Der Kapitän der israelischen Fußballnationalmannschaft ist Torschützenkönig der chinesischen Super-Liga  

Von Tal Leder

Seitdem die Fußballmannschaften der Chinesischen Superliga ihre Geldschatullen öffneten, strömen immer mehr ausländische Stars – vor allem aus Europa und Südamerika – ins Reich der Mitte. Doch die Liga wird von jemand ganz anderem aufgemischt: Eran Zahavi, Kapitän der israelischen Fußballnationalmannschaft.

Der Fußball begeistert seit jeher die Massen und hat von seiner Popularität nichts eingebüßt. Die reichen Klubs aus Europa können sich die besten Spieler leisten und locken diese Talente mit großen Summen zu sich. Das war schon immer so. Neu ist aber, dass jetzt auch die chinesische Fußballliga in diesem Millionengeschäft mitmischt und immer mehr Kicker im besten Alter in das ostasiatische Riesenreich lockt.

Nicht nur als Entwicklungshelfer
Doch das Schöne am Fußball ist, dass es trotz seiner totalen Kapitalisierung mit zum Teil schwindelerregenden Beträgen Jahr für Jahr auch immer wieder Überraschungen gibt.
Im Jahre 2016 wurde beispielsweise “Leicester City” Meister der Premier League. Innerhalb eines Jahres wurde es somit vom Abstiegskandidaten zum nationalen Champion Englands. Und eine Sensation dieser Art könnte sich in dieser Saison auch in China ereignen.

Der Verein „Guangzhou R&F“, stand lange Jahre im Schatten seines Nachbarn „Evergrande Taobao F.C.“. Doch das Team, das nordwestlich von Hongkong beheimatet ist, mauserte sich in der aktuellen Spielzeit zu einem regelrechten Spitzenteam, was vor allem ein Verdienst des israelischen Stürmers Eran Zahavis ist.

Der 30-jährige Kapitän der israelischen Fußballnationalmannschaft wechselte im Sommer 2016 zum gegenwärtigen Spitzenreiter der „Chinesischen Super Liga“, der über 7 Millionen Euro an den israelischen Rekordmeister überwies. Zahavi verdient für seine zweieinhalbjährige Vertragsdauer über elf Millionen Euro und soll als Bonus noch zusätzlich 17.000 Euro pro geschossenes Tor bekommen.

Eran Zahavi wurde am 25. Juli 1987 in Rischon LeZion geboren und begann seine Karriere 1993 in der Jugendmannschaft von Hapoel Tel Aviv. 2003 wechselte er in die Jugendabteilung von Hapoel Ironi Rischon Lezion, bevor er 2005 nach Tel Aviv zurückkehrte. Sein erstes Spiel für die A-Mannschaft absolvierte er im Jahre 2006. Nachdem er sich bis 2011 zu einem der besten israelischen Spieler entwickelte, sicherte sich der italienische Verein „US Palermo“ die Dienste Zahavis. Dort war er allerdings Bankdrücker und ging nach einem kurzen Gastspiel eineinhalb Jahre später wieder nach Israel zurück, wo er sich Maccabi Tel Aviv anschloss und seine beste Zeit erlebte, wozu auch der Gewinn der Meisterschaft im Jahre 2014 zählt.

China statt Europa
Durch seine guten Auftritte in der Gruppenphase der Königsklasse der Saison 2015/16 erlangte der 1,81 Meter große Offensivmann europaweite Bekanntheit: Mittlerweile Kapitän der israelischen Nationalmannschaft, waren zahlreiche Mannschaften aus europäischen Topligen an seiner Verpflichtung interessiert. Doch nach seinen persönlichen Erfahrungen in der italienischen Seria A bei Palermo, wo er selten zum Einsatz kam, entschied er sich diesmal gegen Europa und folgte lieber dem Ruf der Chinesen und geht seitdem für „Guangzhou R&F“ auf Torejagd.

Nicht viele israelische Fußballspieler sorgten bis jetzt im Ausland für Furore, einige wenige ausgenommen. Überhaupt galt der Fußball in Israel lange Zeit als eine Art „Stiefkind“ und stand im Schatten des Volkssports Nummer 1: des Basketballs. Die A-Nationalmannschaft des Judenstaates konnte sich zudem nur bei einer Fußball-WM qualifizieren: Bei der in Mexiko 1970.

Doch das hat sich seit einigen Jahren geändert: Mittlerweile ist Fußball in Israel mindestens genauso beliebt wie Basketball. Galt das Kicken in Israel bis vor einiger Zeit noch als der Sport der einfachen Leute, und hatte einen extrem provinziell-amateurhaften Charakter, so ist er heute viel professioneller geworden. Das hat natürlich verschiedene Gründe. Durch die Umstrukturierung der Gehälter kann man in Israel vom Fußballspielen ganz gut leben. Dann sind auch noch einige Stadien zu modernen Fußballarenen umfunktioniert worden. Auch hat der Wechsel manch ausländische Spieler und Trainer ins Heilige Land den Sport aus dem Tiefschlaf geholt.

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