Der populäre deutsche Supermarkt versieht seine Datteln mit der falschen Herkunftsbezeichnung „bes.paläst. Geb“.  

Von Chaya Tal

In meinem Artikel „Datteln, das Friedenshindernis“ vom 11. Februar 2018 habe ich über die Affäre der Etikettierung der populären Medjoul-Datteln aus Israel beim „denn’s“-Biomarkt in Köln berichtet, und dabei gegen die falsche Herkunftsbezeichnung „bes.paläst. Geb“ geschrieben und dies mit einigen Fakten untermauert – u.a. die politisch inkorrekte Bezeichnung, die zweifelhafte Bestimmung der ursprünglichen Ernteregion (Jordantal vs. Aravawüste) und die Einmischung in außenpolitische Angelegenheiten seitens eines Handelsunternehmens.

Ein aktiver Leser meines Blogs „Ich, die Siedlerin – eine jüdische Stimme aus Judäa“ hat den Biomarkt angeschrieben und bekam bereits am 12. Februar 2018 (vielleicht wegen der zahlreichen negativen Bewertungen auf der Facebookseite des Ladens) die folgende Antwort:

„Sehr geehrter Herr (Name mir bekannt),

vielen Dank für Ihre Email, in der Sie uns Ihre Beobachtung, wie wir Ware aus dem Westjordanland kennzeichnen, schildern.

Diese haben wir zum Anlass genommen, unsere Kennzeichnung erneut genau zu prüfen und dabei neben der rechtlichen Vorgabe natürlich auch Ihre Gedanken zu berücksichtigen.

Als Fachhändler für Bioprodukte konzentrieren wir uns darauf, die biologische Lebensweise und den Öko-Landbau in Deutschland voranzubringen. Vor diesem Hintergrund pflegen wir weltweit Partnerschaften zu Lieferanten und Produzenten von Bio-Lebensmitteln und sind über den biologischen Gedanken miteinander verbunden.

Bei der Kennzeichnung unserer Datteln aus dem Westjordanland haben wir uns an der 2015 von der EU vorgelegten ‚Mitteilung zu Auslegungsfragen über die Ursprungsbezeichnung von Waren‘ orientiert. Diese besagt, dass Ware aus den West Banks mit ‚Herkunft aus dem Westjordanland (israelische Siedlung)‘ gekennzeichnet werden sollte. Dank Ihres Hinweises wissen wir nun, dass die daraus resultierende stark verkürzte Kennzeichnung „bes. paläst. Geb.“ zu Unklarheit führt und vermuten lässt, dass wir uns politische positionieren wollen würden. Um dieser Annahme entgegenzuwirken haben wir uns dazu entschlossen, die EU-Vorgabe wie folgt abzubilden: WB, israel. Siedl. Die Abkürzungen sind der Tatsache geschuldet, dass unsere Etiketten technisch lediglich 16 Zeichen zulassen.

Wir möchten uns noch einmal bei Ihnen für Ihre Email bedanken und hoffen, mit der angepassten Kennzeichnung deutlich zu machen, dass es um den biologischen Gedanken und nicht um eine politische Positionierung geht.

Leider haben einige unserer denn‘s Biomärkte die Etiketten noch nicht neu ausgedruckt, diese werden umgehend informiert, dies nachzuholen.

Mit freundlichen Grüßen

Karina Pechmann
Leitung Kundendialog“

Die Antwort ist ausführlich und der Vorgang begründet. Die „Mitteilung zu Auslegungsfragen über die Ursprungsbezeichnung von Waren“ bezieht sich auf die Entscheidung der EU-Kommission vom 11. November 2015, über die ich bereits in der Vergangenheit berichtet habe. Frau Pechmann hat also entsprechend der EU-Empfehlung gehandelt.

Aus der Antwort ergeben sich jedoch zwei Fragen.

1) Wenn – wie Frau Pechmann schreibt – die Ware lediglich „gekennzeichnet werden sollte“, wieso hat der Biomarkt gerade diese Version benutzt? Zumal verschiedene Käufer aus anderen Städten berichtet haben, in den dortigen Filialen werde die Ware nicht mit dieser Bezeichnung versehen.

2) Was hat der „biologische Gedanke“, auf den die Kundendialog-Leiterin verweist, mit der politischen Situation in Israel zu tun? Die Medjoul-Datteln werden auf allen Plantagen, die nach Europa exportieren, nach hohen organischen Standards gezüchtet und ihr Anbau folgt internationalen Richtlinien. Die Qualität wird hoch bewertet, der biologische Gedanke korrekt befolgt. Wenn Erzeugnisse aus „palästinensisch“ geführten Plantagen importiert werden und ebenso organisch gezüchtet wurden (so wie die Firma „Königsdatteln“ mit Medjoul-Datteln aus „Palästina“ von sich behauptet), ist das wunderbar – steht aber in keinster Weise im Widerspruch zum „biologischen Gedanken“ der israelischen Produkte.

All das geht den „denn’s“-Biomarkt nichts an. Die „israelischen Siedlungen“ sind für diesen irrelevant, und sollte der „denn’s“-Biomarkt ein Problem mit der Bezeichnung „Israel“ für Datteln aus dem Jordantal haben, könnte er sie auch aus der Arava-Wüste importieren. Ich habe jedoch leider den Eindruck, dass es den Importeuren wichtiger ist „Westbank, israelische Siedlung“ zu drucken statt einfach „Israel“ auf dem Schild stehen zu haben die Waren einfach aus der Arava zu importieren. Vorausgesetzt natürlich, dass sie wissen, wo die Arava liegt.

Oder aber es ist ihnen gänzlich egal. Und dann trifft die Schuld an dem Missstand dieser Brandmarkung mittels Etikett eindeutig die EU. Aber was kann Israel von der EU schon erwarten?

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