Der kommunistische Bürgermeister von Bezons bei Paris im Einklang mit der Hamas  

Von Stefan Frank

Dominique Lesparre, der kommunistische Bürgermeister von Bezons, einer 30.000-Einwohner-Stadt im Département Val d’Oise nördlich von Paris, hat am Dienstag in einer feierlichen Zeremonie eine „Allée de la Nakba“ eingeweiht.

Das Straßenschild ist zweisprachig: Französisch und Arabisch. „Nakba“ bedeutet im Arabischen „Katastrophe“; in der Ideologie des arabisch-„palästinensischen“ Nationalismus ist damit die Staatsgründung Israels und die Niederlage der angreifenden arabischen Armeen gemeint. Seit rund zehn Jahren gibt es zudem die von dem Schriftsteller Ilan Pappé angestoßenen Bestrebungen, die Flucht Hunderttausender Araber aus Israel in die arabischen Nachbarländer während des Krieges von 1948 zu einer „ethnischen Säuberung“ umzudeuten. Damit haben diejenigen, die Israel zu einem Unrechtsstaat abstempeln wollen, ein Instrument gefunden, um jedes Jahr am Tag der israelischen Staatsgründung diese als etwas darzustellen, das betrauert, nicht gefeiert werden sollte (von der Vertreibung von 850.000 Juden aus arabischen Ländern, die 1945 begann und erst endete, als es dort keine Juden mehr gab, ist dabei nie die Rede).

„Kriegsverbrecher David Ben Gurion“
Darum geht es auch Dominique Lesparre. Damit keine Zweifel darüber aufkommen, was genau gemeint ist, enthält die Tafel einen Untertitel: „Zur Erinnerung an die Vertreibung von 800.000 Palästinensern und die Zerstörung von 532 Dörfern im Jahr 1948 durch den Kriegsverbrecher David Ben Gurion zur Gründung des Staates Israel.“ Das ist Pappés Geschichtsklitterung, zusammengefasst in einem Satz. Wenn Israels Staatsgründer ein „Kriegsverbrecher“ wäre und der Staat Israel ohne die ihm hier unterstellten Verbrechen nicht hätte gegründet werden können – warum das so sein soll, sagt der Text nicht –, dann, so soll jeder folgern, der den Text liest, wäre Israel ein monströses Gebilde, das sofort vernichtet werden muss. Und allen Versuchen, Israel zu vernichten, die es in der Geschichte bereits gab – inklusive dem von 1948 – wird eine Rechtfertigung erteilt.

„Bezons ist ein traditioneller kommunistischer armer Vorort von Paris, mit einem kommunistischen Bürgermeister und einer großen muslimischen Gemeinde, die er umwirbt“, erklärt der französisch-israelische Journalist Jean Patrick Grumberg gegenüber Audiatur-Online. „Linksradikale Gruppen und die kommunistische Partei sind starke Unterstützer von BDS, Gaza und der Westbank.“ Dass David Ben Gurion als „Kriegsverbrecher“ bezeichnet wird, sei „im Einklang mit dem Narrativ der Hamas“ und „für die Kommunisten nichts Ungewöhnliches“, so Grumberg. „Letztes Jahr hat derselbe kommunistische Bürgermeister den Terroristen Marwan Barghouti zum ‚Ehrenbürger’ ernannt. Barghouti ist ein Judenmörder, der zu lebenslanger Haft verurteilt wurde – in Ermangelung der Todesstrafe, die er verdient hätte, die aber in Israel nicht existiert.“ Das Schild wurde mittlerweile auf Anordnung des Präfekten von Val d’Oise entfernt.

Der CRIF, die Interessenvertretung französischer Juden, hatte schockiert auf die Aktion reagiert. Für Francis Kalifat, Präsident des Crif, „sind diese Aussagen falsch, schockierend, unverantwortlich und gefährlich, und sie ermutigen die antisemitische Gewalt, die gegenwärtig weit verbreitet ist, indem sie sie historisch rechtfertigen.“

Antisemitische Gewalt ist in Paris und den Pariser Vororten allgegenwärtig. Immer wieder werden französische Juden von muslimischen Einwanderern ermordet, so im März die Holocaustüberlebende Mireille Knoll, deren Leichnam der Täter anschließend in Brand steckte. „Das waren keine gewöhnlichen Kriminellen“, sagte Francis Kalifat. „Sie wurde angegriffen, weil sie Jüdin war. Das ist es, was den Antisemitismus in unserem Land auszeichnet.“ Die Verdächtigen hätten gesagt: „Juden haben Geld.“ „Sie wurde richtig massakriert. Elf Messerstiche. Das ist Hass auf Juden, wir sehen die Raserei der Mörder. Daran erkennen wir Antisemitismus.“

„Das hat Hitler gut gemacht“
Bezons liegt im selben Département wie Sarcelles, dem Ort, der im Juli 2014 traurige Bekanntheit erlangte durch antisemitische Ausschreitungen, die das Ziel hatten, eine Synagoge zu stürmen. In den letzten zwölf Monaten wurden dort Juden zusammengeschlagen, verstümmelt, gefoltert oder ermordet. Laut einem offiziellen Bericht der nationalen Bildungsbehörde Education Nationale (EN) ist „Jude“ an Frankreichs staatlichen Schulen ein „gebräuchliches Schimpfwort“. „Damals wurde uns vorgeworfen, islamophob zu sein“, sagt der für die Studie verantwortliche damalige EN-Chef Jean Pierre Obin. Mit „damals“ meint Obin das Jahr 2004, als der Bericht erstellt wurde, der dann in der Schublade verschwand, weil sein Inhalt zu heikel war. „Heute“, so Obin, „gibt es in einigen urbanen Ghettos kein jüdisches Kind mehr, das eine öffentliche Schule besucht. Und wenn man den Lehrkörper fragt, wie er die Situation deutet, antworten einige, dass die jüdischen Schüler nicht mehr zahlreich genug seien, um sich zu verteidigen.“ Aus den Schulen höre man, dass die Gewalt auf dem Schulweg auch durch harsche Strafen wie den Ausschluss von der Schule nicht unterbunden werden könne. (…)

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