Januar 11, 2018 – 24 Tevet 5778
Die Begin-Doktrin: damals und heute

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Wird im Iran folgen, was in Irak und Syrien Erfolg hatte?  

Von Tal Leder

Im Jahre 1981 schreckte der damalige israelische Ministerpräsident Menachem Begin nicht davor zurück, den irakischen Atomreaktor zu zerstören. Damit war eine neue Doktrin geboren, in dem Israel seinen Feindstaaten nicht erlauben würde Massenvernichtungswaffen zu produzieren. Diese Doktrin hat bis heute Bestand und mit Blick auf die iranische Bedrohung könnte der jüdische Staat erneut zum Präventivschlag ausholen.

„Jeder neue Krieg wird zur Ausrottung des zionistischen Regimes führen.“ Laut der halboffiziellen iranischen Nachrichtenagentur Fars sind dies die Worte von Generalmajor Mohammad Ali Jafari, dem Oberbefehlshaber des iranischen Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC), der Ende November 2017 auf einer Pressekonferenz in Teheran neue Drohungen gegen Israel ausgesprochen und geschworen hat, dass jeder zukünftige Konflikt der letzte des jüdischen Staates sein würde.

Der Krieg der Worte geht in eine neue Runde und wieder einmal prophezeit das Mullah-Regime im Iran mit seinen Untergangsphantasien die Auslöschung Israel.

Bis 1979 waren Israels Beziehungen zum Iran gut
Solche Provokation kommen von den Ayatollahs und seinen führenden Militärs am Persischen Golf seit Jahrzehnten fast täglich. Seit der islamischen Revolution von 1979 erkennt der Iran das Existenzrecht Israel nicht mehr an und änderte seine Politik gegenüber dem jüdischen Staat fundamental. Hatten beide davor relativ gute diplomatische Beziehungen, so bezeichnet die ultrakonservative schiitisch-islamische Diktatur in Teheran seit der Machtübernahme die Regierung in Jerusalem als „zionistisches Regime“ der sogenannten „besetzten Gebiete“ oder auch immer wieder als den „kleinen Satan“ (in Bezug auf die USA, die sie den „Großen Satan“ nennen) und unterstützt radikalislamische Terrorgruppen wie u. a. die Hamas und die libanesische Hisbollah im bewaffneten Kampf gegen Israel. Die Zerstörung des jüdischen Staates wurde zur iranischen Staatsdoktrin und steht auf seiner politischen Agenda ganz oben.

Natürlich lässt die Antwort der Regierung Netanjahus aus Jerusalem nicht lange auf sich warten, doch wie geht ein anerkannter Staat, eine Demokratie westlicher Prägung mit solch aggressiven Drohgebärden um? Vor allem wenn sein schlimmster Feind ein Atomprogramm verfolgt, um in den Besitz der Atombombe zu kommen und deren Politiker und Militärs ständig davon sprechen das „Zionistische Gebilde“ von der Weltkarte zu tilgen? Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 gab es nur selten eine ähnliche Rhetorik vonseiten einer Regierung.

Luftangriffe gegen den Iran?
Deshalb debattieren schon seit vielen Jahren weltweit Experten aus Politik, Militär und Wissenschaft über die Option eines israelischen Militärschlags gegen die Atomeinrichtungen im Iran. Dass die israelische Luftwaffe (Israeli Air Force, IAF) dazu imstande ist solche gefährlichen Operationen umzusetzen, hat sie der Welt bereits zweimal bewiesen. Als durch die Aufrüstung seiner Feinde mit Massenvernichtungswaffen die Existenz der israelischen Nation auf dem Spiel zu stehen drohte, wurden die Nuklearreaktoren, sowohl im Irak 1981 als auch in Syrien 2007 vollständig zerstört.

Für Israel ist so eine Situation wie die iranische Bedrohung natürlich nichts Neues. Fast täglich droht ein arabischer oder muslimischer Führer dem jüdischen Staat mit seiner totalen Vernichtung. Es waren keine 24 Stunden seit der Unabhängigkeitserklärung am 14. Mai 1948 verstrichen, als Israel bereits von einer arabischen Allianz, bestehend aus regulären Armee-Einheiten der Staaten Ägypten, Syrien, Libanon, Jordanien und Irak angegriffen wurde. „Wir werfen die Juden ins Meer“, war das Schlagwort, das die Soldaten bei ihrem Einfall immer wieder selbstsicher vor sich herriefen. Ging es für den neu gegründeten Staat nur vier Jahre nach dem Holocaust ums Überleben, so ist seit damals kein Tag vergangen, in dem sich Israel nicht mit zahlreichen Bedrohungen konfrontiert sah.

