September 5, 2015 – 21 Elul 5775
Empörung in Deutschland

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Yankees randalieren im Zug von Paris nach Amsterdam  

Von Gerrit Liskow

/ mit freundlicher Genehmigung von haolam.de

Nach dem brutalen Übergriff drei amerikanischer Soldaten und eines britischen Geschäftsmanns auf einen allein reisenden Marokkaner auf der Fahrt im Thalys von Paris nach Amsterdam haben führende VertreterInnen aller deutschen Parteien von der Bundesregierung schärfere Maßnahmen zum Schutz allein reisender Marokkanern gefordert.

„So etwas darf sich niemals wiederholen“, meinte ein dieser Redaktion namentlich bekannter Grünen-Politiker und forderte weiter: „Statt den Angreifer einfach bewusstlos zu schlagen, hätten die Amerikaner zunächst einmal alle Möglichkeiten zu einer friedlichen Konfliktlösung ausloten müssen.“

„Auge um Auge macht die Welt blind!“, warf eine führende Vertreterin der deutschen Linkspartei dazu ein.

Auch aus der SPD-Fraktion ist Kritik am Vorgehen der US-Amerikaner zu vernehmen: „Es wäre zu überlegen, ob man den Amis nicht wenigstens die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel verbieten sollte, wenn man sie schon nicht an der Einreise nach Europa hindern kann.“

Aus dem Bundeskanzleramt wurde bereits Verständnis für die empörten Reaktionen aus Opposition und Koalition signalisiert.

„Für rechtliche Schritte ist es zu natürlich noch zu früh, aber wir müssen alle gemeinsam überlegen, wie die Politik besser auf extrem gewaltbereite Amerikaner und Briten reagieren kann, wenn sie wiederholt in der Öffentlichkeit randalieren“, so eine im Bundeskanzleramt beschäftige Dame, deren Namen wir an dieser Stelle nicht nennen können.

Zuvor hatten drei amerikanische Soldaten, die sich angeblich auf Urlaubsreise befanden, und ein britischer „Geschäftsreisender“ einen Marokkaner in gemeinschaftlich begangener Tat bewusstlos geschlagen, weil sie sich durch eine automatische Schnellfeuerwaffe gestört fühlten, die ihr Opfer dem Vernehmen nach auf sie gerichtet hatte. Nach bislang unbestätigten Berichten führte der angebliche Angreifer auch eine Pistole, ein Messer und 300 Schuss Munition bei sich.

Laut Augenzeugenberichten lag es vor allem am technischen Versagen seiner Schusswaffe, dass der allein reisende Marokkaner sich nicht besser verteidigen konnte. „Es muss dringend mehr getan werden, um allen Menschen die gleichberechtigte Teilhabe an moderner Technik zu ermöglichen“ hieß es hierzu aus der Piraten-Partei.

„Immer noch scheitern zu viele Menschen aus sozial benachteiligten Schichten an den simpelsten technischen Aufgaben. Eine Bundesbildungsinitiative auf diesem Gebiet ist überfällig“, so ein Sprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW).

Diverse deutsche Flüchtlingsinitiativen kommentierten den Vorfall wie folgt: „Es ist total verständlich, dass man sich vor der zunehmenden Bedrohung durch gewaltbereite Rechte schützen muss. Wir finden es ebenso bedauerlich wie nachvollziehbar, dass MigrantInnen sich bewaffnen müssen, wenn sie öffentliche Verkehrsmittel benutzen.“

Aus der Redaktion der Tagesschau hieß es, dass die Amerikaner und der Brite – von denen sich einer verletzte, als er den allein reisenden Marokkaner bedrohte und entwaffnete – sich vermutlich strafbar gemacht hätten: „Gemeinschaftliche schwere Körperverletzung, Diebstahl, Freiheitsberaubung und unerlaubter Waffenbesitz“ seien nur vier der Straftatbestände, wegen denen sie in Deutschland juristisch belangt werden könnten.

Strafverschärfend sei die niedere Motivation der Täter, so ein Sprecher der Evangelischen Kirche (EKD); immerhin habe ihr Übergriff sich gegen den Angehörigen einer religiösen Minderheit gerichtet.

Eine Mitarbeiterin der Deutschen Bahn lobte das Thalys-Personal für seine Deeskalation der Lage: „Die Kollegen haben sich vorbildlich verhalten. Sie haben sich gemeinsam in ihr Dienstabteil zurückgezogen und der Yankee-Aggression die Tür vor der Nase zugemacht.“

Sie betonte weiter: „Derartige Eingriffe in den geregelten Dienstablauf sind eigentlich eine Angelegenheit, wegen der der amerikanische Botschafter einbestellt werden müsste.“

„Wir sprechen allen allein reisenden Marokkanern unser Mitgefühl aus und versichern ihnen, dass so wenig Amerikaner wie möglich unsere Verkehrsmitteln benutzen werden“, hieß es aus der Gewerkschaft öffentliche Dienste, Transport und Verkehr noch am Abend.

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