Die Kooperation mit dem Vorsitzenden Aiman Mazyek ist weder ergiebig noch hilfreich im Kampf gegen den Antisemitismus 

Von Felix Perrefort

Bundespräsident Steinmeier behauptete einmal, dass es Zuwanderern nicht möglich wäre, ein Zuhause in Deutschland zu finden, „wenn sich Antisemitismus in diesem Lande breitmacht“. Denn Antisemitismus zerstöre am Ende „Heimat für alle“. Das klingt zwar irgendwie menschenfreundlich, ignoriert allerdings, dass gemeinhin Muslime ihre fast „judenrein“ gemachten Länder immer noch zu ihrer Heimat zählen. Doch obwohl Steinmeier selbst wissen wird, dass sein Sonntagsgerede verlogen ist, beginnt er sich selbst in dem Moment zu glauben, in dem er seine Worte in den Dienst von etwas Höherem stellt: Geglättet werden sollen die immer deutlicher hervortretenden Widersprüche der Migrationsgesellschaft und zwar durch die Beschwörung eines multikulturellen Gesamtfriedens, an den nur noch glauben kann, wer auf Kriegsfuß mit der Empirie steht.

In dieses illusionäre Deutschland bestens integriert ist auch der Vorsitzende des sogenannten „Zentralrats der Muslime in Deutschland“. Wenn nun Mazyek behauptet, dass es den Muslimen nicht möglich wäre, aus dem Islam Hass abzuleiten, dann beginnt auch er im Wissen, wie viele christen- und judenfeindliche, zur Verfolgung aufrufenden Suren es im Koran gibt, diese Lüge in dem Moment zu glauben, in dem er ihr höhere Weihen verleiht: Nivelliert werden soll der Widerspruch zwischen dem behaupteten Anspruch einer „Religion des Friedens“ und dem mörderischen Treiben vieler ihrer Anhänger, deren Blutspur sich quer durch Europa bis in die globalen Peripherien zieht, und zwar durch die Beschwörung eines reinen Islams, an den nur glauben kann, wer die brutalen Realitäten kurzerhand dem Islamismus zuschanzt.

„Mit den Christen ist es bald zu Ende“ 

Doch um fair zu bleiben, sei der „deutsche Weltbürger mit syrisch-alemannischen Wurzeln“ (Mazyek) auch dort angeführt, wo er die Wahrheit sagt. „Historisch gibt es auch sehr viele Anknüpfungspunkte zwischen Deutschland, Europa und dem Islam.“ Zum Beispiel diesen: Als Kaiser Wilhelm II. 1914 einen Bündnisvertrag mit dem Osmanischen Reich einging und sich als „Beschützer“ aller Moslems bezeichnete – worin er heute Jürgen Todenhöfer, dem ideellen Gesamtgutmenschen neudeutscher Prägung, sehr ähnelt –, sollte wenig später im Völkermord an den christlichen Armeniern Wirklichkeit werden, was er selbst vorausahnte:

„Mit den Christen ist es dann zu Ende.“ 

(Tagebuch-Eintrag Wilhelms II. vom September 1908)

„Armenische Genozid-Lüge“

Diese deutsch-moslemische Freundschaft – „der Kaiser ließ Islamisten gegen Christen wüten“ (Wolfgang G. Schwanitz) – drückt sich heutzutage zum Beispiel so aus, dass auf dem Festival „Offenes Neukölln“ die DITIB hofiert wird. Deren Beitrag zum buntdeutschen Gesamtfrieden besteht nicht nur darin, einen „Einblick in die Welt des Ramadans“ zu gewähren, während dem islamische Mordbrenner statistisch besonders stark dazu tendieren, gegen alles zu wüten, was sie an individuelle Freiheit erinnert. Nein, die DITIB widmet sich auch Veranstaltungen, welche die „armenische Genozidlüge“ zum Thema haben, und organisiert diese mit den „Grauen Wölfen“: Dass linke Kooperation mit Faschisten in Buntdeutschland nichts Ungewöhnliches ist, zeigte sich auch an der Rosa-Luxemburg-Stiftung, die wortwörtlich schon forderte, mit Islamisten zu reden. Gegen Seehofer und mit Mazyek darf also durchaus zugestanden werden, dass der Islam zu Deutschland gehört: Heute wie damals bestehen besagte „Anknüpfungspunkte zwischen Deutschland, Europa und dem Islam“ in der geteilten Zivilisationsfeindlichkeit, der Geringschätzung von Individualität und dem befreiten Leben.

