Dezember 7, 2018 – 29 Kislev 5779
Fest des Lichts für Juden und Christen

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Die verschiedenen Arten von Wundern in der Chanukka-Geschichte und wozu sie nötig waren  

Von Rabbiner Elischa Portnoy

Wenn wir Anfang Dezember das Chanukka-Fest feiern, werden wir vor dem Kerzen-Anzünden einige Segensprüche sagen. Ein Segenspruch lautet „…der unseren Vätern Wunder geschehen ließ, in jenen Tagen, zu dieser Zeit“.

Besondere Wunderwerke?
Interessanterweise wird dieser Segenspruch nur zu Chanukka und Purim gesagt, aber nicht an den anderen Feiertagen (wie Pessach oder Schawuot), obwohl auch damals viele große Wunder geschehen waren. Deshalb kann man annehmen, dass die Wunder von Chanukka und Purim etwas Besonders an sich haben, von denen wir etwas lernen können.
Doch was ist eigentlich ein Wunder? Muss es unbedingt etwas Übernatürliches sein? Haben auch wir die Chance ein Wunder zu erleben?

Die Wunder in der Heiligen Schrift
In der Thora finden wir viele von G’tt gemachte Wunder, sowohl für Einzelpersonen als auch für ganze Völker. Manche davon sind sehr bekannt: die Spaltung des Rotes Meeres, das himmlische Brot „Manna“, das vom Himmel fällt, oder die Geburt von Jizhak, als Avraham schon 100 Jahre alt und Sarah 90 Jahre alt war.

Bei manchen Erzählungen der Thora muss man jedoch genauer hinschauen, um das Ungewöhnliche zu entdecken.
Am besten ist dies anhand des spannenden Lebens von Josef zu erkennen, der mit vielen Problemen und Gefahren konfrontiert war.
Als seine Brüder sich Josefs „entledigen“ wollten, warfen sie ihn in eine Grube, die „…war leer, und es war kein Wasser drin“. Dazu bemerken unsere Weisen: „Wasser war nicht darin, aber Schlangen und Skorpione waren darin (verborgen, und nur Gott rettete ihn)“. Gleich danach, als die Brüder Josef verkaufen wollten, passiert noch etwas Spannendes: „…da kam eine Karawane von Ismaelitern vom Gebirge Gilead daher, deren Kamele trugen Tragant, Balsam und Ladanum, und zogen hinab nach Ägypten“. Auch hier bemerken unsere Weisen, dass es um etwas Besonders geht: „Warum spricht der Vers über den Inhalt ihrer Last? Um uns den Lohn der Frommen zu zeigen; denn die Araber pflegten sonst nur Naphtha und Erdöl, die schlecht riechen, zu führen; ihm aber führten sich Gewürze, so dass er (Josef) durch den schlechten Geruch keinen Schaden erleide".

Jedoch erlebte auch Josef Wunder, als er zuerst von einem einfachen Sklaven zum Hausverwalter von Potifar aufstieg, und später aus dem Gefängnis heraus, nachdem er die Träume des Pharaos gedeutet hattte, sogar zum Vize-König aufstieg.
Aus all diesen Beispielen ist ersichtlich, dass es genaugenommen zwei Arten von G’ttlichen Mirakeln gibt: „natürliche“ Wunder, die innerhalb der Naturgesetze passieren, und „übernatürliche“ Wunder, die die Gesetze der Natur sprengen.

Das Purim-Wunder und das Chanukka-Wunder
Wenn wir die Wunder unserer beiden beliebten Feiertage miteinander vergleichen, so sehen wir sofort, dass es sich um verschiedene Arten von Wundern handelt. Während der Purim-Geschichte lief alles auf „natürlichem“ Wege ab: eine Palast-Intrige, die typisch für den antiken Orient war, führte auf Umwegen zur Rettung des jüdischen Volkes.

Zu Chanukka hingegen geschah ein übernatürliches Wunder: Olivenöl, das gerade für einen Tag reichen sollte, und stattdessen acht Tage gebrannt hat, sprengt klar die Naturgesetze dieser Welt.
Doch wie unsere Weisen an vielen Stellen betonen, ist G’tt mit den „großen“ Wundern sehr sparsam und lässt sie nur unter besonderen Umständen zu. Warum gab es jedoch dieses Öl-Wunderwerk? War es tatsächlich nötig? Denn auch nach der Zurückeroberung des Tempels und dem Mirakel mit der Menora dauerte der Krieg mit den Griechen noch mehrere Jahre, bis der jüdische Staat vollständig befreit wurde. (…)

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