In diesem strategischen Umfeld ist Israel gezwungen, seine Verteidigungsdoktrin konstant anzupassen, um neue Bedrohungen durch seine Feinde neutralisieren zu können.

Präventivschlag 1967
Die arabischen Politiker standen vor 50 Jahren dem heutigen Mullah-Regime im Iran in nichts nach. In ihrer Vorfreude sprachen sie u. a. von der „Zerstörung der zionistischen Basis“, manche sogar von der „Vernichtung der Juden“. Andere träumten davon „Israel von der Landkarte zu tilgen“. Um einem drohenden Angriff der arabischen Armeen wie im Unabhängigkeitskrieg 1948 zuvorzukommen und diesen zu vereiteln, entschieden sich die Knesset und die Militärführung für die Strategie eines Präventivschlags – also eine Offensive in defensiver Absicht.

Dies führte zu einem sogenannten „Enthauptungsschlag“, der die gegnerischen Streitmächte schwächte und sie dadurch daran hinderte Kampfhandlungen auf israelisches Territorium zu tragen.

Nach dem gewonnenen, aber verlustreichen Jom-Kippur-Krieg im Oktober 1973 musste Israel seine gesamte Sicherheitsstrategie komplett erneuen. Der Verteidigungswall, die „Bar-Lev-Linie“ wurde vier Jahre nach der Fertigstellung bis auf einem Posten total überrannt. Militärisch war der Krieg zwar nach 18 Tagen ein Erfolg auf ganzer Linie, doch man bezahlte einem hohen blutigen Preis für den Sieg. Kurze Zeit danach trat auch die Regierung zurück.

Atomabkommen zwischen Frankreich und Irak
Das neu gewählte Parlament musste die Politik zum Schutz seines Landes total überarbeiten. Nachdem viele Israelis zu Beginn des Oktober-Krieges 1973 schon das Ende des jüdischen Staates sahen, wollte seine Führung erstens vor einem erneuten Überraschungsangriff gewappnet sein und zweitens bestand für Israel durch das abgeschlossene Atomabkommen zwischen Frankreich und Irak von 1975 zum ersten Mal die Gefahr einer nuklearen Bedrohung durch einen feindlichen Staat.

Und so begann schon die Regierung unter der ersten Amtszeit Jitzhak Rabins in Jerusalem mit den Planungen und Vorbereitungen für eine ausgeklügelte Verteidigungsstrategie gegen die neue atomare Gefahr aus dem Irak. Diese intensivierten sich dann noch mit der Machtübernahme der ersten „rechten“ Regierung in Israel im Jahre 1977 unter Menachem Begin (1913-1992). Von Anfang an machte er seiner Nation klar, dass kein Staat im Nahen Osten zur Atommacht aufsteigen darf. Währenddessen wuchs die nukleare Bedrohung durch den Irak unter dem neuen Diktator Saddam Hussein, dessen Reaktor Tammuz-1 in Osirak in der Lage war langfristig Plutonium zu erzeugen.

Israel wollte dem nicht untätig zusehen. Unter Menachem Begin sollte sich eine noch nie da gewesene Verteidigungspolitik entwickeln: die sogenannte Begin-Doktrin.

Diese Strategie bedeutet einen Präventivschlag gegen potenzielle Feinde Israels, welche die Fähigkeit besitzen Massenvernichtungswaffen, insbesondere Atomwaffen, herzustellen. Praktisch umgesetzt wurde die Begin-Doktrin erstmal mit dem israelischen Angriff auf den irakischen Atomreaktor Osirak während der „Operation Opera“. Dieser erfolgte am 7. Juni 1981, nur knapp ein Jahr nachdem bereits iranische Piloten während des Iran-Irak-Krieges vergeblich versucht hatten, diese Nuklearanlage südlich von Bagdad zu zerstören.

