August 5, 2016 – 1 Av 5776
Die immergleichen Satzbausteine

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Was wir über die deutschen Reaktionen auf den Terror wissen - und was nicht  

Von Claudio Casula

Die Vertreter sämtlicher Parteien verwenden in ihren Statements denselben Textbaukasten:

„Mit Trauer / Entsetzen / Bestürzung haben wir von dem schrecklichen / grausamen / blutigen Anschlag in New York / London / Madrid / Kopenhagen / Brüssel / Paris / Nizza erfahren. Unsere Gedanken sind jetzt bei den Opfern und ihren Angehörigen. In dieser Stunde stehen wir fest zu unseren amerikanischen / britischen / belgischen / französischen Freunden.“

Ist die Bestürzungsbekundung pflichtschuldigst absolviert, folgt die Mahnung zur Besonnenheit. Man wisse noch nichts genaues, aber wichtig sei es jetzt Ruhe zu bewahren. Die Terroristen zielten auf unsere Werte und unsere Lebensweise, daher komme es darauf an das Leben so weiterzuleben wie bisher, absoluten Schutz könne es ohnehin nicht geben.
Auf keinen Fall dürfe nun ein Generalverdacht geäußert werden, die überwältigende Mehrheit der Muslime sei friedlich und gesetzestreu. Auch der Ruf nach schärferen Gesetzen habe zu unterbleiben. Stattdessen müssten die Ursachen des Terrors bekämpft werden. Und: Nun sei zu befürchten, Rechtspopulisten könnten die Tat einmal mehr instrumentalisieren.

Überhaupt wüssten wir noch nichts über die Motive des vor seiner Bluttat „Allahu akbar!“ rufenden Attentäters. Vielleicht habe er psychische Probleme, sei ein verwirrter Einzeltäter.
Hat der Attentäter einen französischen Pass, heißt es, ein Franzose habe die Tat verübt. Das Problem sei also „hausgemacht“, und wir müssten uns fragen, wie so etwas in unserer Gesellschaft passieren könne.

Bei der Rückverfolgung der weltweiten Blutspur des islamistischen Terrors fehlt in der Aufzählung vergleichbarer Fälle fast immer das Land, das mit am meisten unter dem islamistischen Terror zu leiden hat: Israel.

Wenn Experten zu Wort kommen, dann so gut wie niemals solche, die die mörderische islamistische Ideologie thematisieren oder gar im Detail erläutern würden, sondern Windbeutel wie Michael Lüders, der bei n-tv erklärt, ursächlich seien „soziale Verwerfungen“, denn man habe die arabische Jugend Frankreichs „in Banlieus abgeschoben“ und nun meinten wohl einige, sie hätten mit der Gesellschaft noch eine Rechnung offen. Mit dem Terror müssten wir zu leben lernen. Im n24-Studio ruft ein französischer Terror-Experte (oder ein gut frisierter Karussellbremser, der sich als Terror-Experte ausgibt, man weiß es nicht) nach mehr Sozialarbeitern.

Was wir über die deutschen Reaktionen auf den Terror nicht wissen
Wie oft kann man denselben abgedroschenen Solidaritäts-Bullshit absondern, ohne dass einem schlecht dabei wird? Und worin genau besteht die Solidarität mit den vom Terror betroffenen Freunden?

Glauben Lüders und andere Schwadroneure tatsächlich, dass so etwas bei uns nicht passieren könne, weil es zwischen Flensburg und Passau ja keine Banlieus gebe? Und wenn ja: Warum sagen sie nicht offen und ehrlich, dass sie finden, unsere Freunde im europäischen Ausland seien selber schuld, wenn bei ihnen die Menschen auf offener Straße, im Konzertsaal, Cafés, Doppeldeckerbussen, U-Bahnen und Flughäfen abgeschlachtet werden? Und vor allem: Welche Erklärung saugen sie sich aus dem Daumen, wenn eines Tages in Berlin, Hamburg oder Köln Dutzende zerfetzte Leichen am Tatort liegen?
Wie kann es sein, dass sich Tausende von muslimischen Attentätern und zahllose Muslime weltweit, die „Gott ist groß!“ twittern und posten, wenn es mal wieder „Kreuzritter“, „ungläubige Hunde“ und „scheiß gottlose Schweinefresser“ erwischt hat, ganz selbstverständlich auf eine 1.400 Jahre alte Religion und eine unmittelbar mit ihr zusammenhängende hundertjährige Ideologie berufen und auch nach anderthalb Jahrzehnten islamistischen Terrors im Westen in einem aufgeklärten 80-Millionen-Land kein Mensch konsultiert wird, der darauf aufmerksam macht?

