Im Vatikan läuft zurzeit eine Ausstellung über eines der bekanntesten jüdischen Symbole  

Von Dr. Jan Bentz

Ein großer siebenarmiger Leuchter aus Bronze überragt den Besucher und heißt ihn willkommen. Es handelt sich um eines der ältesten und weitverbreitetsten Symbole des Judentums: die Menora.
Seit dem 16. Mai öffnet der Karl-der-Große-Flügel des Petersdoms seine Pforten, um die Herkunft, Geschichte, Abbildung in Kunst und das mysteriöse Verschwinden der Menora für die Sinne greifbar zu machen. Ein Geschichte, die vor 3000 Jahren begann, eingefangen in einer Ausstellung.

„Menora. Kult, Geschichte, Mythos“ heißt die Sammlung, ermöglicht durch eine Zusammenarbeit der Römischen Synagoge, des Jüdischen Kulturzentrums und der Vatikanischen Museen.
Es gibt viel zu sehen: Faksimiles der frühesten römischen Darstellung der Menora, Münzen, Statuen, Gemälde und Folianten, alles Abbildungen des siebenarmigen Kult-Leuchters des Tempels. Am berühmtesten ist wohl – in lebensgroßer Kopie in der Ausstellung zu sehen – die Darstellung der römischen Soldaten, die die Menora als Kriegsbeute aus dem Tempel heraustragen, als Abbildung eines Frieses des Titusbogens auf dem römischen Forum, zurückgehend auf das Jahr 70.

Vorbereitungen für das Projekt „Menora“ liefen bereits seit vier Jahren. Das „älteste und wichtigste Identitätssymbol des Judentums“ sollte in Zusammenarbeit vieler Spezialisten und Gelehrten als gemeinsame kulturelle Initiative präsentiert werden.
Das geheimnisvolle Schicksal des Kultleuchters wurde zur indirekten Ursache des Projekts, als im Oktober 2013 der israelische Botschafter am Heiligen Stuhl, Zion Evrony, zu Gast im jüdischen Museum in Rom war. Dort entdeckte er eine Inschrift neben einem Abbild einer Menora. Es handelte sich um eine Kopie einer antiken Menora des 19. Jahrhunderts auf einem Grabstein dreier Brüder, die unter Kaiser Honorius getötet wurden. Diese drei sollen die Menora auf dem Grund des Tiberflusses gesehen haben, waren aber nicht erfolgreich bei ihrem Versuch, sie aus den Fluten zu bergen. Die Tatsache, dass diese Legende noch im 19. Jahrhundert weit verbreitet war, deutet darauf hin, dass die Menora einen zentralen Platz im Leben der Stadt hatte. Die Ausstellung geht also auf diesen Moment zurück und folgt thematisch der Ausstellung „Von Jerusalem nach Rom und zurück: die Reise der Menora zwischen Geschichte und Mythos“ des Jahres 2008, erdacht von der Leiterin des Jüdischen Museums in Rom, Daniela Di Castro.

Die Geschichte der Menora geht auf Mose zurück. In der Thora wird beschrieben (vgl. Ex 25, 31-40), wie Gott auf dem Berg Sinai dem Mose ein Bild der Menora zeigt und ihm genaueste Anweisungen übermittelt, wie dieser Leuchter gefertigt werden soll. Die Menora wurde auf ihrem Exodus von den Israeliten mit dem Stiftszelt stets mitgetragen, bis sie schließlich in den Tempel in Jerusalem integriert wurde.

Wo ist die Menora geblieben?
Als die Römer den Tempel zerstörten, wurde die Menora nach Rom gebracht, wo dann alle Spuren verschwanden. Procopius von Caesarea beschrieb in seinem „De Bello Vandalico“ ein mögliches Schicksal: ihm zufolge sollten unter ihrem Anführer Geiserich im Jahre 455 die Vandalen die Menora aus Rom erbeutet haben. Der byzantinische General Belisarius besiegte dann wiederum die Vandalen in Karthago (Afrika) und brachte die Kriegsspolien nach Konstantinopel, um sie triumphierend Kaiser Justinian zu übergeben. Dieser wurde von einem Juden an seinem Hof dazu überredet, die Kriegsbeute wieder nach Jerusalem zu bringen, und Justinian befahl, die Schätze den „christlichen Stätten in Jerusalem“ zu übermitteln. Allerdings erwähnt Procopius die Menora nicht mit Namen.
Eine andere Version ist, dass Alarich I., König der Westgoten während eines 3-tägigen Überfalls auf Rom die Menora erbeutete, sein Schiff aber im Fluss Busento bei Cosenza sank und die Menora in den Fluten begrub.
Wieder andere Quellen beschreiben, dass die Menora niemals Rom verlassen hat und auf dem Tiber-Grund liegt.

Die alte jüdische Tradition hingegen überliefert, dass die Menora niemals aus Jerusalem von Titus entwendet wurde, sondern vor der Zerstörung des ersten Tempels durch die Babylonier 584 v. Chr. tief unter dem Tempel begraben wurde, wo sie noch auf Entdeckung wartet. (…)