Februar 7, 2019 – 2 Adar I 5779
Deutschlands jüdischer Star-Gärtner

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Der jüdische LandschaftsarcDeutschlands jüdischer Star-Gärtnerhitekt Ludwig Lesser war einer der Größten seiner Zunft. Ein Porträt zu seinem 150. Geburtstag. 

Von Martin Stolzenau   

Bad Saarow-Pieskow fand erstmals urkundlich 1463 Erwähnung, umfasste bis Ende des 19. Jahrhunderts zwei wirtschaftlich arme Dörfer und wurde durch Theodor Fontane in den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ mit dem Hinweis auf den Scharmützelsee berücksichtigt. Aber ab 1905 kam der Aufschwung. Zuerst erfolgte die Anbindung an eine Dampfschifffahrtslinie auf dem Scharmützelsee, die für Besucher sorgte und das Interesse einer Bank beförderte, die angesichts der landschaftlichen Idylle und des wachsenden öffentlichen Interesses nach Erholung Grundstücke erwarb und den Bau von Landhäusern erwog.

Für die Umsetzung wurden der Architekt Ernst Kopp und der Landschaftsarchitekt Ludwig Lesser gewonnen. Parallel kam es zum Zusammenschluss von Saarow und Pieskow am Scharmützelsee zum Doppelort. Das vereinfachte die Planungen für die Landhauskolonie und eine entsprechende Infrastruktur. Eine Schlüsselstellung hatte bei alledem Ludwig Lesser inne, der einer Familie entstammte, die über mehrere Generationen herausragende Landschaftsarchitekten hervorbrachte, mit einigen Projekten schon selbst deutschlandweite Bekanntheit erlangt hatte und mit der Gartenstadt Frohnau gerade sein Meisterstück realisierte. Saarow-Pieskow wurde sein nächster Höhepunkt. Der Ort gedieh danach zum bevorzugten Rückzugsort für Künstler, Industrielle und Politiker.

Ludwig Lesser wurde am 3. Februar 1869 in Berlin geboren. Schon Ludwig Lesser, sein Urgroßvater, und Richard Lesser, sein Großvater, waren als Gartengestalter hervorgetreten. So wurde das diesbezügliche Interesse offenbar vererbt. Der Junge hatte verschiedene Lehrmeister, vervollkommnete sich dann in einigen bekannten Gärten Deutschlands und im Ausland und fungierte mit seiner Sachkenntnis und Kreativität bald als Obergärtner.

1902/03 wurde für seine Entwicklung zur Zäsur. Lesser kehrte nach Berlin zurück, wirkte fortan als erster freischaffender Landschaftsarchitekt Deutschlands und trug den wachsenden Erfordernissen nach gärtnerischer Gestaltung mit seinen Angeboten Rechnung. Die Verstädterung, Zusammendrängung der Menschen auf engstem Raum und zunehmende Technisierung verlangte nach Alternativen und nach begrünten Ruhepolen. Die Reichen und Schönen von damals umgaben ihre Villen und Schlösser mit Parkanlagen. Die Städte ließen Volksparks und neue Friedhöfe als Parkanlagen anlegen. Neue Heilstätten verlangten nach Grünflächen. Wohnviertel der aufkommenden Moderne sollten als Gartenstädte angelegt werden. Lesser lag mit seinen modernen Vorstellungen voll im Trend, erlebte eine Auftragsflut und musste bald mehrere Angestellte für seine diesbezüglichen Planungsarbeiten beschäftigen. (…)

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