Nachdem die Aktion über viele Jahre vom Geheimdienst und Militär präzise vorbereitet wurde, starten an diesem Tag mehrere Kampfjets vom Typ F-16 und F-15 vom ehemaligen israelischen Stützpunkt Etzion auf dem Sinai auf – mit dem Ziel Irak. Dabei wurde jordanisches und saudi-arabisches Grenzgebiet überflogen. Problemlos gelangten die israelischen Piloten in den irakischen Luftraum und griffen die Atomanlage in Osirak an. Die gesamte Operation dauerte nur zwei Minuten, bis zur völligen Zerstörung des Reaktors. Allerdings kamen dabei auch 11 Menschen in und um den Reaktor ums Leben.

Eine Präzedenzfall für jede zukünftige Regierung
In einer Pressekonferenz rechtfertige Begin den Angriff damit, dass das jüdische Volk nie wieder schutzlos seinem Schicksal überlassen werden sollte. Einen weiteren Holocaust dürfte es niemals geben. Weiter fügte er hinzu „dieser Angriff wird ein Präzedenzfall für jede zukünftige Regierung in Israel sein. Jeder zukünftige israelische Premierminister wird unter ähnlichen Umständen in der gleichen Weise handeln.“ Dies war die Geburt einer neuen Doktrin und sie hat bis heute Bestand. Wann immer die Existenz Israels auf dem Spiel steht, muss ein Präventivschlag folgen.

Angriff gegen Pakistan?
Diese Politik verfolgte Israel auch Mitte der 1980er Jahre, als man den pakistanischen Nuklearreaktor in Kahuta zerstören wollte. Der Plan sah vor in Kollaboration mit Indien von dort aus den Angriff zu starten, um die „islamische Bombe“ auszuschalten. Nachdem die indische Führung die Operation schon im März 1984 absegnete, wurde sie kurze Zeit später wieder abgesagt. Zu groß war die Angst vor einem Atomkrieg mit seinem Nachbarn Pakistan. Der jüdische Staat musste das zähneknirschend akzeptieren.

Erst unter Premierminister Ehud Olmert wurde von der Begin-Doktrin während der Operation Orchard gegen Syriens Nukleareinrichtungen im September 2007 wieder Gebrauch gemacht. Syrien, ein diktatorischer Staat, der Israel seit seiner Staatsgründung feindlich gesinnt ist, hatte seit jeher enge Rüstungsbeziehungen zu Nordkorea gehabt. Pjöngjang half dem Regime im Damaskus bei der Entwicklung von Chemiewaffen und sollte zu Beginn der 2000er Jahre auch den Bau eines Atomreaktors unterstützen.

Gegen Ende 2006 entdeckte der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad in einer abgelegenen Gegend im Nordosten Syriens den Bau eines verdächtigen Gebäudes nahe des Euphrat, 30 km von dem Ort Deir az-Zur entfernt. Als dann zu Beginn des Jahres 2007 noch ein hochrangiger iranischer General, der viele Jahre als Sicherheitsberater und stellvertretender Verteidigungsminister tätig war, zu den USA überlief, verdichteten sich die Befürchtungen in Jerusalem.

Der General lieferte außerdem wertvolle Informationen über das syrische Nuklearwaffenprogramm, welches vom Iran finanziert und mit Hilfe Nordkoreas fertiggestellt werden sollte.

Nach Rücksprache zwischen Jerusalem und Washington war es klar, dass Israel alleine handeln musste. Nachdem die israelische Luftwaffe monatelang den Angriff geplant hatte, gab die Olmert-Regierung Anfang Herbst 2007 schließlich grünes Licht für einen Präventivschlag. Noch am Abend, in der Nacht zum 6. September 2007 drangen acht israelische F-15- und F-16 Kampfbomber in den syrischen Luftraum ein. Sie waren mit taktischen Luft-Boden-Raketen des Typs AGM-65 „Maverick“ und bunkerbrechenden 500-Pfund-Bomben ausgestattet. Beide Waffensysteme sind lasergelenkt. Ein Team des israelischen Sondereinsatzkommandos der „Shaldag“-Eliteeinheit war am Tag zuvor auf dem Gelände eingetroffen, um das Ziel mit Laser-Designatoren zu beleuchten. Die Operation war ein voller Erfolg und wieder zögerte Israel nicht von der Begin-Doktrin Gebrauch zu machen.

