Die Autorin und Künstlerin Yehudis Jacobowitz hat ein Buch über ihre Auswanderung nach Israel geschrieben
  

September 8, 2017 – 17 Elul 5777
Ein Tagebuch der Aliyah


Von Monika Winter

Yehudis Jacobowitz ist Jüdin und verließ 2006 mit ihrer Familie ihr Geburtsland Deutschland, um in Israel zu leben. Die Familie, das sind die Tochter, der Sohn und ihr Mann, ein bekannter Musiker und gleichzeitig Pendler zwischen den Welten. Yehudis selbst ist Graphikerin und bildende Künstlerin. Ihr Buch beschreibt mit ernstem Hintergrund, aber auch in humorvoller Art und Weise das neue Leben der Familie in Israel.

In dem Buch erzählt Yehudis auch über ihr Leben in Deutschland, über Probleme, aufgrund derer sich der Wunsch vertiefte, beide Kinder in Israel leben und ausbilden zu lassen. Yehudis ist eine modern-orthodoxe Jüdin. Wir finden in ihrem Buch auch immer wieder kurze Erklärungen zu jüdischen Fest-, Feier- und Trauertagen, Zitate und Verse aus der Thora.

„Verwurzelt| Entwurzelt“ erscheint vorerst in deutscher Sprache. Ziel des Buches ist es Menschen anzusprechen, die die Themen Israel, Judentum und jüdische Identität interessieren.
Das Buch konnte die Ansprüche der Autorin umsetzen. Es ist nicht politisch brisant; dennoch beschreibt es anhand kleiner Beispiele, warum ein Frieden zwischen Israelis und „Palästinensern“ unter den augenblicklichen Umständen nicht möglich ist. Der innerste Wunsch der Autorin, dass beide Seiten endlich in Frieden miteinander leben können, ist deutlich zu spüren.

„Verwurzelt| Entwurzelt“ wird eingeordnet in die Rubrik „Tagebuch“. Die Besonderheiten liegen darin, dass es einerseits tiefe Gefühle, andererseits Fröhlichkeit vermittelt. Bereits der erste Blick ins Buch verzaubert wegen der besonders schönen graphischen Darstellungen. Die Darstellungen stammen von der Autorin selbst, das Buch ist gleichzeitig auch ein Kunstdruck, der zum Nachdenken anregen sollte.

Ich hatte einige Fragen an Yehudis:

Yehudis, wie kamst du auf die Idee dieses Buch zu schreiben?

Das Buch hatte im wahrsten Sinne so angefangen, wie es im Untertitel genannt wird: Als Tagebuch. Mein ganz privates Tagebuch, in das ich in den ersten Monaten nach unserer Aliya angefangen hatte meine Gedanken und Gefühle aufzuschreiben. Ich musste all das Neue und teilweise durchaus auch anstrengend Nervenaufreibende kanalisieren. Daraus entwickelten sich kleine Eindrücke, kleine Geschichten. Und im Laufe dieses Schreibens fiel mir auf, dass diesen Geschichten immer wieder zwei Themen zu Grunde lagen: Identität und Heimat. Im Laufe der letzten 11 Jahre hat sich dann eine große und vielschichtige Sammlung ergeben, die ich nun in Form dieses Buches veröffentlicht habe.

Der Haupttitel deines Buches lautet „Verwurzelt| Entwurzelt“. Was hat dich motiviert ausgerechnet diesen Titel zu wählen?

Weil der Titel für mich am besten dieses Gefühl von Heimatlosigkeit zum Ausdruck bringt, welche dann selbst zu der Heimat wird, mit der und in der ich lebe. Ein etwas anderer, veränderter Begriff von Heimat. Deshalb steht dem Buch in der Widmung auch das Zitat von Theodor Adorno voran: „Wer keine Heimat mehr hat, dem wird wohl das Schreiben zum Wohnen.“

Du bist nicht nur eine große Künstlerin, sondern auch eine ausgezeichnete Schreiberin. Das Buch ist interessant, fröhlich und aufklärend zugleich. Hast du das Schreiben gelernt?

Nein, nicht im Sinne eines Studiums. Ich würde mich selbst auch nie als Autorin sehen, nur weil ich über mein Leben schreibe. Ich habe wahrscheinlich ein gewisses Talent zum Schreiben und das war mir für dieses Projekt sehr hilfreich. Und natürlich war das auch ein Lernprozess mit vielen Korrekturen, Umformulierungen und Rewrites der Geschichten im Laufe der Zeit.

Hast du oder hat deine Familie die Entscheidung nach Israel zu gehen schon einmal bereut?

Bei allen Schwierigkeiten und Herausforderungen, die es mit sich gebracht hat: Nein, keine Sekunde.

Ist dein Buch bereits als E-Book zu erhalten?

Nein, noch nicht und ich weiß auch nicht, ob dieses Buch wirklich dafür geeignet ist. Es ist ein sehr graphisches Buch durch die vielen größer flächigen Illustrationen, die sich über Doppelseiten erstrecken. Es ist ein Buch zu Anfassen und auch für die Sinne. Das lässt sich meiner Meinung nach schwer in ein E-Book-Format übertragen.

Wird dein Buch auch in anderen Sprachen zu erwerben sein?

Ich hoffe sehr, als nächstes an einer englischen Fassung zu arbeiten. Die kommt hoffentlich irgendwann im kommenden Jahr. Im Moment arbeite ich an der zweiten Auflage der deutschen Ausgabe, das noch um ein bis zwei Einträge ergänzt werden wird und in Kürze vorliegen wird.

Liebe Yehudis, vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen deinen Lesern und Zuhörern, dass sie erkennen und verstehen, was Israel für jüdisches Leben bedeutet.

Vielen Dank. Es war mir eine Freude.

Yehudis Jacobowitz: Verwurzelt| Entwurzelt
Ein israelisches Tagebuch
ISBN 978-965-572-185-0
1. Auflage 2017
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