März 4, 2016 – 24 Adar A 5776
Die Münchener Unsicherheitskonferenz

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Die Akteure in Syrien erinnern an Kinder auf einem Schulhof  

Von Attila Teri

Auf dem Schulhof ist seit Monaten die Hölle los. Was als kleines Scharmützel zwei verfeindeter Gangs begann, entwickelte sich zu einem ausgewachsenen Krieg. Jeder gegen jeden, ohne Rücksicht auf Verluste, geschweige denn auf Regeln. Wer zu keiner Gruppe gehört, um so zumindest einen gewissen Schutz auf eigenem Territorium zu genießen, ist Freiwild. Gejagt von allen Seiten, ständig zwischen den Fronten. Es hilft in solchen Fällen meistens nur das Weite zu suchen – wohin auch immer! Der Schulleiter versucht ununterbrochen zu vermitteln, aber alle seine halbherzigen Bemühungen verlaufen im Sande. Die miteinander zerstrittenen Parteien sehen in ihm nur eine lächerliche Witzfigur. Zumal er nicht einmal den Mut hat, sie auf Dauer vom Hof oder gar von der Schule zu verweisen. Er ist immer noch der festen Überzeugung, die Lage mit freundlichen Gesten und endlosen Appellen an die Vernunft beruhigen und den Konflikt lösen zu können. Bislang scheiterten alle Bemühungen die Beteiligten durch Verhandlungen zur Besinnung zu bringen. Jeder gibt dem anderen die Schuld für die Eskalation.

Dimitrij, der Sprecher der russischen Gang, macht auch nur die anderen für die Entwicklung verantwortlich. Vor sechs Jahren sei es an der Schule noch friedlich gewesen! Ohne Einmischung von außen hätte sich alles so weiterentwickeln können, aber Kräfte von außen hätten das Gleichgewicht verschoben. Es sei wie im „Kalten Krieg“, behauptet er. Dabei spielt sich seine Truppe nur als Schutzmacht auf, um Bashar, den Boss des mächtigsten arabischen Clans in der Schule zu stützen. Der zeigt jedoch kaum Kompromissbereitschaft und glaubt immer noch am Ende der Sieger zu sein. Allerdings sind die Araber unter sich auch alles andere als einig. Je nach Herkunft und Interessen, bekämpfen sie sich bis aufs Blut und wechseln teilweise täglich die Fronten, was nur zu noch mehr Chaos führt.

Jens, der Chef vom Bündnis der europäischen Schülerverbindung, beteuert hingegen: „Wir wollen keinen neuen Kalten Krieg.“ Der Sprecher der deutschen Schüler, Frank Walter, will immer nur schlichten. Mit besorgter Miene redet er wie gewöhnlich alles klein und meint, Dimitrij sei missverstanden worden. Und überhaupt...nur durch Reden könne das Problem gelöst werden. Der amerikanische Austauschschüler John hat zwar fröhlich auf allen Seiten gehetzt, hält sich aber aus den Kämpfen meistens heraus. Aber so ganz kann er es dann doch nicht lassen und wirft schon mal von Zeit zu Zeit ein paar Bomben in den Schulhof. Damit trägt auch er nicht gerade zu Beruhigung der Lage bei. Eher sorgt er mit dafür, dass immer mehr Schüler davonlaufen und in den umliegenden Schulen ihr Glück versuchen. Es klingt schon ziemlich zynisch, wenn er dann noch sagt, die Schulen stünden vor einer fast existenziellen Bedrohung. Trotzdem zündelt er weiter. Seinem früheren Geschichtslehrer, der ebenfalls auf den Vornamen John hört, missfällt, dass sein Ex-Schüler das Feld dennoch überwiegend Wladimir, dem Boss der Russen überlässt. Der sei gar nicht daran interessiert Partner zu sein und wolle stattdessen den Schulhof nur zu einem weiteren Übungsplatz für seine neu ausgestatteten Fußsoldaten machen. Die Schule solle ein Außenposten seiner Klubzentrale werden, genauso sei er doch auch bei der Annexion einer anderen Schule in seiner Nachbarschaft vorgegangen, beschwert sich lautstark der alte und grimmige Möchtegernprofessor. (…)

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