Medien verneinen einerseits islamischen Charakter des IS, sprechen aber andererseits von „buddhistischem Terror“ in Südostasien.  

Von Seth Frantzman

Im Jahre 2013 schmückte das „Time“-Magazin ein Titelbild, das das „Gesicht des buddhistischen Terrors“ zeigte. Das gleiche Magazin erklärte im Jahre 2014 bezüglich der Grausamkeiten des Islamischen Staates: „IS ist nicht nur un-islamisch, er ist anti-islamisch“. 

Der Artikel im „Time“-Magazin gab an, dass der IS (Islamischer Staat) die

„kontraproduktive Politik des Westens ausnutzt, um verzweifelte Menschen in seinen Bann zu ziehen und Ungerechtigkeit in der moslemischen Welt als Deckmantel nutzt, seine eigenen Gewalttaten zu verbergen.“ Allein durch die Benennung des IS mit eben diesem Namen – Islamischer Staat – bedeutet „ihm die religiöse Legitimierung zu schenken, die er sich so verzweifelt anzueignen sucht. Auf diese Weise verbreiten wir seinen Mythos, beflecken das Ansehen des Islam und drängen den Großteil der Moslems weiter an den Rand, die auch von den un-islamischen Vorgehensweisen der Gruppe angewidert sind.“

Wenn es um die Angriffe gegen Moslems in Burma geht, dann wird die Aggressorengruppe allerdings als „buddhistisch“ benannt. Nicht „Extremisten“ und nicht „gewalttätige Extremisten“, wie Richard Stengel der US-Regierung die islamischen Angereifer genannt hatte. Man erinnere sich an die Logik der Umbenennung von „islamischem Terror“ zu „gewalttätigem Extremismus“. Stengel erklärt:

„Der Grund dafür war praktischer Natur. Um radikalen islamischen Extremismus zu reduzieren, brauchten wir unsere moslemischen Alliierten – die Menschen in Jordanien, den Emiraten, in Ägypten und die Saudis – und sie meinten, dass es unfair sei eine ganze Religion als Gewalttäter zu diffamieren.“

Als der „Guardian“ einen Leitartikel über die Gewalt in Burma schrieb, da wurde diese Gewalt „buddhistisch“ genannt. Der Leitartikel vom 4. September 2017 schreibt:

„Buddha hätte sicherlich etwas zu diesen Gewalttagen zu sagen, aber die Buddhisten von Myanmar nutzen lieber Ketten und Waffen – wie es die Hells Angels tun – als von Gewalt befreit zu werden.“

Der „Guardian“ veröffentlichte allerdings auch einen Artikel von Roy Greenslade, in dem erklärt wurde, wie man den IS zu konfrontieren habe. In diesem Artikel jedoch gab es eine ganz andere Herangehensweise das religiöse Element zu benennen.

„Muslime bilden keine einheitliche Einheit. Wir würden niemals die gesamte Christenheit auf die gleiche Weise zusammenfassen, denn wir sind uns bewusst, dass dieser allgemeine Begriff praktisch bedeutungslos ist. Mehr noch, es ist völlig augenscheinlich, dass es nach Bigotterie stinkt, eine ganze Gruppe von Menschen, die mehrere Millionen umfassen, für eine fehlgeleitete Minderheit verantwortlich zu machen, die fälschlicherweise religiöse Reinheit als Eigentum pachtet.“

Interessant. Warum also wenden die Medien nicht die gleiche Logik an, wenn sie den gewalttätigen Extremismus in Burma beschreiben? Im Gegenteil, sie reden von „extremistischen Buddhisten“ und geben an

„es handelt sich um eine ultra-nationalistische buddhistische Organisation, die seit Jahren anti-moslemische Propaganda im Land verbreitet. Sie verstehen sich als selbsternannte Verteidiger von Burmas dominanter buddhistischer Religion.“

Die Moslembruderschaft in Ägypten wird ein wenig anders beschrieben: „Die Bruderschaft kann sich kaum in den Anschuldigungen wiederfinden. Ihr Selbstverständnis ist eine lange leidende Bewegung mit vielen Anhängern und einer reichen Geschichte der sozialen Arbeit zu sein, die alles daran setzt das Land wirtschaftlich zusammenzuhalten.“

Warum ist ein buddhistischer Mönch in Burma, der seine religiöse Intoleranz ausdrückt, ein „buddhistischer Extremist“, aber solche, die in Ägypten, im Gaza-Streifen oder in vielen anderen Ländern intolerant sind, keine „moslemischen Extremisten“ oder „Ultra-Nationalisten“?

Massenmedien sollte sich Gedanken darüber machen, warum sie die „Buddhisten“ in Burma verurteilen, aber es tunlichst vermeiden, eine Beziehung zwischen den islamistischen Organisationen Al-Qaida, den Taliban, Boko Haram, Harakat al-Shabaab, Gamaa Islamija, IS und anderen zum „Islam“ oder „Moslems“ herzustellen. Warum wird nicht dieselbe Terminologie und Erklärung für die Gewalt in Burma gewählt?

Warum werden nicht gewisse Mönche als „gewalttätige Extremisten“ benannt, während man Artikel dazu veröffentlicht, dass der Buddhismus eine „Religion des Friedens“ ist? Warum werden hier nicht „wirtschaftliche Probleme“ und „soziale Graswurzelarbeit“ bemüht? Warum hat man hier auf einmal keine Hemmungen eine „ganze Gruppe“ zur Verantwortung zu ziehen? Warum werden diese Extremisten nicht „anti-buddhistisch“ oder „un-buddhistisch“ genannt? Warum schreibt man hier nicht, dass man indem man sie „Buddhisten“ nennt, die große Mehrheit der Buddhisten „diffamiert“? Warum wird hier nicht erklärt, dass man sich, indem man sie „Buddhisten“ nennt, „unfairerweise ein ganze Religion zum Feind macht“?

Das gleiche gilt für Begriffe wie „Hindu-Nationalisten“, „jüdische Terroristen“ oder „christlichen Fundamentalisten“. Warum ist in allen anderen Fällen die umfassende Beschreibung als religiös in Ordnung, aber nur beim IS wird eine Ausnahme gemacht?

Übersetzung ins Deutsche von Jan Bentz.

Komplett zu lesen in der Druck- oder Onlineausgabe der Zeitung. Sie können die Zeitung „Jüdische Rundschau“ hier für 39 Euro im Papierform abonnieren oder hier ein Onlinezugang zu den 12 Ausgaben für 33 Euro kaufen.


Sie können auch diesen Artikel komplett lesen, wenn Sie die aktuelle Ausgabe der "Jüdischen Rundschau" hier online mit der Lieferung direkt an Sie per Post bestellen oder jetzt online für 3 Euro statt 3,70 Euro am Kiosk kaufen.

Brief an die Redaktion schreiben