Das südasiatische Land driftet immer mehr Richtung Fundamentalismus ab – und ist im Besitz der Atombombe.

  

Januar 11, 2019 – 5 Shevat 5779
Die islamische Radikalisierung der staatlichen Fehlbildung Pakistan

Von Anastasia Iosseliani

In den letzten Tagen und Wochen berichteten auch deutsche Medien wieder häufiger über den Fall von Asia Noreen, ehrfurchtsvoll auch «Asia Bibi» genannt, und der schrecklichen Tatsache, dass die pakistanische Regierung, innerhalb nur kurzer Zeit vor einem islam-faschistischen Mob eingeknickt ist. Asia Bibi, die früher Erntehelferin war, wurde von ihren muslimischen Arbeitskolleginnen verleumdet und der Blasphemie bezichtigt. Dafür verbrachte Asia Bibi fast zehn Jahre in Einzelhaft, immer in der Angst lebend hingerichtet zu werden. Nach dem das Oberste Gericht Pakistans Asia Bibi freigesprochen hatte, zog der erwähnte islam-faschistischer Mob durch die Straßen und forderte, dass Asia Bibi und die Richter ermordet werden.

Aber – so schrecklich es auch klingt – der Fall von Asia Bibi ist nur die absolute Spitze des Eisbergs in diesem Land, welches 1948 als erste Islamische Republik der Welt gegründet wurde und sich selbst «Land der Reinen» nennt. Seit Jahren radikalisiert sich die pakistanische Gesellschaft mehr und mehr, und aus dem Land entspringen dann Organisationen wie die Taliban und Tehreek-e-Labbaik-Pakistan, grob übersetzt «Die Bewegung zum Islamischen Aufruf-Pakistan». Beiden genannten Gruppen ist Pakistan nicht islamisch genug – und dass trotz der Tatsache, dass die jetzige Frau von Premierminister Imran Khan sogar einen Niqab trägt!

Tehreek-e-Labbaik-Pakistan würde übrigens gegründet, um einen verurteilten Mörder, Mumtaz Hussain Qadri, zu verteidigen, der für die Ermordung von Salman Taseer, dem Gouverneur der Provinz Punjab, gehängt wurde. Salman Taseer hatte es nämlich gewagt, die zu Unrecht verurteilte Asia Bibi zu verteidigen und wurde deshalb von Qadri, der sein Leibwächter war, ermordet. Für die Anhänger von Tehreek-e-Labbaik-Pakistan und andere radikalisierte Pakistaner ist der inzwischen gehängte Mörder Qadri ein Held, fast 40.000 Menschen nahmen an seiner Beerdigung teil. Eine besorgniserregende Entwicklung, besonders wenn man bedenkt, wie häufig der Vorwurf der Blasphemie in Pakistan missbraucht wird, um – wie im Fall von Asia Bibi – Minderheiten zu schikanieren. Leider gewinnt Tehreek-e-Labbaik-Pakistan immer mehr Anhänger. In der Provinz Sindh, wurden zwei Mitglieder von Tehreek-Labbaik-Pakistan in den Provinzrat gewählt. Noch erschreckender ist, dass die neugewählte pakistanische Regierung unter Imran Khan vor der Macht der Straße einknickte und Asia Bibi daher das Land nicht verlassen darf. Währenddessen bettelt die Familie von Asia Bibi westliche Regierungen praktisch um Asyl an, weil nicht mal die Familie mehr in Pakistan sicher und sie in ihrem eigenen Land ständig auf der Flucht ist.

Der Anwalt von Asia Bibi hat Pakistan übrigens schon verlassen – wahrscheinlich um nicht wie Mashal Khan zu enden. Der Journalistik-Student wurde im April 2017 von Kommilitonen auf dem Universitätsgelände der Stadt Mardan gelyncht, weil er angeblich nicht zum Freitagsgebet ging und liberale und säkulare Ansichten hatte.

Dies alles reicht nicht aus, um die mehr als desaströse Lage bei Menschen- und Minderheitenrechten in Pakistan aufs internationale Parkett zu bringen und trotz Fällen, wie den obengenannten, stellt niemand die Legitimität und somit die Existenz der Islamischen Republik Pakistan in Frage – ganz anders als beim einzigen Judenstaat auf dieser Welt.

Trotz der offensichtlichen Tatsache, dass Pakistan nichts exportieren kann außer Terrorismus und Billigkleidern. Denn Pakistan erwirtschaftet mit 220 Millionen Einwohnern etwa 300 Milliarden US-Dollar pro Jahr – so viel wie das stagnierende Griechenland mit nur 12 Millionen Einwohnern! Gerade jetzt wird Pakistan von einer schweren Wirtschaftskrise heimgesucht. Wie uns die Geschichte zeigt, ist die Kombination aus wirtschaftlichem Elend und wachsender Radikalisierung brandgefährlich und so sieht die Zukunft von Pakistan alles andere als rosig aus. Es könnte sogar zu einem Putsch von Seiten des Militärs, Tehreek-e-Labbaik-Pakistan oder des Nachrichtendienstes «ISI» kommen.

Das wiederum heißt, dass wir uns auf noch mehr dramatische Nachrichten aus Pakistan einstellen sollten und endlich damit aufhören müssen Öl ins Feuer zu gießen und den politischen Islam – egal ob sunnitischer oder schiitischer Prägung – zu hofieren. Stattdessen sollte man zum Beispiel die Entwicklungshilfe an die Einhaltung von Menschenrechten koppeln und generell Staaten wie Pakistan öfter die Leviten lesen. Doch mein Verstand sagt mir, dass man weiterhin sein Mütchen an Israel kühlen wird und das Desaster in Staaten wie im «Land der Reinen» ignorieren wird.

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