März 3, 2017 – 5 Adar 5777
Die britische Geheimpolizei in Palästina

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Die Geschichte der „Criminal Investigation Department“ (CID) (Teil 3 von 4)  

Von Karl Pfeifer

Die Positionen der Araber gegen die Einwanderung von Juden wurden immer extremer bis zum arabischen Aufstand, der im April 1936 ausbrach. Dieser führte dem Jischuw die Möglichkeit vernichtet zu werden vor Augen.

Ende Dezember 1935 dienten in der britischen Polizei im Heiligen Land:

Juden 365
Muslime 1.187
arabische Christen 278
Briten 751
Total 2.581

Die Arbeit der britischen Sicherheitskräfte konzentrierte sich in der Zeit zwischen Januar und April 1936 auf das Sammeln von Nachrichten und die Beobachtung des arabischen Sektors nach der Tötung von Scheich Qassam im November 1935. Das C.I.D. arbeitete mit der Nachrichtenabteilung der RAF (britische Luftwaffe) zusammen. Dies hatte auch mit dem Konflikt in Syrien zu tun, wo die Franzosen mit starker Hand nationalistische Demonstrationen unterdrückten.

Von Syrien kamen arabische Aktivisten in das Heilige Land und forderten von den arabischen Führern in „Südsyrien“ Solidaritäts-Beweise. Am 4. Februar 1936 wurde ein Streik erklärt. Die arabischen Geschäfte schlossen, auch der Verkehr wurde zum Teil gestoppt und Steine wurden auf Polizeistationen in Haifa und Jerusalem geworfen. An diesem Tag organisierte die Istiqlal -Partei (Unabhängigkeits-Partei) eine Massendemonstration vor dem Grab Qassams in der Nähe von Haifa. Der Kommandant des C.I.D. Rice berichtete, dass die Beteiligung von Schülern an dieser Demonstration von politischem Interesse zeugte. Die Anführer der Jugendlichen riefen dazu auf, für ihr Land zu kämpfen, wie das im Irak, in Ägypten und in Syrien geschehe. Einer der Anführer erklärte, dass die Probleme nicht durch Reden, sondern nur durch Waffen und Blut gelöst werden. In den C.I.D.-Berichten wurde darauf hingewiesen, dass nicht nur die Istiqlal-Partei, sondern auch die Leute um den Mufti von Jerusalem von den Italienern unterstützt wurden.

Am 11. April 1936 berichtete der stellvertretende Kommandant des C.I.D., Albert John Kingsley-Heath, über eine Beruhigung der Lage im arabischen Sektor. Ein paar Tage danach änderte sich die Lage, in Jaffa und Umgebung brachen blutige Unruhen aus. Das C.I.D. wurde informiert über das „Komitee der Zehn“, das aus fünf Vertretern arabischer Parteien und fünf Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens bestand (darunter auch der Mufti von Jerusalem), das beschlossen hatte den Streik fortzusetzen.

Anfang Juni schätzte das C.I.D., der Terror würde sich in den Dörfern und hauptsächlich in der Nacht entfalten. Das britische Militär forderte, den Ausnahmezustand (Martial Law) zu erklären, denn ein „riot“ drohte zur „rebellion“ oder „insurrection“ zu werden. Doch dieser Forderung wurde 1936 noch nicht stattgegeben. Das C.I.D. sammelte Nachrichten aus verschiedenen Quellen, was nicht einfach war, denn die arabische Bevölkerung neigte – schon aus Angst vor den Terrorbanden, die auch ohne jeglichen Beweis mordeten – nicht dazu, die Behörden zu informieren.

Am Anfang der Unruhen waren die verschiedenen britischen Nachrichtendienste nicht ganz bereit zur Kooperation. London schätzte damals diese Dienste nicht sehr hoch ein. Trotzdem erhielt die britische Verwaltung in Jerusalem aktuelle Informationen nicht nur von der C.I.D., sondern auch von den Beamten in den verschiedenen Bezirken und vom militärischen sowie vom RAF-Nachrichtendienst. Ein Teil der Nachrichten stammte auch von der Jewish Agency.

Aus den damaligen Berichten ging hervor, dass die Aufständischen auf die Ordnungskräfte schossen und die Lage sich verschlechterte. Im Juli wurden britische Soldaten und Polizisten getötet und die britische Armee erhielt zusätzliche Einheiten. Die britischen Nachrichtendienste wurden aktiver, so kam auch ein perfekt arabisch sprechender Hauptmann ins Land. Doch die militärischen Nachrichtendienste hatten kein Vertrauen in die britische Polizei, weil dort auch Araber beschäftigt waren. Das Misstrauen war allerdings gegenseitig. In seinen Erinnerungen bemerkte Rice, dass diese seine Berichte genau lasen, weil er die besten Agenten im Feld hatte. Rice selbst erhielt zuverlässige Nachrichten von Mitgliedern der arabischen Elite und konnte politisch wertvolle Berichte verfassen, so auch über den Mufti von Jerusalem. Parallel dazu arbeitete Rice auch mit der Jewish Agency zusammen, die als Gegenleistung für ihre Hilfe um die Beförderung von jüdischen Polizisten bat. Die zeitgerechte Information auch der Armee durch Juden half dieser, Sabotageakte zu verhindern.

