März 4, 2016 – 24 Adar I 5776
Die Seele des Schwarzwaldes

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Berthold Auerbach – ein deutscher Volksdichter jüdischer Herkunft  

Von Claudia Trache

Weltweit bekannt wurde Berthold Auerbach durch seine Schwarzwälder Dorfgeschichten, die ab 1843 erschienen. Selbst Kind eines Dorfes im Schwarzwald verarbeitete er in den ersten Erzählungen das Leben im jüdisch-katholischen Dorf Nordstetten. Wie sein Großvater sollte er eigentlich Rabbiner werden. Doch seine Mitgliedschaft bei der verbotenen Burschenschaft „Germania“, brachte ihm polizeiliche Untersuchungen und letztlich 1837 zwei Monate Haft auf der Festung Hohenasperg ein. Damit wurde ihm die Zulassung zum Examen verweigert. So wurde er aus finanzieller Not Schriftsteller.

In seinen Werken beschäftigte er sich nicht nur mit jüdischen Themen, sondern im Verlauf der Jahre zunehmend mit den gesellschaftlichen Veränderungen in den deutschen Ländern. Über den Ausgang der Revolution 1848/49 war er enttäuscht. Diese hatte er als Liberaler geistig in seinen Dorfgeschichten wie „Befehlere“ oder auch in seinem Volkskalender „Der Gevattersmann“ mit vorbereitet. Darin stellte er in geschickter, volkstümlicher Form die Willkür des Polizeistaates bloß, beschrieb in seinen Texten demokratisches Denken und Handeln und trat für die Pressefreiheit ein. Gleichzeitig kündigte er die kommende Revolution sowie die baldige deutsche Einheit an.

Er beschäftigte sich ganz bewusst mit zeitgenössischen Themen. Dazu zählten zum einen das Aufwachsen der Jugend in großem Reichtum, die Auseinandersetzung zwischen amerikanischer und deutscher Kultur sowie die Auswanderung nach Amerika bzw. die Rückwanderung. Bildung, Aufklärung und Liberalismus waren für Berthold Auerbach wichtige Pfeiler. Er beschäftigte sich mit dem Reformjudentum und jüdischen Philosophen, insbesondere mit Baruch de Spionza (1632-1677).Über ihn verfasste er einen Roman bzw. übersetzte dessen Werke ins Deutsche. Er schätzte Spionza für sein freiheitliches Denken, seinem Sich-lösen von der Orthodoxie und seinem überkonfessionellen, religiösen Ansatz. Aber auch Gotthold Ephraim Lessing war für ihn eine prägende Person, da er für Toleranz kämpfte, Fürsprecher gegen antisemitische Tendenzen seiner Zeit war und für praktische Menschenliebe und die Überwindung des Konfessionalismus eintrat.

1881 erschien Auerbachs Werk „Die Genesis des Nathan“. Darin schilderte er zusammenfassend, welche Bedeutung Lessing für ihn hatte. Tief enttäuscht war er von der zunehmenden Hetze gegen Juden im Deutschen Reich, die seine letzten Lebensjahre begleiteten. Berthold Auerbach starb am 8. Februar 1882 im französischen Cannes, wo er sich wiederholt zur Kur aufhielt.

Deutscher, Schwabe, Jude
Berthold Auerbach wurde als Moses Baruch Auerbacher am 28. Februar 1812 in Nordstetten bei Horb als neuntes von zwölf Kindern geboren. Sein Vater Jakob Auerbacher war ein jüdischer Handelsmann, sein Großvater Baruch Auerbacher Rabbiner. Das Zusammenleben zwischen Juden und Katholiken gestaltete sich damals in seinem Heimatort nahezu problemlos. Berthold Auerbach besuchte ab 1822 die neugegründete jüdische Gemeindeschule. 1825 ging er an die Talmudschule nach Hechtingen, da er, wie sein Großvater, Rabbiner werden sollte. Nach dem Tod seines Großvaters mütterlicherseits 1827,verarmte die Familie, sodass er die Talmudschule verlassen musste. Er setzte seine Ausbildung in Karlsruhe fort und wohnte dort zunächst bei seinem Onkel Maier.

Diesen Onkel begleitete er 1828 zu einer Kur nach Wildbad. Beeindruckt von der Schwarzwaldlandschaft begann Berthold Auerbach mit ersten schriftstellerischen Versuchen. In Karlsruhe lernte er auch Jakob Auerbach, einen entfernten Verwandten kennen. Mit ihm stand er bis zum Lebensende in regem Briefwechsel. Dieser wurde auf Wunsch Berthold Auerbachs nach dessen Tod veröffentlicht. Darin werden zum einen seine Lebensanschauungen deutlich. Gleichzeitig stellt es ein interessantes zeitgeschichtliches Dokument dar. 1830 ging Berthold Auerbach nach Stuttgart und besuchte das Gymnasium. Zwei Jahre später schrieb er sich an der Universität Tübingen zunächst als Jurastudent ein. Bereits im zweiten Semester studierte er jüdische Theologie und Philosophie. Er trat der verbotenen Burschenschaft „Germania“ bei, war zunächst Kneip-Mitglied, später Mitglied der „äußeren Verbindung“. Unter dem zunehmenden politischen Druck in Tübingen, wechselte er 1833 an die Universität nach München, wurde jedoch wenig später wegen seiner Kontakte zur Burschenschaft verhaftet und in Tübingen verhört. Ende November wurde er von der Universität verwiesen und unter Polizeiaufsicht gestellt, durfte aber sein Studium in Heidelberg fortsetzen. (…)

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