Liegt die Ursache für die Ignoranz, was den anti-israelischen Terror betrifft, vielleicht darin, dass man die Ursache lieber verschweigt, weil man sonst zugeben müsste, dass mitnichten eine ominöse Besatzung das Grundübel und der jüdische Staat also nicht schuld an allem ist? Dass wir als Zielscheibe der Surensöhne vielmehr mit den Israelis in einem Boot sitzen und eigentlich gut daran täten, sie um Rat im Anti-Terrorkampf zu bitten, dass man sich hierzulande aber lieber den Arm abhacken ließe als sich dazu herabzulassen?

Welche privaten Probleme könnten dahinterstecken, wenn jemand Hunderte Konzertbesucher mit Maschinenpistolen niedermäht, eine Bombe im Terminal zündet oder mit einem 19-Tonner über eine Strandpromenade brettert und zweihundert Menschen über den Haufen fährt? Eine zwickende Hose? Der fehlende Hummus im Kühlschrank? Die Ejaculatio praecox am Abend zuvor?

Woher beziehen Politiker ihre Zuversicht den Terror zu besiegen? Was haben sie bisher dafür getan? Was gedenken sie zu tun? Soll es etwa nach der Logik laufen: „Die Terroristen zielen auf unsere Lebensweise; wir müssen also alle einfach nur weitermachen und so tun als sei nix passiert, dann haben die Terroristen ihr Ziel nicht erreicht und wir haben gewonnen – hurra!“? Oder könnte es sein, dass solche Bekundungen nur verschleiern sollen, dass man überhaupt keinen Plan hat, dass man sich lieber nicht mit den wahren Ursachen des Terrors auseinandersetzt, weil dabei sehr unbequeme Dinge herauskommen könnten, die dem angestrebten Miteinander der Kulturen (Friede-Freude-Baklava) durchaus abträglich wären? Und dass man viel zu feige ist, auch nur minimale Konsequenzen aus diesem neu gewonnenen Wissen zu ziehen?

Wenn Mohammed so sehr Franzose ist wie ein Cordon bleu eine koschere Spezialität, warum soll die Staatsangehörigkeit des Massenmörders ein „hausgemachtes Problem“ belegen? Mohammed hat sich ja nicht im französischen Bildungssystem, bei einem Johnny-Hallyday-Konzert oder beim Besuch im Louvre radikalisiert, sondern in seinem Umfeld, über arabische TV-Sender oder auf Islamistenseiten im Internet.

Was für einen Unterschied macht es, ob ein radikal-islamischer Täter sich eben auf einer „Flüchtlings“-Welle nach Europa tragen ließ, ob er vor zehn Jahren hierher kam oder ob er hier geboren wurde und seine Familie in der dritten Generation in Europa lebt? Warum ist es nicht legitim sich vor den in unseren freien Gesellschaften offensichtlich überall lauernden tickenden Bomben zu fürchten, warum wird diese Besorgnis als irrational und / oder als Ausdruck von Fremdenfeindlichkeit diffamiert?

Auf diese Fragen werden wir wohl keine Antwort bekommen. Politik und Medien sind voll damit ausgelastet, Millionen junger arabischer Männer willkommen zu heißen, massenhafte Sexualdelikte als „Grabschereien“ herunterzuspielen, die Kapitulation vor Tätern mit Migrationshintergrund zur „Stärke des Rechtsstaats“ umzuschminken und den Islamischen Staat als „in Wahrheit antimuslimisch“ (Stefan Ulrich in der SZ) darzustellen – und vor allem damit, den wohlfeilen Kampf gegen Rechts zu führen. Rechts ist ja heute per definitionem alles, was nicht links ist, daran sollten Sie denken, wenn Sie gewisse Sorgen äußern, sonst klingelt Heikos Gesinnungspolizei vielleicht eines Tages auch bei Ihnen. Derweil lachen sich die Salafisten, die zur gleichen Zeit an ihren „Lies!“-Ständen in den Innenstädten neue Kämpfer für ihren Heiligen Krieg rekrutieren, krumm und bucklig. Dass wir derartig dämlich sind, hätten sie sich früher nicht träumen lassen.

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