Juni 8, 2015 – 21 Sivan 5775
Die Russen kommen!

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Eine kleine Gemeinde in der Provinz und die Integration  

Von Wolfgang Seibert

Als Vorsitzender einer Gemeinde auf dem „platten Land“ werde ich oft gefragt: „Wie kommt es eigentlich, dass es hier in Pinneberg eine jüdische Gemeinde gibt?“ Eine Frage, auf die die Antwort nicht so ganz einfach ist. Pauschal könnte man antworten, dass die Zuwanderung russischsprachiger
Juden dazu geführt hat, dass nicht nur in Pinneberg, sondern in vielen kleinen Städten neue Gemeinden entstanden sind.
Wie war das in Pinneberg?
In den späten 1980er Jahren begann die Zuwanderung russischsprachiger Juden nach Deutschland. Vom „Bundesamt für Migration und Zuwanderung“ in Nürnberg wurden diese Menschen auf verschiedene Städte und Gemeinden verteilt, und auch nach Pinneberg kamen bis 2002, dem Gründungsjahr der Gemeinde, ungefähr 250 jüdische Zuwanderer.
(…)
In der Sowjetunion ein Jude – in Deutschland nicht?
Ein weitaus größeres Problem ergab sich aber im Umgang mit den patrilinearen Juden, den sogenannten „Vaterjuden“. Immer mehr dieser Menschen stellten einen Aufnahmeantrag für die
Gemeinden, die von uns aber alle abgelehnt werden mussten, weil sie nach der Halacha nicht jüdisch waren. Die Halacha bestimmt, dass Jude ist, wer von einer jüdischen Mutter geboren
wurde, oder ordentlich zum Judentum konvertiert ist. Nur, wie soll man das vermitteln? Die Betroffenen waren in der Sowjetunion als Juden diskriminiert worden, in ihrem Pass stand unter
der Rubrik Nationalität „Jüdisch“, unabhängig davon, ob der Vater oder die Mutter jüdisch waren. Die meisten dieser Menschen fühlten sich jüdisch und hatten überhaupt kein Verständnis dafür,
dass wir ihren Antrag auf Gemeindemitgliedschaft ablehnen mussten. (…)

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