März 9, 2018 – 22 Adar 5778
Ein Meister der abstrakten Kunst

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Vor 75 Jahren wurde der jüdische Künstler Otto Freundlich in Majdanek ermordet

  

Von Martin Stolzenau

Otto Freundlich stammte aus Pommern, erlangte als Maler, Bildhauer sowie Verfasser zahlreicher kunsttheoretischer Schriften internationale Bekanntheit und arbeitete in Paris mit Berühmtheiten wie Georges Braque sowie Pablo Picasso zusammen. Er gehörte zu den frühen Vätern der abstrakten Kunst und wurde von den Nazis wegen seiner jüdischen Herkunft und als „entarteter Künstler“ verfolgt. Das brachte ihn ins KZ und führte vor 75 Jahren zu seiner Ermordung. Nach Jahren im Abseits wird er inzwischen als stilbildender und maßgeblicher Vater der abstrakten Kunst verehrt.

Otto Freundlich wurde am 10. Juli 1878 im pommerschen Stolp geboren. Sein Vater besaß eine Spedition, war in Glaubensfragen sehr tolerant und erlaubte durch die Pflegemutter eine protestantische Erziehung. Sohn Otto durfte das Gymnasium besuchen, das er ohne Abschluss abbrach, absolvierte anschließend eine kaufmännische Lehre und bekam dann im Holzhandel eines älteren Bruders in Hamburg eine Anstellung. Er holte in der Hansestadt das Abitur nach, begann ein Zahnmedizinstudium, wechselte bald zur Kunstgeschichte sowie Musiktheorie und verfasste erste Beiträge für Zeitschriften.

Die Künstler-WG in Paris
Ganz allmählich fühlte sich der junge Mann zur Kunst hingezogen. Das verstärkte sich während einer Studienreise 1906/07 nach Italien. Mit Folgen. Freundlich nahm privaten Unterricht bei Lovis Corinth, einem herausragenden Künstler seiner Zeit, und studierte zusätzlich kurze Zeit Bildhauerei. 1908 ging der junge Mann aus Stolp zur weiteren Vervollkommnung nach Paris, wo er schnell in Kontakt kam zur künstlerischen Avantgarde mit Amadeo Modigliani, Robert Delauny, Guillaume Apollinaire, Georges Braque und Pablo Picasso. Mehr noch. Er wohnte mit einigen von ihnen im selben Haus, teilte sich ein Atelier und fand im Ergebnis dieser Zusammenarbeit zu seinem ganz persönlichen „konstruktivistischen Stil symbolistischer Prägung“. 1911 schuf der Künstler aus Stolp seine ersten abstrakten Arbeiten und wurde damit stilbildend für andere Künstler. Charakteristisch dafür ist seine Plastik „Großer Kopf“, die an die Figuren auf der Osterinsel erinnert, einen „geistigen Neubeginn“ anstoßen sollte und vom Museumsdirektor Max Sauerlandt in Hamburg angekauft wurde. Parallel beteiligte er sich an Ausstellungen in Paris, Berlin und Köln. Noch im Frühjahr 1914 wechselte der Künstler in ein Atelier in der Kathedrale von Chartres. Dort widmete er sich der mittelalterlichen Glasmalerei, die ihn zu eigenen Gestaltungen inspirierte.

Erster Weltkrieg und der Übergang in die Weimarer Republik
Aber dann kam der Erste Weltkrieg. Freundlich wurde bei den Kürassieren in Köln Sanitätssoldat, schloss sich der Antikriegs-Bewegung an und wurde nach starker gesundheitlicher Beeinträchtigung „wegen Schwerhörigkeit“ im Frühjahr 1918 aus dem Militär entlassen. Anschließend arbeitete er bis 1924 abwechselnd in Köln und Berlin, wobei er sich in der „Novembergruppe“, im „Arbeitsrat für Kunst“, in der „Kommune“ in Berlin und im „Deutschen Werkbund“ engagierte. Mit seiner avantgardistischen Kunstauffassung war der Künstler auch für Walter Gropius interessant, der ihn für das „Bauhaus“ in Weimar anwerben wollte. Dazu gesellte sich ein Angebot von Bruno Taut für die Kunstgewerbeschule in Magdeburg. Doch Freundlich, der 1922 auf der „Internationalen Ausstellung revolutionärer Künstler“ in Berlin seine Arbeiten präsentiert hatte, ging 1924 zurück nach Paris, wo er zur linken Künstler-und Intellektuellenszene gehörte, an Ausstellungen teilnahm und wiederholt von finanziellen Sorgen geplagt wurde. So wie früher durch seinen Kölner Mäzen Joseph Feinhals wurde er nun von Max Sauerlandt unterstützt. Der Künstler aus Stolp fühlte sich einem humanistischen Kunstschaffen verpflichtet, in dem „das Einzelne im Dialog mit dem Ganzen“ steht und Kunst als Verständigungsmittel auf dem Wege zu einer sozialen Einheit dient. Das dokumentierte er in seinen Gemälden, Plastiken und Schriften. Ab 1930 lebte Freundlich mit der Künstlerin Jeanne Kosnick-Kloss, die ebenfalls aus Deutschland stammte, zusammen. Zur vielgestaltigen künstlerischen Zusammenarbeit gehörte auch der Aufbau einer gemeinsamen Kunstschule. Damit hielt sich das Paar finanziell über Wasser. (…)

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