Februar 8, 2016 – 29 Shevat 5776
Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit

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Die „zweitgrößte Organisation nach der UNO“ und „Menschenrechte“ auf Grundlage der Scharia  

Von Nikoline Hansen

(...) Nun liegt die Gründung inzwischen ein paar Jahrzehnte zurück und es ist offensichtlich, dass sich das Ziel – die Rückeroberung Jerusalems – nicht so kurzfristig erreichen ließ wie erhofft. Trotzdem lassen die arabischen Staaten in ihrem Bestreben nicht nach. Also was liegt näher, als das Augenmerk auf die Dinge zu lenken, die von kulturhistorischer Relevanz sind? Die OIC formulierte allgemeine Ziele, deren gesellschaftlicher Konsens leichter zu erzielen war: beispielsweise die Abschaffung jeglicher Form der Diskriminierung und des Kolonialismus. Seit 2008 gibt das OIC einen jährlichen Bericht über „Islamophobie“ heraus – dabei nimmt das Verbot in der Schweiz Minarette zu errichten eine prominente Stellung ein was zeigt, dass Einflussnahme auch weit über die Grenzen der beteiligen Länder hinaus versucht wird.

Ein besonderes Augenmerk legt die OIC, nicht ohne Bewusstsein für die Tatsache, dass dies im 20. Jahrhundert eine der wesentlichen Errungenschaften der Menschheit als Basis für ein friedliches Zusammenleben war, auf die Menschenrechte. So wird de facto allerdings eine Relativierung und Aberkennung der Universalität herbeigeführt, indem die Scharia zur Grundlage der Menschenrechte in der arabischen Welt erklärt wird: 1990 wurde die sogenannte Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam beschlossen. Eine Kriegserklärung an die westliche Welt, die nur von wenigen Menschen als solche registriert wurde. Seit 2011 hat die OIC sogar ein eigenes Menschenrechtsgremium eingesetzt, das sich mit den Menschenrechtsverletzungen der Mitgliedsstaaten befasst – sicher ein Versuch, die Menschenrechtsverletzungen mit eigenen Maßstäben zu messen und damit eben die Messlatte anders zu legen als im Rest der Welt.
Es sei daran erinnert: Sitz der Organisation ist der Kopf-Abhack-Staat-Saudi-Arabien – welche Ironie!

Wenn man derzeit die Internetseite der Organisation aufruft, sticht der Link zu einem Artikel des amerikanischen Nachrichtenmagazins „TIME“ vom 1. Dezember 2015 hervor mit der Überschrift: „We Must Understand Why Some Muslims Turn Radical“ – müssen wir das wirklich verstehen, warum einige Moslems radikal werden? Die politische Führung der arabischen Nationen forciert eine solche Radikalisierung nicht nur klammheimlich: Der Artikel stammt aus der Feder des Generalsekretärs der OIC Iyad Ameen Madani. Sein Fazit: Solange Israel gegen UN-Resolutionen verstößt und die Welt sich nicht für das Schicksal der „Palästinenser“ interessiert, werden Menschen radikalisiert und junge Menschen rekrutiert, um eine ungerechte Welt mit Gewalt zu ändern. Wir müssen, so schreibt er, uns auch den unangenehmen Fragen stellen und die tieferen Ursachen des Terrorismus angehen. Das impliziert: Ohne Israel wird es keinen Terrorismus mehr geben.

Die OIC hat einen zehnjährigen Aktionsplan verfasst, der die Ziele von 2015-2025 benennt. In der Präambel heißt es: „Die Charta bestätigt die Notwendigkeit der Erhaltung und Förderung der hohen islamischen Werte wie Frieden, Mitgefühl, Toleranz, Gerechtigkeit und Menschenwürde, so wie wir uns bemühen, die Vorreiterrolle des Islam in der Welt neu zu beleben und eine nachhaltige Entwicklung, Fortschritt und Wohlstand für die Völker der Mitgliedstaaten zu sichern.“
„Hohe islamische Werte wie Frieden, Mitgefühl, Toleranz und Menschenwürde...“ wird zum bitteren Witz angesichts der Folter und Hinrichtungen in den islamischen Ländern.

Und weiter: „Die israelische Besetzung der palästinensischen und arabischen Gebiete ist ein zentrales Thema für die OIC. Das Ende dieser Besetzung und eine umfassende Lösung der Palästina-Frage im Einklang mit den einschlägigen Resolutionen der Vereinten Nationen und anderen internationalen und regionalen Mitteln und Initiativen bleibt daher ganz oben auf der OIC Agenda.“ In der Reihenfolge der Prioritäten liegt „Palästina und Al Quds“ an erster Stelle, wobei als Ziel die Gründung eines palästinensischen Staates auf dem seit 1967 besetzten „palästinensischen“ Gebiet mit dem „Heiligen Jerusalem“ (Al-Quds al-Sharif) als Hauptstadt angegeben wird. Es verwundert daher nicht, dass den arabischen Staaten kaum daran gelegen ist, humanitäre Hilfe für ihre in Krisenregionen lebenden Mitbürger zu leisten, sondern dass sie weiter eine Erziehung zum Hass gegenüber Israel propagieren und terroristische Akte als valides Mittel zum Zweck betrachten. Die Situation scheint deshalb heute, wenn man die vehementen Bemühungen der arabischen Staaten bei der Diffamierung Israels betrachtet, nicht besser zu sein als zu der Zeit, als Israel gegründet wurde. Im Gegenteil, ganz nach dem Motto „steter Tropfen höhlt den Stein“ gibt es immer mehr Menschen auf der Welt, die diesen wahnwitzigen Behauptungen Glauben schenken und die zugrundeliegende Feindschaft, die einziger Antriebsfaktor der OIC ist, gegen Israel übersehen, billigen oder sogar unterstützen. Das fällt umso leichter je mehr Israel gezwungen ist, sich selbst zu verteidigen und damit in der Rolle des Aggressors erscheint – eine geschickte Umkehrung der Wirklichkeit.

Einzig der homo sapiens hat sich zu einem Lebewesen entwickelt, das in einer Welt der Vorstellungskraft lebt. Das hat evolutionäre Vorteile bei der Beherrschung der Welt, aber es kann auch zur Verdrängung der Realität und dem Vergessen der Fakten und Umdeutung der Geschichte führen.

Die OIC hat 57 Mitgliedsstaaten in vier Kontinenten und 5 Staaten als nicht-stimmberechtigte Beobachter, darunter Bosnien-Herzegowina sowie Russland.

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