November 4, 2015 – 22 Heshvan 5776
Der neue Dokumentar-Film „Arab Movie“

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Der arabische Film am Freitag war früher ein Höhepunkt im israelischen Fernsehen  

Von Laura Külper

(…)
JR: Welches Verhältnis hast du zu Ägypten und den arabischen Filmen?

E.S.B.: „Nun, meine Familie kam aus Ägypten, genauer gesagt war vor allem meine Großmutter eine prägende Figur für uns. Wir liebten Israel, gar keine Frage. Doch es gab immer diese Dissonanz. Außerhalb von zuhause war Ägypten der Feind. Zuhause hingegen bedeutete Ägypten auch Kultur, Sprache, Humor und natürlich wunderschöne Erinnerungen. Wenn meine Eltern aber über Politik sprachen, war Ägypten der Feind. Es war also immer sehr schwierig. Als wir für den Film recherchierten, interviewte ich auch meine Tante. Sie liebte die arabischen Filme und natürlich liebte sie Israel sehr. Leider verlor sie ihren Sohn im Krieg, genauer gesagt beim Sinai-Feldzug. Doch als ich sie für den Film fragte, ob sie Ägypten je als Feind gesehen hätte, sagte sie: Ich weiß nicht. Nein, eigentlich nie. Ist das nicht erstaunlich? Nationalismus machte sie nicht blind für Humanität. Zunächst dachte ich, mein Verhältnis zu Ägypten sei speziell, doch mit der Zeit erkannte ich, dass sehr viele Menschen ebenfalls diese Dissonanz spürten. Es war eine gesellschaftliche Dissonanz."

JR: Was schlägst du vor, wie könnte man das ändern? Sollte man sich mehr auf das besinnen, was man gemeinsam hat?

E.S.B.: „Ja, auf jeden Fall. Immerhin ist das auch ein großer Teil unserer Geschichte. Sephardische Juden und Araber teilten über Jahrhunderte eine gemeinsame Sprache, eine Kultur. Doch irgendwie versuchen wir das oft zu verdrängen, wir haben versucht diese eigentlich sehr natürliche Verbindung zu vergessen. Man muss versuchen Stereotypen zu durchbrechen und sich auf das besinnen, was human und menschlich ist, auch wenn das sehr komplex ist. Ich meine, selbst innerhalb der israelischen Gesellschaft differenzieren wir doch, wenn es um die Herkunft geht, oder? Wenn wir über ägyptische Juden reden, sagen wir meistens einfach zusammenfassend ‚die Ägypter‘.“

JR: Was war besonders schwierig, gab es irgendwelche Komplikationen beim Filmen?

E.S.B.: „Eigentlich gab es drei große Schwierigkeiten. Die erste Komplikation, das bin ich selbst. Ich bin sehr faul. Nicht wenn es um Ideen geht, aber oft wenn es um deren Umsetzung geht. Für mich ist eine Idee, die in meinem Kopf ein tolles Bild kreiert, genug. Ich bin kein Typ, der alles sofort in die Tat umsetzen muss, eine schöne Idee reicht mir oft schon. Deswegen gäbe es ohne Sara Tsifroni, meine Co-Regisseurin, auch gar keinen Film. Sie hat mich immer wieder angeschrieben und motiviert und alles am Laufen gehalten. Ich möchte das mal verdeutlichen: Von den 6 Jahren, die wir recherchiert, gefilmt, geschnitten und produziert haben, habe ich 5 Jahre einfach nicht glauben können, dass ich jetzt wirklich einen Film mache.

Die zweite große Schwierigkeit war, mit meiner Tante über den Tod ihres Sohnes für den Film zu reden. Ich habe viel daran gesetzt, dass sie sich wohl gefühlt hat und sie versteht, dass es nichts mit dem Konflikt oder dem Krieg zu tun hat. Und das hat sie verstanden. Als der Film endlich herauskam, war sie überglücklich und jetzt wartet sie schon sehnsüchtig auf den nächsten Film. (…)

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