Mazyeks Solidarität mit den Juden ist ein schlechter Witz 

Deswegen verwundert es auch nicht, Mazyek wie einen geradezu linksalternativen Aktivisten reden zu hören, wenn es um ausgrenzende Begriffe geht. Gegen die Bezeichnung Deutschlands als „christlich-jüdisches Abendland“ gäbe es vernünftige Einwände. Doch weiß er gegen sie nicht deshalb etwas einzuwenden, weil zur Geschichte Deutschlands eben auch der islambegeisterte Hitler und al-Husaini gehören, die mit ebenjener christlich-jüdischen Zivilisation Schluss machen wollten. Auch bringt er nicht den Einwand der von Freud diagnostizierten nur oberflächlichen Christianisierung und damit Zivilisierung der Deutschen, die im nationalsozialistischen Christen- und Judenhass und der Entfesselung barbarischer Triebkräfte endete. Vielmehr begründet er seine Abneigung aus jüdischer Solidarität, die sich noch als heuchlerisch herausstellen wird: „Konfrontieren Sie einmal einen jüdischen Vertreter mit dem Begriff ‚christlich-jüdisches Abendland’. Er wird schlucken. Denn er verbindet damit oft – und historisch völlig zu Recht – Vertreibung, Pogrome und den Holocaust.“

Was jener jüdische Vertreter wohl zum Begriff des islamischen Morgenlands sagen würde? Denn auch mit diesem verbindet er oft – und historisch völlig zurecht – Vertreibung, Pogrome und den Holocaust: Nach den unzähligen Pogromen, die sich durch die islamische Geschichte ziehen, wollte Mohammed Amin al-Husaini, der Großmufti von Jerusalem, den Holocaust auch auf die islamische Welt ausweiten, was anders als die Vertreibung fast sämtlicher Juden aus dem Orient nach der Gründung Israels glücklicherweise verhindert wurde. Und was würde jener jüdische Vertreter zu dem Foto sagen, das Mazyek mit Ali al-Qaradaghi zeigt, einem „hochrangigen Funktionär in Gremien der Muslimbruderschaft“ (Sigrid-Herrmann-Marschall)? Würde er sich darüber wundern, dass al-Qaradaghi begeisterter Unterstützer von Yusuf al-Qaradawi ist, einem der einflussreichsten Ideologen der Muslimbruderschaft? Und würde ihn irritieren, dass das Islamische Zentrum Aachen, in dem Mazyek sozialisiert wurde, vom syrischen Muslimbruder Issam al-Attar gegründet wurde? Warum diese Nähe zur durch und durch antisemitischen Organisation, wenn er angeblich doch so projüdisch ist?

Herr Mazyek verkehrt im Aktionsgeflecht der Muslimbrüder, aus dem heraus sich einer wie Al-Qaradawi schon einmal die Vollendung des Holocausts durch die Muslime wünscht. Schwermütig verkündet er, dass Antisemitismus im Islam eine Sünde sei, und sitzt dabei einem „Zentralrat“ vor, der den European Council for Fatwa and Research als religiöse Autorität betrachtet. Dessen Gründungsmitglied und ehemaliger Vorsitzender ist jener wüste Antisemit namens Al-Qaradawi.

Wie ideologisch am Ende muss eine Nation eigentlich sein, in der man mit Leuten gegen Antisemitismus kooperiert, die ihrerseits unkritisch gegenüber Leuten sind, die ganz offen für Antisemitismus eintreten: „Es gibt keinen Dialog zwischen uns, mit Ausnahme von Schwert und Gewehr,“ ließ al-Qaradawi mit Bezug auf die Juden bereits 2004 verlautbaren.

Man sollte nicht einerseits davon schwafeln, dass der Islam „eine Religion mit einem ganz eindeutigen Friedensauftrag“ sei, während man andererseits Leute zu schätzen weiß, die die Wahrheit über diese Ideologie ausplaudern: „Es ist durch islamisches Recht festgelegt, dass Blut und Gut der Menschen des Dār al-Harb nicht geschützt sind. Denn sie kämpfen gegen die Muslime und sind ihnen feindlich gesinnt, sie haben den Schutz ihres Blutes und Gutes verwirkt“ (al-Qaradawi).

Die Unmündigkeit des Mazyeks und sein perfekter Islam 

Die sich hier zeigende, jeder aufgeklärten Gesellschaft spottende Unfähigkeit zur Selbstkritik ist schlichtweg peinlich. Mazyek wirft anderen vor, eine kindische Debatte zu führen, und wehrt selbst alles ab, was seine geschätzte Religion in Verruf bringen könnte: „Immer klebt dabei das Etikett Islam dran“, jammert er, wenn seine Ideologie negative Schlagzeilen macht, und findet deshalb auch den Begriff „islamistisch“ unsäglich.

Das Unvermögen, reale Probleme in Verbindung zu bringen mit der eigenen Weltanschauung, und die damit verbundene notorische Opferhaltung wurzelt im islamischen Anspruch auf Vollkommenheit: Dem zum Gottesknecht degradierten Muslim, dem anders als dem Christen und Juden der Zweifel nicht erlaubt ist, verbietet sich die Kritik des Islam schlechthin, denn der sei ja perfekt. Die Fähigkeit zur Selbstkritik setzt voraus, sich ohne Leitung eines Anderen seines Verstandes zu bedienen, und ist im Islam nicht vorgesehen. Dafür sind nicht nur Mazyek und Konsorten die lebendigen Beweise, sondern auch die in Todesgefahr lebenden Islamkritiker, denen Menschen wie er in den Rücken fallen.

