April 5, 2019 – 29 Adar II 5779
Fliehende Juden und IS-Sadisten

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Die «Bildungsstätte Anne Frank» missbraucht vor Nazis flüchtende Juden, um gegen die Ausbürgerung der Terroristen des Islamischen Staates Stellung zu nehmen. 

Von Benjamin Weinthal (Jerusalem Post)

Oberst Richard Kemp, ein früherer Kommandeur bei der Operation «Fingal» in Afghanistan, schrieb am 9. März auf Twitter:

«Eine schreckliche Beleidung durch die @BS_AnneFrank. Sie sollten ihren skandalösen Tweet löschen.“

Er antwortete damit auf meinen Tweet:

«Nur in Deutschland. Die Bildungsstätte Anne Frank @BS_AnneFrank vergleicht Juden, die während des Holocausts ihre Staatsangehörigkeit verloren haben mit den Bemühungen Kämpfern des Islamischen Staates ihre Staatsbürgerschaft zu entziehen. Warum spielt @BS_Annefrank den Holocaust herunter?»

Der Bildungsstätte scheint es nicht zu gefallen, dass deutsche Politiker laut darüber nachdenken den Sadisten des Islamistischen Staates die deutsche Staatsbürgerschaft zu entziehen. Auf Instagram schreib die «Bildungsstätte Anne Frank» am 6. März 2019, dass sich gegen solche Pläne «Protest formiert» habe – «unter anderem mit Bezug auf das Dritte Reich».

Auf Twitter schrieb die «Bildungsstätte» am 6. März 2019:

«Tatsächlich machten die Nazis großzügig Gebrauch vom Mittel der Ausbürgerung. In mehreren Wellen wurden insgesamt über 39000 Personen ausgebürgert - besonders Jüdinnen & Juden. Ab Nov. 1941 verloren diese automatisch ihre Staatsbürgerschaft, wenn sie die Reichsgrenze überschritten - egal, ob ‘freiwillig’ emigrierten oder deportiert wurden. Ihr Vermögen wurde eingezogen. Betroffen war unter anderem Albert Einstein mit der Begründung, ‘gegen die Pflicht zur Treue gegen Reich und Volk’ verstoßen zu haben.»

Als die «Jerusalem Post» bei der «Bildungsstätte Anne Frank» wegen dieses Beitrags per Twitter nachfragte, antworte diese:

«Nein, wir haben weder die jüdischen Holocaustopfer mit den IS Terroristen verglichen noch gleichgesetzt. Und wir stellten es klar, nach dem manche unseren Tweet auf diese Art und Weise missverstanden haben. Auf keinen Fall haben wir Jihadisten verteidigt. Das ist schlicht nicht wahr.»

Zahlreiche Nutzer sahen dies anders und widersprachen auf Twitter:

«Wenn die Anne Frank Stiftung sich für die Nazis unserer Zeit einsetzt, dann läuft etwas schief.»

«Das ist der gleiche Typ Mensch, der damals die Ausbürgerung von Hitler verhindert hat.»

«Und wir wissen ja alle, dass Albert Einstein genau wie die Kollegahs vom IS geschworen hat, ‘Angst in die Herzen der Ungläubigen zu tragen, und nicht zu ruhen, bevor nicht der letzte von ihnen konvertiert ist, Schutzsteuer zahlt oder tot ist’. Daher: Super Vergleich.»

«Wie wäre es mit einer Umbenennung in ‘Bildungsstätte al-Baghdadi’. Ihr solltet euch schämen den Namen von Anne Frank zu missbrauchen.»

Gemäß der eigenen Webseite

«entwickelt die Bildungsstätte Anne Frank innovative Konzepte und Methoden, um Jugendliche und Erwachsene für die aktive Teilhabe an einer offenen und demokratischen Gesellschaft zu stärken und zu empowern. Wir möchten dazu ermutigen, gesellschaftliche Entwicklungen kritisch zu hinterfragen.

Grundsätzlich orientiert sich die Bildungsstätte in ihrer historisch-politischen Bildungsarbeit an der humanistischen Botschaft Otto Franks und an der Symbolkraft des Tagebuchs der Anne Frank. Die Tagebuchaufzeichnungen von Anne Frank ermöglichen es vor allem Jugendlichen zu verstehen, wohin eine Ideologie der Ungleichwertigkeit führen konnte.

Anliegen der Bildungsstätte ist, dass Jugendliche und Erwachsene diese Erfahrung in ihre heutige, alltägliche Lebenswelt übertragen können, dass sie sensibel werden für Diskriminierungsgeschehen, für menschenverachtende Ideologien und Instrumentalisierungen in ihrem Umfeld sowie für die zentrale Bedeutung von solidarischem Handeln.»

Der «Bildungsstätte» des Dr. Meron Mendel will also sensibilisieren und bilden. Es bleibt zu hoffen, dass dies in Zukunft weniger schlecht gelingt als in diesem Falle.

Übersetzung aus dem Englischen von Anastasia Iosseliani

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