Oktober 6, 2017 – 16 Tishri 5778
Die letzte Etappe zur Freiheit

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Erlebnisse in den englischen Internierungslagern für jüdische Flüchtlinge auf Zypern  

Von Tal Leder

In Internierungslagern auf Zypern wurden nach dem Zweiten Weltkrieg hauptsächlich jüdische Überlebende des Holocaust von der britischen Regierung festgehalten, die illegal nach Palästina einzuwandern wollten. Von August 1946 bis Januar 1949 gab es dort insgesamt über 53.000 Gefangene.

Noch nie war die Zahl der Menschen, die vor Krieg, Konflikten und Verfolgung fliehen, so hoch wie heute. Experten schätzen, dass Ende 2016 knapp 66 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht waren. Wenn Betroffene ihrer Heimat den Rücken kehren, hoffen sie zunächst einmal in einem sicheren Land aufgenommen zu werden. Wie viele Syrer, die von ihrem bürgerkriegsgebeutelten Land zum größten Teil auf Asyl in einem der westeuropäischen Staat hoffen. Genau wie auch zahlreiche Afrikaner aus dem Sudan und Eritrea.

Vor Angst, Terror und Krieg fliehen? Die ist vor allem dem jüdischen Volk nicht fremd. Es ist noch nicht so lange her – genauer gesagt begann es mit dem Aufstieg des Faschismus in den 1920er und 1930er Jahren – als viele europäische Juden in großer Anzahl vor der bevorstehenden Katastrophe flohen und dadurch dem Holocaust nur knapp entkamen. Seine Heimat unter so radikalen Umständen zu verlassen war in der NS-Zeit noch viel schwieriger als heute, wollten doch die Nazis und ihre Helfer das jüdische Volk komplett vernichten. Der gesamte europäische Kontinent wurde für das jüdische Volk zu einer Art Minenfeld. Ganz Europa? Nicht ganz.

Es gab natürlich auch einige Staaten wie z.B. Schweden, das Asyl anbot. Mit der Schweiz gab es sogar ein deutschsprachiges Land, dessen Juden vom Holocaust verschont blieben. Oder die Insel Korsika, die unter dem Mafiakodex der „Omertà“ über 1.100 Juden beschützte. Selbst unter Diktatoren wie Franco in Spanien oder Salazar in Portugal wurden sie nicht ausgeliefert. Auch Zypern war ein sicherer Hafen für etliche Holocaustüberlebende. Dort allerdings war die Situation etwas anders, denn zum damaligen Zeitpunkt gehörte die Insel zum britischen Empire.

Ermöglicht von der jüdischen Kinder- und Jugendorganisation „Alijat HaNo‘ar“, kamen im Sommer 1946 wie so viele andere Waisenkinder auch Nathan und Josef L. auf der Mittelmeerinsel an. Beide stammten aus der Bukowina. Genauer gesagt aus Vishnitz (heute: Wyschnyzja in der Ukraine), welches bis 1918 zu Österreich-Ungarn gehörte. Nachdem die Eltern 1941 in den Wirren des Holocausts ermordet wurden, begann ihre Odyssee quer durch Osteuropa und den Balkan, bis sie irgendwie durch Zufall von der „Alijat HaNo’ar“ aufgegriffen wurden, die sie mit zahlreichen weiteren Kindern auf ein Schiff brachten, das sie nach Palästina bringen sollte.

„In den ersten Monaten des Jahres 1946 erreichten wir Haifa“, sagt Josef. „Wir konnten das Heilige Land sehen und riechen und waren überglücklich, doch diese verdammten Engländer ließen uns nicht von Bord. Nach weiteren zwei Tagen auf dem Schiff nahmen wir dann Kurs Richtung Zypern. Die Enttäuschung war groß.“ 

Warum durften die jüdische Waisenkinder nicht ans Land? Welche Bedrohung stellten sie für die Briten dar?

Der arabische Aufstand in Palästina während der Jahre 1936 bis 1939, den die britischen Truppen blutig niederschlugen, führte zu einem Umdenken der Regierung in London. Die Folge war das sogenannte Weißbuch von 1939, das die Idee einer Teilung des britischen Mandats über Palästina zugunsten einer gemeinsamen jüdisch-arabischen Regierung aufgab und einen vereinigten Staat innerhalb der nächsten zehn Jahre forderte, mit den Grenzen zwischen Jordan und Mittelmeer. Ziel der Briten war es u.a. die deutschfreundliche Politik der Araber zu unterbinden und sie auf die britische Seite zu ziehen.

Um dies zu erreichen wurde die Einwanderungsquote für Juden ins Heilige Land zunehmend gesenkt. Denn laut dem Weißbuch sollte in einem Zeitraum von fünf Jahren die Einwanderung von nur 75.000 Juden nach Palästina gestattet werden. Jeder weitere Zuzug darüber hinaus sollte nur mit arabischer Zustimmung gestattet werden.

Die Juden sahen diese Maßnahmen als einen Verrat an der Balfour-Deklaration von 1917 an. Diese hatte die Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina vorgesehen. Das Weißbuch schränkte sowohl die jüdische Einwanderung ins Heilige Land ein als auch die Möglichkeit dort Boden zu kaufen. Mit dem bevorstehenden Zweiten Weltkrieg wurde es so fast unmöglich nach Eretz Israel zu kommen. (…)

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