Januar 6, 2017 – 8 Tevet 5777
Die britische Geheimpolizei in Palästina

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Die Geschichte der „Criminal Investigation Department“ (CID) (Teil 2 von 4)  

Von Karl Pfeifer

Im Gegensatz zur jüdischen Gesellschaft, die in politischen Parteien organisiert war, gründete die arabische Gesellschaft auf Stammes- und Familienzugehörigkeit. Jede der großen Familien hatte eine andere Weltsicht, die auf nationalen, politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten basierte.

Die zwei bekanntesten und wichtigsten Familien in Jerusalem waren die Husseinis und die Nashashibis, die sich gegenseitig bekämpften oder anfeindeten. Die Husseinis wandten sich von Anfang an gegen die britische Herrschaft, die Nashashibis waren bereit mit dem britischen Mandat zu leben und erhielten manchmal geheime Unterstützung von zionistischer Seite.

Im Juni 1928 fand der 7. Kongress der Araber in Jerusalem statt und die allgemeine Atmosphäre dieser Zusammenkunft war gemäßigt. Der Kongress schlug vor, eine gesetzgebende Körperschaft beider Völker zu schaffen. Die Beschlüsse wiederspiegelten den provisorischen Sieg der Nashashibis und ihrer Unterstützer. Es gab aber auch eine Gruppe radikaler junger Menschen aus Gaza, die sich dem kooperativen Geist entgegenstellten. Auch der Mufti von Jerusalem Hadj Amin el Husseini trat ein für die volle Unabhängigkeit der Araber des Landes. Er befand sich im Widerspruch zu seinem Onkel Musa, einem gemäßigten Politiker, der zum Vorsitzenden der arabischen Exekutive gewählt wurde und der meinte, man könne mit der britischen Herrschaft leben, schon um eine autonome Selbstverwaltung der beiden Völker zu erreichen.

Wer heute Jerusalem besucht, der findet vor der Klagemauer einen großen Platz. Doch ich erinnere mich noch lebhaft an meinem ersten Besuch 1943 als nur eine 3 Meter breite Gasse dieses jüdische Heiligtum von den benachbarten Häusern trennte. Es wurden damals vollbepackte Esel durch diese enge Gasse gejagt und man musste aufpassen, nicht in die Extremente von Tieren zu treten.
Die Briten waren nicht fähig zwischen Juden und Muslimen einen Modus vivendi zu erreichen. Während der osmanischen Herrschaft gab es einen Status quo, der von den Briten übernommen worden war. Alle Entscheidungen bezüglich der Klagemauer wurden in Beratung mit dem Kolonialministerium in London gefällt. Ihr Scheitern ein lokales Problem zu lösen, sollte vorankündigen, dass die Mandatsverwaltung auch andere wichtige Probleme nicht lösen konnte.
Der Status quo verbat Juden eine Trennwand zwischen Männern und Frauen aufzustellen. Doch für Jom Kippur 1928 wurde eine solche hingestellt. Der zuständige Polizeioffizier forderte die Beseitigung und am Ende wurde diese von seinen Untergebenen weggenommen. Der britische Offizier war überzeugt, Unruhen vermieden zu haben, denn ein arabischer Pöbel sammelte sich schon in der Altstadt und wartete auf die Gelegenheit, die betenden Juden anzugreifen. Die Angelegenheit kam vor eine Untersuchungskommission und im November 1928 wurde ein „Weißbuch“ in London veröffentlicht, in dem festgelegt wurde, auf dem Status quo zu beharren und die Rechte von Juden und Muslimen zu respektieren.

Doch Mufti Husseini sah in der Angelegenheit der Heiligen Plätze für Muslime in Jerusalem einen Hebel, um seine Macht zu stärken und er urteilte, dass der britische Hochkommissar ein bequemer Partner für Verhandlungen wäre. Andererseits aber hetzte er dazu auf, die betenden Juden zu stören. Er ließ am Tempelberg bauen und so wurden Ziegel auf die Köpfe der Juden geworfen. Dazu kam, dass während der jüdischen Feiertage die Muezzins noch lauter riefen als sonst. Die Juden wandten sich an die Behörden und baten um Intervention. Der Hochkommissar traf einige Male den Mufti und bat darum, auf Ordnung in der Nähe der jüdischen Betenden zu achten, er versicherte dem Mufti, dass die Juden nicht die Rechte der Araber am Tempelberg verletzen, sondern nur die Freiheit haben wollen ihre Gebete ungestört an der Klagemauer zu verrichten.

Doch der Mufti wollte alle Araber des Landes anführen und deswegen hetzte er weiter. Nachdem er wegen seiner Beteiligung an den Unruhen 1920 von den Briten bestraft wurde, gab er vor, nichts mit dem Stören der jüdischen Betenden zu tun zu haben. Das Verhältnis zu den Juden interessierte ihn überhaupt nicht.

