August 5, 2016 – 1 Av 5776
Erdogans trojanische Pferde 2: Betül Ulosoy

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Ein weiteres AKP-U-Boot in der CDU zeigt sein wahres Gesicht  

Von Rachel Liven

Betül Ulosoy ist eine eine 26 Jahre alte Jura-Studentin und Bloggerin aus Berlin. Sie hatte sich im letzten Jahr in den Medien einen Ruf als „Kopftuch-Juristin“ gemacht, als sie im Neuköllner Rathaus ein Praktikum absolvieren wollte, das ihr aber aufgrund ihres Kopftuches mit Verweis auf das Berliner Neutralitätsgesetz verweigert wurde. Sie ist daraufhin vor Gericht gegangen, hat den Prozess gewonnen – die Stelle aber schlussendlich nicht angetreten. Es war also eine pure Polit-Inszenierung.

Jetzt sorgte die junge moslemische Frau (die Mitglied der Jungen Union, der Jugendorganisation der Christlich-Demokratischen Union, ist) erneut für Aufsehen, indem sie sich auf Facebook folgendermaßen zu dem misslungenen Putsch-Versuch in der Türkei äußerte:

„Zumindest kann man etwas Schmutz reinigen. Jeder hat bekommen, was er verdient hat. So einfach lassen wir das nicht mehr zu. Mit der Erlaubnis Gottes.“

Da dies auf Türkisch geschah, rechtfertigte sie sich mit einem angeblichen Übersetzungsfehler und äußerte sich wenig später erneut, diesmal unverfänglich und klug ans deutsche Publikum gewandt:

„Militärputsch klar verurteilen und dabei Demokratie und Rechtsstaatlichkeit nicht aus den Augen verlieren“.

Die Leser der JÜDISCHEN RUNDSCHAU wissen, dass voon den selben Akteuren auf türkisch, arabisch usw. oft ganz anders gesprochen wird als auf deutsch oder englisch für die westlichen Zuhörer. Ulosoy, die sich auf ihrem Blog als gut integrierte Moslemin darstellt, die sich liebend gerne für „die Emanzipation für Frauen mit Kopftuch“ einsetzt, ist in meinen Augen die Königin der Doppelmoral.

Zum einen betont sie:

„Ich trage das Kopftuch auch aus emanzipatorischen Gründen. Oft wird die Frau auf ihren Körper reduziert, vor allem in unserer Werbe-, Film- und Musikindustrie und ich glaube die Bedeckung ist eine Art zu sagen: Mit mir nicht!“ und setzt sich für Frauen ein, denen das Kopftuch aufgezwungen wurde. Zum anderen unterstützt sie die Politik Erdogans, die alles andere als Emanzipation verspricht.

Erdogan hatte sich öffentlich und korankonform gegen eine Gleichberechtigung von Mann und Frau ausgesprochen und die einstige liberale Einstellung zur Abtreibung rückgängig gemacht, indem er die Abtreibung als Mord bezeichnete und sie verbat.

„Wir setzen uns dafür ein, dass jeder so leben darf, wie er will, nicht so, wie andere es gerne haben möchten. Dazu gehört auch, dass sich eine Frau selbst aussuchen darf, ob sie einen Minirock trägt, eine Krawatte oder eben auch ein Kopftuch.“, so Ulosoy auf ihrem Blog.

Wie die Erdogan-Anhängerin Ulusoy dies unter ihrem Idol, dem Re-Islamisierer Erdogan, der gerade dabei ist, Atatürks säkulares Erbe zu zerstören, verwirklichen will, bleibt ihr Geheimnis.

Auch in der Zuwanderungsdebatte hat sich Ulosoy klar positioniert, auf ihrem Blog sind lauter Einträge darüber zu finden, die von ihrem Engagement berichten. In einem ihrer Artikel echauffiert sie sich beispielsweise darüber, wie negativ die Türken Neuköllns auf arabische Zuwanderer reagieren. So sagt sie:

„Wenn selbst Araber über Araber so denken und im Schönheitssalon eine Atmosphäre herrscht wie sonst auf dem AfD-Parteitag, wie kann man dann Verständnis von ‚anderen‘ fordern?“

Damit bezog sie sich auf einen Zwischenfall in einem Schönheitssalon, bei dem eine Frau diesen in Begleitung eines arabischen Zuwanderer-Mädchens betrat.

Allgemein ist die Definition des von ihr verehrten Erdogan von Terror sehr flexibel: So bezeichnet er zwar den IS und die PKK als Terrororganisationen, ist aber mit dem Hamas-Chef Chaled Maschal gut befreundet und hat diesen mehrfach als Ehrengast auf Parteitagen der AKP auftreten lassen. Auch ist bekannt, dass Erdogans Absichten darin bestehen eine moslemischere Gesellschaft in der Türkei herbeiführen und die Türkei als Führer der moslemischen Welt zu etablieren.

Auch weiß man um Erdogans kritische Einstellung Andersgläubigen gegenüber, ganz besonders im Hinblick auf uns Juden und Israel. Er hat mehrmals angekündigt, dass er die moslemische Eroberung Jerusalems herbeisehne.

Seinen Hass hat er oftmals lautstark verkündet, wohingegen Betül Ulosoy mehrfach auf ihrem Blog für eine „tolerante“ und „weltoffene“ Einstellung anderen Religionen gegenüber plädiert.

In so vielen Hinsichten widersprechen Ulosoys Bekenntnisse den von Erdogan verfolgten Zielen. Wie also kann sie den Diktator Erdogan unterstützen?

Nach dem, was man auf ihrem Blog liest, ist sie eine gläubige Muslima, die scheinbar Wert auf „ein gutes Herz“ und die westlichen Werte der Demokratie legt. Dann aber schockiert die AKP-Aktivistin und Erdogan-Jüngerin mit einer Aussage, die so unglaublich falsch auf so vielen Ebenen ist.

Die von Erdogan durchgeführten „Säuberungen“ wecken in mir Erinnerungen an Nazi-Deutschland und die Sowjetunion. Meinungs- und Pressefreiheit verbieten, Internetseiten unzugänglich machen, weil sie regierungskritischen Inhalt verbreiten und das Volk aufzufordern Selbstjustiz an Andersdenkenden zu verüben – das soll die menschenfreundliche Demokratie sein, die Ulosoy zu unterstützen vorgibt?

Es sieht nicht danach aus, dass sie das wirklich tut.

Erdogans Bestrebungen, die Türkei als Führungsmacht der moslemischen Welt zu etablieren, bedeutet mit Sicherheit nicht, sich an den westlichen Werten der EU zu orientieren, sondern eher die Scharia als leitendes Gesetz geltend zu machen.

Inwiefern lässt sich das mit Ulosoys angeblichen Vorstellungen vereinbaren?

Meiner Meinung nach überhaupt nicht, denn es scheint, als hätte Ulosoy mit diesem kleinen Post ihr wahres Gesicht gezeigt und sich den Titel als Königin der Doppelmoral mehr als verdient.

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