, das nur funktionieren kann, wenn alle an einem Strang ziehen.“

Ihr stellt Euch also gegen Antisemitismus. Das ist lobenswert. Ihr müsst aber wissen, dass es nicht ausreicht, sich nur gegen den Antisemitismus zu stellen. Ihr müsst auch verstehen, was Antisemitismus ist und erkennen, wie sehr er unser Denken und unsere Kultur durchdringt. Ein Antisemit zeichnet sich dadurch aus, dass er von sich selbst sagt, kein Antisemit zu sein. Sein Standardspruch ist: „Ich hab nichts gegen Juden, aber …“

Wenn Ihr wirklich an einem Strang gegen Antisemitismus ziehen wollt, dann nehmt Euch die Zeit und lest die kurze Geschichte des Antisemitismus, die ich diesem Brief anhänge. Das wäre wenigstens ein Anfang.

Alles Liebe,
Gerd Buurmann

Komplett zu lesen in der Druck- oder Onlineausgabe der Zeitung. Sie können die Zeitung „Jüdische Rundschau“ hier für 39 Euro im Papierform abonnieren oder hier ein Onlinezugang zu den 12 Ausgaben für 33 Euro kaufen.


Sie können auch diesen Artikel komplett lesen, wenn Sie die aktuelle Ausgabe der "Jüdischen Rundschau" hier online mit der Lieferung direkt an Sie per Post bestellen oder jetzt online für 3 Euro statt 3,70 Euro am Kiosk kaufen.

Brief an die Redaktion schreiben