Syrische Bedrohung wurde ausgeschaltet
Ein nach Atomwaffen strebendes Syrien war für Jerusalem ebenso wenig zu akzeptieren wie ein nuklear bewaffneter Irak zwei Jahrzehnte davor. Aus heutiger Perspektive wird die globale Bedeutung des israelischen Angriffs auf Osirak und Deir az-Zur positiv betrachtet. Nicht auszudenken, was Diktatoren wie Saddam Hussein oder Assad angerichtet hätten, wären sie in den Besitz von Atomwaffen gekommen.

Wie schon zu Beginn in dem Text erwähnt ist der jüdische Staat stets gezwungen, seine Verteidigungsstrategie den neuen Gefahren anzupassen. Da aber auch seine Feinde die israelischen Operationen genauestens analysieren und studieren, versuchen auch diese immer wieder neue militärische Optionen und Taktiken zu entwickeln, um ihren Wunsch von der Vernichtung Israels zu verwirklichen.

Und dies führt uns zu der aktuellen Bedrohung Israels durch den Iran. Die Auslöschung des jüdischen Staates ist Teil der Staatsdoktrin im Iran. Seit der Machtübernahme der Mullahs während der islamischen Revolution von 1979 steht die persische Nation Israel nicht nur feindlich gegenüber, sie erkennen auch sein Existenzrecht nicht mehr an. Seit fast 40 Jahren bestimmt ein Großteil der Außenpolitik Teherans die Planung und Vernichtung Israels.

„Unser Weg nach Jerusalem, führt über Bagdad“, riefen die Ayatollahs noch während des brutalen Iran-Irak Krieges zwischen 1980 und 1988. Verhindert durch die Verteidigung ihres eigenen Staates, gründeten sie zu dieser Zeit mit der libanesischen Hisbollah eine radikal-schiitische Terrorgruppe, die im Laufe zu einem ernstzunehmenden Gegner für die israelische Armee werden sollte. Später unterstützte Teheran dann auch den „palästinensischen“ Terror der Hamas und des „Islamischen Dschihad“ im bewaffneten Kampf gegen Israel.

Der Iran hat aus Irak und Syrien gelernt
Doch vor allem mit der Wiederaufnahme des iranischen Atomprogramms zu Beginn der 2000er Jahre, dessen Planung schon 1959 unter dem Schah mit US-amerikanischer Hilfe begann, fingen die Alarmglocken in Jerusalem an zu läuten.
Bei einer so massiv regionalen Bedrohung wird die Begin-Doktrin auch seit 2009 unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in Betracht gezogen. Allerdings zögert Israel noch mit einem Präventivschlag gegen den Iran. Eine Militäroperation gegen die iranischen Nukleareinrichtungen wäre deutlich schwieriger als es in Syrien oder im Irak der Fall war. Diese dort waren nämlich nur auf einem einzelnen Gebiet zu finden, welches man leichter auskundschaften und observieren konnte. Um nicht dem gleichen Schicksal zu erliegen, hat der Iran seine Lehren daraus gezogen und deshalb zahlreiche und gut befestigte Atomanlagen an verschiedenen Orten im Lande gebaut. Viele davon sogar tief unter der Erde.

Allgemein ist der Iran auch ein viel größeres Land und auch ist die Distanz natürlich erheblich weiter als bei den vorangegangenen Aktionen, was bedeuten würde, dass Luftbetankung notwendig wäre. Auch hat der Iran dafür gesorgt, dass sein Atomprogramm sehr gut beschützt wird. Viele Millionen aus dem Staatshaushalt flossen nicht umsonst in die Luftabwehr. Sollte sich Israel trotzdem für einen Angriff entscheiden, würde Teheran nicht stillhalten und einen Gegenangriff – nicht nur mit der verbündeten Hisbollah im Libanon – starten. Ein Flächenbrand von unbekanntem Ausmaß könnte die Folge sein.

Ein atomwaffen-besitzendes Mullah-Regime in Teheran gilt als unannehmbare und existenzielle Bedrohung für den jüdischen Staat. Bisher war die israelische Regierung bereit, den USA und Europa zu erlauben, Wirtschaftssanktionen umzusetzen und diplomatische Lösungen zu verfolgen, während sie gleichzeitig selbst verdeckte Operationen wie Computerviren und die Ermordung wichtiger iranischer Wissenschaftler durchführte, um deren Atomprogramm zu stoppen.

