Januar 4, 2016 – 23 Tevet 5776
Die Berliner Gemeinde hat gewählt

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Ein leidenschaftlicher Wahlkampf und zwei Parteien  

Von Stefan Stieglitz

Es war ein leidenschaftlicher Wahlkampf. Die Gruppe „Emet“ (Wahrheit) um den 1975 in Astrachan am Kaspischen Meer geborenen Dr. Sergey Lagodinsky forderte die Gruppe „Koach“ (Stärke) um den alten und neuen Vorsitzendender größten jüdischen Gemeinde Deutschlands, Dr. Gideon Joffe (Jahrgang 1972), heraus.

Vor allem die oppositionellen „Emet“-Leute hatten sich mit sehr viel Energie in den politischen Wettstreit gestürzt (hier ist vor allem der engagierte Mike Delberg zu nennen, der u.a. die Abschlussveranstaltung von „Emet“ moderierte). Während die „Emet“-Anhänger vor allem den Mangel an „frischem Wind“ in der Gemeinde monierten, wissen Joffes Anhänger an ihm zu schätzen, dass er die Gemeinde (auch finanziell) sehr solide führe.

Am 20. Dezember waren etwa 9.000 Wähler aufgerufen über die Zusammensetzung des Gemeindeparlaments zu entschieden.„Emet“-Anhänger zeigten sich bei der Auszählung der Stimmen erstaunt über „unerwartete“ Stimmzettel aus einem „ihnen unbekannten“ Wahllokal, die der Wahl eine Wendung zugunsten von „Koach“ gaben. Dr. Joffe und seine Kandidaten werden in Zukunft voraussichtlich 13 und Dr. Lagodinsky mit seinen „Emet“-Kandidaten 8 der insgesamt 21 Sitze in der Repräsentantenversammlung haben.

Dr. Lagodinsky befürchtete eine Manipulation der Wahl und hat sie offiziell angefochten. Ob diese Vorwürfe von Substanz getragen sind, wird die neutrale Wahlleitung zu entscheiden haben.

Auf die Begriffe „Schlechte Verlierer“ vs. „arrogante Machtmenschen“ kann man die gegenseitigen Vorwürfe wohl herunterbrechen. Bei allem Wahlkampf-Getöse muss man jedoch betonen, dass man alle „Emet“- und „Koach“-Anhänger immer noch gemeinsam auf Veranstaltungen der Gemeinde sieht und bei aller Konkurrenz doch reger Austausch zwischen alt und jung, russisch- und deutschstämmig herrscht.

Es bleibt zu hoffen, dass die beiden Gruppen, in denen auf beiden Seiten viele sympathische und kluge Köpfe zu finden sind, mittelfristig ihre Konflikte beilegen können.

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