Am 16. Oktober 1936 berichteten die militärischen Nachrichtendienste, dass der Mufti die Aufständischen finanziere. Dieser Bericht zeigt, wie gut sie informiert waren über die Lage im Land.
Die C.I.D. war nicht nur mit Nachrichtensammlung aus dem arabischen Sektor beschäftigt, sondern beobachtete zur gleichen Zeit auch die Aktivitäten der Italiener und der jüdischen Revisionisten. Der arabische Terror und der Streik hörten im Herbst schlagartig auf, nachdem die arabischen Wirtschaftstreibenden auf den Beginn der Saison für den Export von Citrusfrüchten hinwiesen und bekannt wurde, dass die Peel-Kommission die Lage im Land untersuchen würde. Zur Zeit der Ankunft der Peel-Kommission im November 1936 dienten im C.I.D. 65 Offiziere und Polizisten, davon 26 Briten. Der Mufti blieb versteckt in seinem Haus am Tempelberg und Bandenanführer Fauzi al-Qawuqji fand mit seinen Untergebenen Unterschlupf im Irak. Qawuqji floh 1941 nach Niederschlagung des Putsches im Irak nach Deutschland, wo er vom Mufti 1942 als „britischer Spion“ denunziert wurde. Qawuqji gelangte 1947 über Paris und den Flughafen Lod in sein Heimatland Libanon.

Im Mai 1948 versöhnte sich der Mufti mit ihm und er wurde zum Kommandanten der ALA (Arab Liberation Army) ernannt. Qawuqji gewann 1948 keine einzige Schlacht und fällte über die palästinensischen Araber ein vernichtendes Urteil: sie seien „unzuverlässig, leicht erregbar und schwer zu kontrollieren und für eine organisierte Kriegsführung nicht zu gebrauchen“. [Efraim Karsh, Palestine Betrayed 2011, p. 231]

Die Araber boykottierten auf Wunsch des Muftis am Anfang die Peel-Kommission, sie forderten als sofortige Gegenleistung die unverzügliche Einstellung der jüdischen Einwanderung. Rice bemerkte dazu, dass obwohl mancher Araber vor der Kommission erscheinen würde, diese die Rache des Muftis fürchteten.

Die Untersuchungsergebnisse der Peel-Kommission wurden am 7. Juli 1937 veröffentlicht. Das Mandat sei in seiner gegenwärtigen Form nicht zu halten und das Land zu teilen in einen sehr kleinen jüdischen und in einen größeren arabischen Staat sowie in eine dritte Zone, die einen Korridor von Jaffa bis Jerusalem einschließlich Betlehems umschließen sollte. Auch die Arbeit des C.I.D. wurde im Bericht kritisiert, allerdings wurde auch der arabischen C.I.D.-Beamten gedacht, die 1936 ermordet wurden. Sollte es wieder zu Unruhen kommen, müssten die Rebellen mit eiserner Hand von Armeeeinheiten unterdrückt und ein Notstand erklärt werden.

Der Sommer 1936 war verhältnismäßig ruhig, doch am Sonntag, 26. September wurde in Nazareth Lewis Andrews, der Verwalter von Galiläa mit seinem Begleiter von arabischen Attentätern ermordet als er auf dem Weg zur Kirche war. Dieser von vier Arabern begangene Mord war das Signal, um nun endlich den Notstand auszurufen. Aufgrund der Listen des C.I.D. wurden Verdächtige verhaftet. London gab die Zustimmung, den Obersten Arabischen Rat aufzulösen und seine Mitglieder zu verhaften.

Sir Charles Tegart
Noch im Oktober wandte sich das Kolonialministerium an Sir Charles Tegart, der nach langem Polizeidienst in Indien in den Ruhestand getreten war. Man wollte den 1881 in Irland geborenen Fachmann für den Kampf gegen Terror und Spezialisten der Nachrichtenbeschaffung zum Kommandanten der britischen Polizei im Mandatsgebiet Palästina ernennen. Tegart wollte nur als Ratgeber fungieren, denn seiner Meinung nach sollte der Kommandant der Polizei das Land gut kennen. Tegart brachte Sir David Petrie aus Indien mit ins Heilige Land. Die beiden setzten binnen kurzer Zeit den Bau von Festungen und einen Stacheldrahtzaun an der nördlichen Grenze durch. Sie machten auch bezüglich des C.I.D. Vorschläge, die zum Teil durchgeführt wurden. So wurde die Anzahl der dort beschäftigten Polizisten binnen kurzer Zeit verdoppelt. (…)

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