Raketen-Schild

In Jerusalem indes gibt es nicht wenige Minister, die sich von der Begin-Doktrin distanzieren. Sie vertreten einen komplementäre Angriffs- und Verteidigungsdoktrin. Das offensichtlichste Beispiel für die sich verändernde Haltung des jüdischen Staates ist sein bahnbrechender Raketenschild, der ein Netzwerk von radargestützten Abfangjägern umfasst, die alles, von den ballistischen Shehab- und Scudraketen aus Iran und Syrien, bis hin zu den Katjuscha- und Kassam-Raketen der Hisbollah oder Hamas abfangen soll.

Der ehemalige israelische General Shlomo Brom argumentiert sogar, dass Israels Verteidigungshaltung ausgeweitet werden könnte und vielleicht sollte sogar die Geheimhaltung um das eigene angebliche atomare Arsenal des Landes gelockert werden. Er spricht von einer gegenseitigen Abschreckung als Antwort, wobei die andere Seite jeweils weiß, welchen Preis sie für einen Atomschlag zahlen würde, nämlich die eigene Zerstörung. Auch weist er den Vorschlag zurück, dass der irakische Reaktorschlag einen Präzedenzfall für einen möglichen israelischen Angriff auf den Iran geschaffen habe. „Die Entscheidung in Jerusalem, keine militärischen Aktionen gegen mutmaßliche Chemiewaffenprogramme in Syrien und im Irak durchzuführen, hätte bereits die Begin-Doktrin unterminiert“, so Brom.

Der Iran steht seit dem Syrien-Krieg vor den Toren Israels
Doch durch die russische Legitimierung einer langfristig-strategischen iranischen Präsenz in Syrien, kommt die Bedrohung für Israel immer näher. Denn das Mullah-Regime will neben dem Libanon – wo ihre verbündete schiitische Hisbollah-Miliz steht – eine weitere Front zum jüdischen Staat eröffnen. Mit Vollendung ihres Atomprogramms könnte der Traum der Ayatollahs Israel „schachmatt“ zu setzen wahr werden.

Mit anderen Worten: Wenn ein Land, welches von religiösen Extremisten regiert wird, zur Hegemonialmacht aufsteigt und Atomwaffen besitzt, warum sollte es dann von seiner Staatsdoktrin „Israel von der Landkarte zu löschen“ Abstand nehmen? Gegen einen iranischen Angriff spricht die Stärke der israelischen Abschreckung und das „Gleichgewicht des Schreckens“ durch die gegenseitige sichere Zerstörung. Befürworter dieses Ansatzes glauben, dass die iranischen Führer trotz ihrer islamistischen Rhetorik rationale Akteure sind, die wissen, dass auch die Israelis Massenvernichtungswaffen haben, mit denen sie auf einen nuklearen Angriff reagieren können. Wie z.B. durch die U-Boote der deutschen „Dolphin“- Klasse, die mit Atomsprengkörpern für einen möglichen Zweitschlag bestückt werden könnten.

Iranische Atomwaffen würden auch ohne direkten Einsatz wirken.
„Selbst wenn es unwahrscheinlich ist, dass sie eine Atombombe auf den jüdischen Staat abfeuern, würde die bloße theoretische Möglichkeit dieses Ereignisses die iranischen Verbündeten an Israels Grenzen, also die Hamas und Hisbollah, drastisch ermutigen”, sagt Chuck Freilich, ein ehemaliger- israelischer stellvertretender nationaler Sicherheitsberater.

Sollte das Mullah-Regime in Teheran also zur Atommacht aufsteigen, würde das „eine große Einschränkung für Israels Handlungsspielraum“ in Gaza, sowie im Libanon und in Syrien bedeuten.

Das atomare Wettrüsten würde beginnen
Der schiitische Iran sei jedoch nicht das Hauptproblem, meint Prof. Yehezkel Dror, Experte für israelische Sicherheitspolitik. Sobald die Ayatollahs den Punkt erreicht haben, wo sie es einfach haben werden eine Atombombe zu bauen, werden andere Länder in der Region, besonders sunnitische Staaten wie die Türkei, Ägypten und vor allem Saudi Arabien – der Erzfeind Irans – dem Beispiel folgen wollen. „Der Iran ist ein Land mit einer alten Kultur. Sie werden nicht in den Selbstmord eilen. Aber ich kann das nicht über alle Länder im Nahen Osten sagen“, warnte Dror. (…)

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