Im Sommer 1929 gab es im Land 1.770 Polizisten, davon waren lediglich 219 Briten! Hochkommissar Sir John Chancellor fuhr schon im Juni auf Urlaub ins Ausland und beauftragte den Generalsekretär Harry Luke das Land zu verwalten. Die meisten Offiziere, so auch der C.I.D. befanden sich im Urlaub und nur ihre Stellvertreter blieben da. Auch die meisten wichtigen Führer des Jischuw nahmen am Zionistischen Kongress in Zürich teil, der über die Schaffung der Jewish Agency beraten sollte. Am 3. August 1929 wurde ein jüdischer Junge neben der Klagemauer erstochen und sofort danach wurde ein Jude von zwei Arabern erstochen, die verhaftet wurden. Der damalige Kommandant der Polizei Major Saunders ließ in der Nähe der Klagemauer eine Polizeistation errichten, die bis Ende des britischen Mandats funktionierte.

Am Abend des Tischabeav Fasttages, am 14. August 1929, hatten 6.000 Sympathisanten der „rechten“ Jugendbewegung Betar in Tel Aviv gegen die Einschränkung der jüdischen Rechte an der Klagemauer protestiert. Viele der Teilnehmer kamen nach Jerusalem und marschierten am nächsten Tag, genehmigt und begleitet von der Polizei, fahnenschwingend und hatikva-singend zur Klagemauer. Am Tag danach, am Freitag, liefen 2.000 Muslime hin und zerrissen heilige jüdische Schriften. Die Spannung wuchs. Noch ein jüdischer Junge wurde von Arabern erstochen. Es gab von beiden Seiten Zeitungsartikel, die die Atmosphäre noch mehr anheizten. In der Früh, am Freitag, dem 23. August 1929 eilten zehntausende Araber aus allen umgebenden Dörfern nach Jerusalem, dabei fiel auf, dass sie mit Stöcken bewaffnet waren.

Das Pogrom von Hevron 1929
Polizeimajor Alan Saunders traf am Vormittag den Mufti, der ihm versprach, dass seine Leute nicht das Gesetz brechen werden, außer wenn sie von Juden angegriffen oder provoziert werden. Als Saunders dann durch die Altstadt ging, fiel im auf, dass sehr wenige Frauen aus den umgebenden Dörfer da waren. Um 12.30 Uhr hatte sich ein aufgehetzter Mob durch die Tore der Altstadt gezwängt und sich Richtung der neuen Stadt westlich von der Mauer bewegt. Das sah Henry Luke aus seinem Büro am Damaskus-Tor. Er gab Befehl, die Panzereinheiten, die sich in Ramle befanden nach Jerusalem zu verlegen und erklärte den Ausnahmezustand. Einem Teil des Mobs gelang es in das Montefiore-Viertel (heute Mishkanot Shaananim) zu gelangen und ein regelrechtes Pogrom zu machen. Die Mandatsmacht mobilisierte alle Briten in Jerusalem und fast 300 blieben bis Ende August auf der Wacht. Die Verantwortung für die Sicherheit übernahm die britische Armee.
Die Verstärkung kam zu spät für die Juden Hebrons. 132 Juden, darunter Frauen und Kinder wurden von der aufgehetzten Menge buchstäblich abgeschlachtet. Der Kommandant der britischen Polizisten war Raimond Cafferata, der lediglich 33 arabische Polizisten unter sich hatte. Er bemerkte, dass ein Teil der arabischen Polizisten sich den Pogromisten anschloss, andere sahen passiv zu und nur eine Minderheit half Cafferata Juden zu retten. Ähnlich ging es in Safed in Galiläa zu. Auch da wurden Juden abgeschlachtet und die britische Armee kam zu spät.
Erst im September wurde die Ruhe wiederhergestellt.

Die Mandatsmacht sah ein, dass die Ordnungskräfte im Land zu schwach waren. Die Annahme, dass die RAF solche Unruhen verhindern könne, erwies sich als falsch. Alles ging seinen britischen Weg, es wurde eine Untersuchungskommission ernannt, diese fand die Fehler und formulierte Vorschläge für die Zukunft. Das sollte auch die Arbeitsweise des C.I.D. verändern. Doch das Problem mit dieser Untersuchungskommission war und blieb, dass sie keine Antworten geben konnte auf die aktuellen und zukünftigen Probleme. Die Leitung der C.I.D. wurde ausgetauscht und umorganisiert.
Es wurde angeordnet die politische Tätigkeit von der Abteilung zur Verbrechensbekämpfung „Criminal“ zu trennen, und die Abteilung „Intelligence and Political“ der C.I.D. sollte nicht nur Nachrichten sammeln, sondern auch feindliche Tätigkeit von vornherein unmöglich zu machen. Der damalige Chef der C.I.D. verstand das Scheitern seiner Einheit während der Unruhen 1929 nicht. Er erklärte 1935 „Die Araber haben ihre Pläne derartig geheim gehalten, so dass sie die Polizei und den militärischen Nachrichtendienst überraschten.“ (…)

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