Es gibt nur einen Islam

Wären diese Funktionäre nicht so gefährlich, man könnte ihnen mit Vergnügen folgen. „Künstliche Unterscheidungen zwischen ‚konservativ‘ oder ‚liberal‘ führen zu nichts und tragen zur weiteren Politisierung der Debatte bei. Es gibt einen Islam, aber keinen liberalen, konservativen oder extremistischen. Auch die Fundamentalisten verstehen das nicht.“ Dass die „Fundamentalisten“ ihren Islam nicht als Spielart desselben begreifen, sondern wie er davon ausgehen, dass es nur einen gebe, merkt er womöglich nicht einmal selbst.

Jemand, der fest an die Reinheit des einen Islams glaubt und dies glaubensdogmatisch auch muss, erfährt den sogenannten extremistischen Islam nicht als islamischen Angriff auf Menschen, sondern als äußerlichen Angriff auf den Islam selbst. Der Schutz der Ideologie geht den Islamhörigen über den Schutz des Individuums.

Respektlosigkeiten durchgehen lassen 

Weil eben nichts Schlechtes im Islam selbst sein kann, macht er sich die Welt, wie sie ihm gefällt, und hält schließlich sogar die Scharia für demokratiekompatibel. Auf das Gegenargument von „Welt Online“, dass in Scharia-Staaten „Urteile gesprochen und vollstreckt“ werden, „die mit den Prinzipien eines Rechtsstaates ganz und gar nicht vereinbar sind“, suggeriert er, dass dies ja nichts mit der islamischen Lehre zu tun habe: „Und hierzulande wird dies dann alles eins zu eins dem Islam in die Schuhe geschoben, ohne eine einzige Sekunde zu verweilen, ob dies nun islamisch gerechtfertigt ist, oder ob dies wieder einmal nur zur Machterhaltung für irgendeiner Diktatur herhalten musste.“

Die VAE haben einen Toleranzminister

Der menschenrechtswidrige Scharia-Islam sei nicht unbedingt islamisch gerechtfertigt und diene lediglich der Machterhaltung diktatorischer Regime, während – das muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen – „das Konzept des Zentralrates [gilt], als deutsche Religionsgemeinschaft die Brücken des Dialoges und der Freundschaft zu allen Islamischen Ländern zu festigen und weiter auszubauen.“ Zum Beispiel zu einer Diktatur wie jener der Vereinigten Arabischen Emirate, der Aiman Mazyek seine Aufwartung bereitete und in deren „Toleranzminister“ er Vorbildcharakter erblickte. Dass wir tatsächlich von Idioten regiert werden, zeigt sich darin, dass man dem politischen Islam solche grotesken Widersprüche, ja Respektlosigkeiten einfach durchgehen lässt, die zu dulden ein beträchtliches Maß an Selbstvergessenheit erfordert.

Schluss machen mit der Augenwischerei 

Von Mazyek wird man nie auch nur ein einziges Wort kritisches Wort zum Islam hören, der ihm als perfekte Lehre indoktriniert wurde, die in Frage zu stellen ihn Gefahr laufen ließe, ernsthafte Probleme zu bekommen. Das darf durchaus berücksichtigt werden, wenngleich es auch nichts entschuldigt. Solchen Leuten die Deradikalisierung von Jugendlichen oder die Erziehung von moslemischen Kindern anzuvertrauen, indem man sie in die Integration einbindet, bedeutet jedoch, sich schuldig zu machen, indem man sie zu ebenso unmündigen Erwachsenen heranwachsen lässt; Erwachsenen, die unfähig sind, sich in ein kritisches Verhältnis zur Herkunftsgemeinschaft zu setzen, was die Bedingung gelungener, durchaus schmerzhafter Individuation wäre.

Solche Leute in Islamfragen zu Rate zu ziehen und ihnen gar Posten zu überlassen – Mazyek sitzt laut Selbstauskunft im Beirat von RTL und fordert im „Migazin“ moslemische Vertretungen im Rundfunk – läuft auf die Abschaffung kontrovers geführter Debatten hinaus:

„Das ist durchaus eine wichtige Position, da es über die Rundfunkräte auch Korrektive gibt. Genau um diese geht es den muslimischen Vertretern im Grunde. Aktuell fehlen diese. Und da ist die Politik der richtige Ansprechpartner. Ich weiß nicht, ob eine Sendung wie bei ‚Anne Will‘ mit muslimischer Präsenz in den Rundfunk- und Medienräten durchgegangen wäre.“ 

In der war nämlich Ahmad Mansour, der ihm als „sogenannter Islamkritiker“ natürlich ein Dorn im Auge ist.

Schluss zu machen wäre endlich mit der peinlichen Augenwischerei; es besteht keine Notwendigkeit, mit dem politischen Islam zu kooperieren. Könnten die Vertreter des politischen Islams jegliche Islamkritik aus der Öffentlichkeit verbannen, sie würden es unverzüglich tun.